Food

Ist das Steak auf Ihrem Teller wirklich so lecker wie Sie glauben?

Es ist wieder BBQ-Zeit! Der Grill, den Papa zum Geburtstag von der Familie geschenkt bekommen hat (und der so teuer wie eine Urlaubsreise war) thront draußen, die Baguettes, die BBQ- oder Knoblauchsoße und das kalte Bierchen stehen auf dem Tisch und es duftet wunderbar nach Fleisch… das Sie für 1,69 € aus der Kühltheke vom Discounter haben… im Vierer Pack… auf einem über 1000 Euro-Grill… Herzlichen Glückwunsch!

Glauben Sie wirklich, dass Sie mit dem Billigfleisch Ihrem Körper etwas Gutes tun? Lehnen Sie sich für ein paar Minuten zurück und lesen Sie weiter. Trinken Sie vorher einen Schluck, es wird Ihnen womöglich nicht gefallen…

'Gras fed' Vs. 'Grain fed'

Um eine stärkere Marmorierung und damit eine größere Zartheit und noch mehr Geschmack zu erhalten, werden die Tiere in den USA, Australien und Uruguay mindestens 100 Tage vor der Schlachtung mit Getreide gefüttert (grain fed beef bzw. grain finished beef).

Die Tiere, die in Argentinien und Irland aufwachsen, verbringen fast ihr ganzes Leben in freier Natur. Sie ernähren sich von frischem Gras und klarem Wasser (grass fed beef oder Weidefleisch). Ihr Fleisch ist ein echtes Naturprodukt und enthält mehr Omega-3-Fettsäuren und konjugierte Linolsäure

Also, ist es wirklich von Bedeutung was Kühe fressen? Die Wissenschaft sagt ja – und zwar hat es Bedeutung für Ihre Gesundheit, für das Ökosystem, in dem die Tiere aufwachsen und für den Planeten insgesamt. Hier gebe ich ihnen vier Gründe, warum Weidefleisch besser für Sie (und die Kühe) ist, als Fleisch aus der ”Intensivtierhaltung”.

Laut Bundesministerium für für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) lag Der geschätzte Pro-Kopf-Verzehr […] 2018 bei 60,1 kg”.

Lassen Sie uns also mal über Fleisch reden.

Massentierhaltung und Bakterien

Photo: raising-life.phileo-lesaffre.com

Feedlots, wie sie beispielsweise in den USA oder Argentinien üblich sind, oder die in Deutschland übliche Laufstallhaltung, sind furchtbar. Kühe stehen dicht gedrängt wie die Sardinen in ihnen, mit kaum Raum zum Fressen. Und da Kühe keine Toiletten benutzen, müssen sie sich dort erleichtern, wo sie die ganze Zeit stehen. Es gibt Ableitungen, aber zu behaupten, dass der Schmutz und die Fäkalien sauber weggespült werden, wäre eine Lüge. Es ist normal, dass die Kühe in ihren eigenen Exkrementen (und denen der anderen Kühe) stehen. Ein guter Artikel zum Thema findet sich bei der Albert-Schweitzer-Stiftung.

“Oft sind die Keime aus den Tierställen selbst harmlos, aber sie tragen dazu bei, Resistenzen aufzubauen. Der Mensch kann dann bei der nächsten Infektion nicht mehr behandelt werden. Deshalb warnt die Weltgesundheitsorganisation vor einer drohenden medizinischen Katastrophe.” warnt die Süddeutsche Zeitung in ihrem Artikel “Fressen und Moral” vom 3. März 2014.

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Weidekühe hingegen können nach der Darmentleerung einfach weggehen. Sie sind deshalb nicht dem Level an Dreck und Krankheitserregern ausgesetzt, denen die industriell aufgezogenen Kühe jeden Tag begegnen.

Weidefleisch ist nicht mit Antibiotika vollgestopft

Angstmache, finden Sie? Antibiotika verschreibt der Arzt, wenn man krank ist, ist doch besser, wenn man sie gleich über die Nahrung bekommt, meinen Sie? Nicht ganz…

Die ekelhaften Bedingungen der konventionellen Landwirtschaft machen Tiere krank und lassen sie sterben, richtig? Und der Verlust von Tieren bedeutet Gewinnausfall. Das Sicherstellen hygienischer Bedingungen führt aber auch zu geringerer Produktion und damit zu Gewinnausfällen. Was kann die Industrie dagegen tun?

Die billige Lösung besteht darin, den Kühen routinemäßig Breitbandantibiotika zu verabreichen, sodass sie lange genug am Leben bleiben, um zur vollen Größe zu wachsen. Dazu kommen neben Antibiotika auch Wachstumshormone zum Einsatz, die für eine rapide Zunahme an Masse innerhalb kürzester Zeit sorgen.

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Was passiert eigentlich, wenn Sie immer wieder die gleichen Antibiotika verwenden? Ganz einfach: Krankheitserreger werden gegen dieses spezielle Antibiotikum resistent. Da die Tiere auch einen großen Teil der Antibiotika unverändert durch ihren Kot ausscheiden, gelangen voll aktive Antibiotika zurück in die Boden- und Wassersysteme. Dies fördert nicht nur bei Kühen, sondern auch beim Menschen antibiotikaresistente Krankheiten.

Weil Gras gefütterte Tiere Weiden und Platz benötigen, sind sie nicht den Keimen ausgesetzt, denen die in der Fabrik gehaltenen Kühe ausgesetzt sind. Deshalb benötigen sie auch keine permanenten Dosen präventiver Antibiotika.

Eine große Palette an Informationen über unseren Fleischkonsum bietet der jährlich erscheinende “Fleischatlas” der Heinrich-Böll-Stiftung.

Gras gefüttertes Rindfleisch schafft Boden, während konventionell gezüchtetes Rindfleisch den Boden zerstört.

Da Antibiotika zurück in den Boden gelangen, sterben die nützlichen Bakterien und Organismen, die einen gesunden Boden aufbauen, ab. Das endet mit Erde, die nichts wachsen lassen kann und wahrscheinlich erodieren wird, wenn es regnet.

Grafik: Bartz/Stockmar, CC BY 4.0 (boell.de/fleischatlas2018)

Gras gefütterte Tiere erzeugen unter anderem Kot, der die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt, sowie für das BodenMikrobiom nützliche Bakterien. Das Ergebnis? Ein ausgewogenes Ökosystem aus gesundem, fruchtbarem Boden, gesunden Pflanzen und Land, das bei der kleinsten Schlechtwetterlage nicht gleich erodiert.

Das Umweltinstitut München e.V. beschreibt in einem Artikel, wie die aus der Tierhaltung in den Boden abgeleiteten Nitrate und Antibiotika das Grundwasser verschmutzen.

Gras gefüttertes Rindfleisch ist nahrhafter.

Unter anderem hat Weidefleisch auch einen höheren Gehalt an Carotinoiden, wodurch das Fett gelb erscheint. Mehr Carotinoide bedeutet mehr Antioxidantien und Nährstoffe. Zusätzlicher Bonus: mehr Geschmack.

Photo by Jez Timms on Unsplash

Felix Olschewski von Urgeschmack.de beschreibt in seinem Artikel über Weidefleisch die Vorteile und nennt dazu einige Bezugsquellen. Laut der Internetseite statista.com werden Rund 67 Prozent der Fleischprodukte […] mittlerweile vorverpackt verkauft”, deshalb ist es an der Zeit, Weidefleisch stärker in den Fokus zu rücken. Das Motto lautet: “Lieber weniger, aber dafür besser”.

Bonusgrund: Grasgefüttertes Rindfleisch schmeckt besser.

Wenn Sie “gras fed” und konventionell gezüchtetes Rindfleisch vergleichen, werden Sie einen Unterschied feststellen. Fabrikfleisch hat nicht die Geschmackskomplexität, die hochwertiges Weidefleisch hat. Hier ein Artikel auf falstaff.de von Tobias Müller, der erklärt, worauf bei gutem Fleisch zu achten ist.

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Falls Sie noch nicht auf Weidefleisch umgestiegen sind, sollten Sie jetzt anfangen. Auch wenn es bedeutet, dass Sie aufgrund des höheren Preises weniger Fleisch essen werden. Gras gefüttertes Rindfleisch ist die rundum bessere Alternative für Ihre Geschmacksnerven, Ihren Körper und nicht zuletzt für die Kühe. Abgesehen davon macht das nächste BBQ mit Ihrem Supergrill auch viel mehr Spaß als mit der Bratwurst aus der 99-Cent-Packung.

Sie sind anderer Meinung? Lassen Sie uns in den Kommentaren wissen wie Sie über das Thema Fleisch denken!

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