Der afghanische Nationalsport Buzkashi ist, wenn überhaupt, den meisten von uns aus dem Film “Rambo III” bekannt. Aber gerade nach dem Einmarsch westlicher Truppen erlebte er eine Renaissance und wird wieder überall im Land gespielt. Dass dieses Spiel aber beileibe kein Zuckerschlecken ist und bei dem es sogar zu gebrochenen Knochen oder Todesfällen kommen kann, beleuchtet unser Artikel.

HINWEIS: Dieser Artikel ist Teil unserer neunteiligen Serie Das sind die gefährlichsten Sportarten der Geschichte, in der wir Sportarten für die ganz harten Kerle vorstellen.

Es gibt doch kaum etwas schöneres, als auf dem Rücken eines wild gewordenen Pferdes mit dem Kadaver einer Ziege, eines Hammels oder eines Kalbes in der Hand, die Peitsche zwischen den Zähnen, über die afghanische Steppe zu donnern, verfolgt von einer Horde Wahnsinniger, die einem eben dieses tote Vieh wieder entreißen wollen!

Wenn Sie oben beschriebenes schon einmal gedacht haben sollten, dann sind Sie entweder Afghane oder brauchen sofort psychologische Betreuung. Wer keine Ahnung hat was ich da gerade geschrieben habe, dem sei Buzkashi jetzt näher erklärt:

Der Ursprung

Buzkashi ist ein sehr altes Spiel, dessen Ursprung auf Dschingis Khan zurückgehen soll.

Während der Herrschaft der Taliban war es sogar verboten. Das lag nicht nur daran dass jeder Form der Unterhaltung als unislamisch galt, sondern auch weil das Spiel bei den nordafghanischen Stämmen der Tadschiken und Usbeken, Angehörigen der gegnerischen Nordallianz, so beliebt war.

Heute ist Buzkashi Nationalsport und hat den gleichen Stellenwert wie bei uns Fussball.

Die Regeln

Regeln? Haben Sie gerade nach Regeln gefragt? Beim Buzkashi gibt es so gut wie keine. Genauso wenig wie es Schiedsrichter gibt. Was nicht erlaubt ist: Der “Ball” (“Boz” = Balg) darf nicht am Sattel festgebunden werden, man darf dem Gegenspieler nicht auf die Hand schlagen und stechen oder schießen sind auch verpönt. Davon abgesehen ist alles erlaubt.

Das Ziel des Spiels

Verschiedene Spielarten haben verschiedene Ziele. Aber im Normalfall ist das Ziel den Boz zu packen, in einen bestimmten Bereich zu bringen und dadurch zu punkten.

Das Spiel ist dann zu Ende, wenn sich der Boz in seine Einzelteile aufgelöst hat. Und das kann unter Umständen auch mehrere Tage dauern.

Der Preis

Das Buzkashi zu gewinnen bedeutet hohes soziales Prestige und den Erhalt hoher Preise, wie z.B. einem wertvollen Pferd, Geld oder anderen Gütern.

Das Spielfeld

Es gibt keine festen Richtlinien was Größe oder Beschaffenheit des Spielfelds, “Maidan” genannt, betrifft. Meistens handelt es sich um ein Stück Steppe, das bis zu mehreren Quadratkilometern groß sein kann und auf dem -je nach Spielart- zwei Torpfosten bzw. Punktbereiche aufgestellt werden.

Die Spieler

Buzkashi ist kein Spiel für Weicheier! Die Chopendoz oder Tchovandoz -so werden die Spieler bezeichnet- laufen ständig Gefahr verletzt zu werden und mit gebrochenen Knochen auf der Steppe zu landen. Aber auch das hält die wenigsten auf. Es kommt oft vor dass sich ein Reiter mit Knochenbrüchen, Gehirnerschütterung oder sonstigen Verletzungen wieder aufs Pferd schwingt und weiterspielt.

In früheren Zeiten war es sogar nichts ungewöhnliches, dass Spieler während des Buzkashi erdolcht oder auf andere Art getötet wurden. Das ist vielleicht mit ein Grund warum die erfolgreichsten Buzkashi-Spieler (“Chapanzad”) wie Popstars verehrt werden.

Die Mannschaften

Die Mannschaftsgröße ist nicht festgelegt und variiert von zehn bis zwölf bis zu mehreren hundert Spielern. Es gibt auch”Jeder-gegen-jeden”-Varianten, die für den ungeübten Zuschauer noch wilder und chaotischer aussehen als die Mannschaftsvarianten und bei denen jeder Reiter auf sich gestellt ist.

Doch Mannschaft muss nicht unbedingt etwas bedeuten: Wie in der afghanischen Politik werden kurzzeitige Allianzen, Absprachen und Bündnisse innerhalb der Teams geschlossen. So ist es nicht unüblich dass ein Spieler auch von den eigenen Teamkameraden angegriffen wird.

Die Ausrüstung

Wie man richtig vermutet wenn man sich Buzkashi  näher betrachtet, gibt es auch bei der Ausrüstung keine festgelegten Vorgaben. Weil während des Spiels oft auch mit der Peitsche und den Fäusten nach dem Gegner geschlagen wird, legen viele Spieler mittlerweile dicke Schutzkleidung inklusive Kopfschutz an. Dadurch soll ernsthaften Verletzungen vorgebeugt werden.

Die Pferde

Wenn Sie glauben dass nur die Reiter hart im Nehmen sind, dann liegen Sie falsch. Selbst die Pferde, die extra für dieses Spiel gezüchtet werden, lassen sich so gut wie durch nichts aufhalten: Sie beißen, drängen oder schlagen aus und unterstützen damit ihre Reiter. Die Besten unter ihnen dürfen nicht exportiert werden weil sie als nationales Eigentum angesehen werden.

Na? Lust bekommen? Dann auf nach Afghanistan und viel Spaß…

Bildnachweis: Titelbild www.changwlee.com

Thilo Heffen

Thilo Heffen wurde 1970 geboren und ist immer noch nicht tot. Sein Berufsleben besteht zum großen Teil aus Titeln mit dem Präfix "Ex-", wie zum Beispiel Ex-Soldat, Ex-Netzwerkingenieur, Ex-Filmemacher, Ex-Operations Manager oder Ex-Niederlassungsleiter. Wird er gerade nicht von Frau, Kindern oder Hund in Beschlag genommen, versucht er auf EXIMUM Beiträge so interessant zu schreiben, dass sie auch von anderen gerne gelesen werden.