Jeder kennt es…das Gefühl, alleine in einem stillen Winterwald leise zu streifen und sich so richtig wild und frei zu fühlen. Da schlägt auch im Herzen des voll vernetzten Homo Technicus unserer Tage der mehr oder wenige wilde Jack London…Wolfsblut, Goldrausch am Klondike, Feuer im Schnee, In den Wäldern des Nordens…DIE Literaturklassiker der Jungenjahre. Das innere Bild steht vor uns: der halb erfrorene Trapper, der es nicht mehr schafft die Riemen aufzubinden, der das Feuer nicht mehr anbekommt…es ist etwas urtümliches, (männlich?)–abenteuerliches in diesen alten Büchern, das uns heute wieder vom Rechner weg und rauszieht.

Schneeschuhtrekking - Christoph Maretzek

Outdoorleben auf großem Fuß

Nicht aus der Not wie damals… einfach so. Weil wir es können und wollen. Schneeschuhe haben dies massiv gefördert und auf breiter Basis für sehr viele Winterfreunde möglich gemacht. Altes Kulturwissen der Vorfahren kommt heute ganz neu daher. Aber: Overtourism…ein Wort dass immer häufiger genutzt wird. Im Freizeit- oder Profioutdoor-business geraten Nachhaltigkeit und Spaß, Schutz und Ego oft und zunehmend aneinander. Anlass genug, auch einmal einen kritischen Blick abseits der sonnigen Hochglanzbilder zu tun. Was bedeutet immer mehr Schneeschuhwandern für die Natur? Wie kann man Naturschutz auf Tour mitgestalten?

Ein kurzer Überblick

Vor ca. 25 Jahren entwickelte sich Schneeschuhwandern schnell für Nichtskifahrer bei allen mögli-chen Outdooraktivitäten als eine annehmbare Alternative für Wintertouren. Heute ist es ein anerkanntes Wintersportfeld… Tagestouren, Mehrtagestouren und selbst lange Trips nach Lappland und in andere wilde Gebiete werden unternommen. Ganze Bücherreihen finden sich in Leihbibliotheken, Tourenbeschreibungen, Material in den Outdoorshops, Schuhe, Hosen. Alles für den modernen Jack London in Goretex. Eine spannende Symbiose von Alt und Neu. Spannend auch für die Natur.

Von vielen erst einmal belächelt, hat es sich schrittweise gemausert und ist zumindestens im ganzen deutschsprachigen Raum als Möglichkeit voll anerkannt…im hohen Norden hingegen geht die Mär, dass „man getrost Guten Tag statt Hej sagen darf, weil es ganz sicher wieder Deutsche auf den Schneeschuhen sind“. Ob es stimmt…? Wer weiß.

Aus den früheren Behelfsmöglichkeiten zur Fortbewegung für Jäger, Waldarbeiter, Trapper etc., ist ein modernes Sportgerät geworden. Im zivilen Bereich kommt es den Ruhebedürfnissen in einer schnellen Zeit sehr entgegen und entspricht in vielen Aspekten den Ansprüchen an „sanften Tourismus“. Es ist eine stille, unaufgeregte und vor allem entschleunigende Art, sich im (tiefen) Schnee vorwärts zu bewegen. Gleichfalls lässt sich damit sehr sportlich in den Alpen agieren… Aufstiege sind damit ebenso möglich wie mit Ski. Nur anders. Ohne Schneeschuhe unpassierbare Areale werden erreich- und nutzbar. Eine Münze mit zwei Seiten.

Aber auch Polizei und Grenzschutzeinheiten, Infantrieeinheiten (nicht nur) der nordischen Länder und die Gebirgsjäger statten ihre Truppe damit aus. Als Altgedienter, noch mit einer soliden Skiausbildung, kann man schon echtes Mitleid bekommen. Wie sich die armen Kerls, die heute kein Ski fahren können, mit kompletter Marschausstattung auch im Gebirge, und oft im Laufschritt und laut klappernd hinter den schneller beweglichen Skikräften bewegen müssen – da ist von dem in der Werbung so oft beschworenen “lautlosen Wandern“ nichts zu vernehmen.

Schneeschuhtrekking - Gruppe im Schnee

Schneeschuhtourengruppe im tief verschneiten Gebirgswald

Auch sind Schneeschuhe mit Riesenrucksack am steilen Schneehang nur bedingt tauglich…es geht, aber angenehm ist es oft nicht. Ihre echten Stärken liegen vielmehr im tiefen Pulverschnee im mäßig durchschnittenen Gelände. Interessant ist dabei, dass ein großer Schneeschuh meist noch eine kleinere Auflagefläche hat, als ein Back-Country-Ski oder auch ein Alpinski. So werden in Lappland bis heute die sog. Skogsski (Waldski) der Sami genutzt…überbreite und überlange Holzski mit offener Bindung. Damit kommt man bei guter Fitness problemlos überall durch.

Freiheit und Erlebnis

Das Wandern in der freien Landschaft, die eigenen Wege und die kleinen Entdeckungen unterwegs ziehen viele Menschen in ihren Bann: es ist ihr Ausgleich und der Ausbruch aus der Enge ihrer Büros. Das Naturerleben und die direkte Nähe zu Bergen, Tieren und Wäldern abseits der Menschen ist eine uralte Sehnsucht, da können auch Millionen von Computern nichts dran ändern. Eher im Gegenteil, das Schneeschuhwandern ist ursprünglich und echt, nicht virtuell. Man erlebt es real, mit allen kör-perlichen Sinnen, ist aktiv und unterwegs „wie früher“.

Schneeschuhtrekking - Pulka

Pulkatour mit Schneeschuhen, Nordschwarzwald im Februar

Sport für Jedermann

Schneeschuhwandern ist für nahezu jeden machbar: es kostet kein Vermögen für die Ausrüstung, die Bewegungen sind schnell erlernt und der Körper findet schnell seinen Rhythmus. Es ist für Untrainierte durchaus eine schweißtreibende Angelegenheit, zwingt jedoch schnell zu einem gleichmäßigen Rhythmus und Gleichmaß in Schritt und Atmung. Und wenn es nicht eben nur über bockelharten, lauten Harsch oder durch metertiefen Powder geht, ist es eine mental erholsame und körperlich sehr fordernde Bewegungsart, die mit allen Muskelgruppen gelaufen wird. Vor allem die Oberschenkel haben durch den höheren Hub gegenüber Ski ordentlich zu arbeiten, wenn der Schnee tiefer als 30 cm und ggf. noch ein schwerer Rucksack im Spiel ist. Wenn auch schnell zu erlernen, so gibt es doch einiges an Technik zu beherrschen, um in verschiedenen Geländearealen gut (und das heißt vor allem kräfteschonend und trittsicher) voran zu kommen. Das Tempo des Skilanglaufs oder des Back-County –Skiwanderns hat es nicht, aber ein guter Läufer ist nicht weniger sportlich unterwegs.

Das Material

Es gibt eine heute Unzahl von Herstellern, eine breite Palette auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtete Schneeschuhtypen – für den Tiefschnee ebenso wie für die Berge, für leichte oder schwere Nutzer. Vor der Tour steht daher heute erst einmal wie überall, sich schlau zu machen.

Schneeschuhtrekking - Schneeschuhe

110 cm lang… Schneeschuhe für schwere Jungs und tiefen Schnee

  • Mit Kunststoff bespannte große Schneeschuhe mit stabilen Alurahmen für flacheres Gelände.
  • Mi vielen, griffigen Sohlenstegen versehene kleine Plastiktreter für den eher alpinen Bereich.
  • Die meist schlanken, kanadischen Trapperschneeschuhe für tiefen Pulver, bespannt mit getrockneter Rohhaut oder Gummistreifen, meist im traditionellen Eschenrahmen.
  • Breite unförmige Schneereifen aus Bambus oder Esche.
  • Sog. Schneetrittlinge aus Alu, die z.B. im Camp auf Skitouren gute (Hilfs)Dienste leisten.

Die Faustformeln sind einfach:

  • Je länger die Tour, desto simpler sollte die Konstruktion sein….auf langen Touren gehen die filigranen Bauteile schneller kaputt als robustes Material.
  • Je länger und einsamer die Tour, desto wichtiger ist die schnelle Reparierbarkeit.
  • Je schwerer der Läufer mit Gepäck, desto größer die nötigte Auflagefläche des Schneeschuhs.
  • Je steiler das Gelände, desto griffiger muss der Schneeschuh durch Krallen, Stege und Spikes sein.
Schneeschuhtrekking - Schneeschuhe 2

60 cm lang… der Klassiker für Harsch und steilere Passagen

Umwelt und Sicherheit

Hier bauen sich zunehmend Kontroversen und je nach Nutzugsdichte und Natur-/ Habitateschutz auch Auseinandersetzungen auf. Der Wald und die Berge werden heute von vielen Nutzergruppen aufgesucht und zunehmend haben auch Forstämter damit ihre Nöte. Angesichts des steigenden Nutzungsdruckes, sowie der hohen, von Nutzern zunehmend als selbstverständlich erachteten Ansprüche haben sie Mühe, alles unter einen Hut zu bringen.

Schneeschuhtrekking - Jungswald

Jungswald

Anders als die zumeist pisten-/ loipen-gebundenen Skinutzer steuern Schneeschuhgeher (und auch Back-Country-Skinutzer) oft ihren eigenen Kurs und geraten dabei z.B. in den Alpen schnell mal in Lawinenzonen und dort, wie auch in den Mittelgebirgen in den Rückzugsbereich vieler Tiere. Zunehmend werden sie dabei von Vereinen, Verbänden und Behörden zum Schutz der Tiere auf bestimmte Areale konzentriert oder durch Wege geleitet, um allen ein Auskommen zu ermöglichen. Ohne Akzeptanz seitens der Outdoorbegeisterten geht es nicht (mehr). Täglich sterben Tierarten aus und täglich dringt der Mensch tiefer in bislang ruhige Areale in Massen vor. Nicht nur am fernen Amazonas – auch hier, vor der eigenen Haustür.

Schneeschuhtrekking - Schneeschuhwanderer

Schneeschuhwanderer im Auerhahnrevier

Nachhaltigkeit: Outdooraktivitäten und Naturschutz

Dieser zunehmende Nutzungswunsch der „freien“ Natur als Erholungsraum ist ein ebenso normaler, wie realer Aspekt modernen Freizeiterlebens. In manchen Bereichen ist daher der Schutz der Tiere vorrangig: gut ausgebildete Guides der Firmen und Ranger der Parks kennen sich aus und setzen dies um, z.B. im Nordschwarzwald im Bereich der Lagen, wo sich die letzten Auerhahnhabitate finden.

Schneeschuhtrekking - Auerhahn

Auerhahn

Diese sensiblen Tiere kommen bei Störungen letztlich um, da sie nach Flucht und Verlust ihrer Futter- /Ruhestätten in der Kälte oft verenden. Es sind wunderbare, sehr sensible Tiere mit eingeschränkten Möglichkeiten, die zunehmend Menschen mit immer mehr (technischen) Möglichkeiten gegenüberstehen. In ihrem Revier.

Rotwild sucht seine Unterstände auf und wird von stillen Wanderern ohne böse Absicht oft schlicht überrascht. In Panik stieben sie davon und so kann ein Rothirsch dabei gut das 10-fache seines sonstigen Bedarfes haben. Auf der Suche nach mehr Futter werden dabei dann erheblich mehr Triebe und kleine Bäume verbissen, die dem Forst in der Bilanz für gutes Nutzholz und im Wald an sich dann fehlen. Den Jägern, die für Regulation verantwortlich sind, wird die Arbeit damit auch schwer gemacht, wenn die Tiere immer wieder wo anders stehen. In der Diskussion das Große und ganze durch alle zu verbinden, ist ein schwieriges Unterfangen. So zeigt sich grade in dieser Zeit und bei diesem Outdoorsport der Kreislauf, der Zusammenhang und die Notwendigkeit zur Kooperation.

Naturinteressierte Anbieter und Guideschulen berücksichtigen dies bei ihren Touren und arbeiten mit Forst und Naturschutz zusammen. Etwas, was seitens mancher Anbieter leider aber auch zu Fehlverhalten führt: nicht jeder Veranstalter nimmt auf Naturschutz Rücksicht und denkt eher an den vermeintlich schnellen Euro. Nachhaltigkeit trägt besser. Die hohe Zahl sog. Nichtorganisierter oder außerverbandlicher Nutzer macht es den in der Lokalpolitik Tätigen, die zusammen am Tisch sitzen und nach Lösungen suchen, schwer. Sie werden in weiten Bereichen von niemandem erfasst und suchen sich genau deshalb oft ihren eigenen Weg abseits der markierten Wege. Und nicht jeder Privatier hält sich an Verbote, Wegegebote oder Tierschutzzonen und Naturschutzgebiete. Dabei kommt es eben drauf an, einfach hier und da etwas zu verzichten und sich im notwendigen Maße saisonal, regional, örtlich leiten und lenken zu lassen. Ohne geht es nicht (mehr).

Achtsamkeit: Naturschutz auf Tour im Winter

Hier kann jeder mitmachen! Winter ist für viele Tiere ein Kampf ums Überleben. Jede Minute jeden Tages. Wie wir unser sicheres Wohnzimmer brauchen, geht es den Tieren auch: Sie brauchen unsere Rücksicht. In vielen Bereichen können wir als aufmerksame Winteroutdoorer viel tun…in dem wir es steuern, oder auch z.T. unterlassen. Nicht alles was geht, geht auch.

  • Wenn vorhanden, die ausgeschilderten Wege nutzen. Tiere suchen Schutz und brauchen ihre Rückzugsorte – wo immer möglich auf den Wegen bleiben.
  • Ggf. mit einem örtlich erfahrenen Guide in kleinen Gruppen, nicht in den Dämmerungszeiten gehen. Rücksicht auf den Jagdbetrieb nehmen.
  • Einzelstehende Bäume, Buschgruppen, Feldraine, Felsformationen und windgeschützte, bewachsene Senken im freien Feld meiden – dort stehen oft schutzsuchende Tiere.
    Spuren nicht folgen und sie nicht bedrängen.
  • Querbeet laufen unterlassen- gerade im Nutzwald stehen Tiere oft in den Bereichen auch zwischen den Wegen, wo im Sommer meist keiner ist.
  • Nicht ganz still anpirschen- Tiere schrecken zu spät auf und stieben im Panikmodus davon.
  • Die Jungpflanzen unter der schützende Schneedecke nicht zertreten – Schonungen und Jungwald umgehen.
  • Müll mitnehmen oder gar nicht erst einbringen.
  • Schutzzonen und Rückzugsareale respektieren und meiden.
  • Vor der Tour örtliche Regeln erfragen und annehmen.
  • Vor der Tour nach den Lebens- und Schutzräumen der Tiere fragen und sie berücksichtigen.
Schneeschuhtrekking - Rotwild

Winter… schwere Zeiten für Rotwild

Zeitweiliger Verzicht als Mittel des persönlichen Naturschutzes

Nicht jede Route muss gelaufen, nicht jedes Camp gemacht werden. Es muss nicht jedes Gelände bis ins Letzte erkundet werden, um Geld zu verdienen…oft ist es besser sich auf einen Bereich zu konzentrieren und den Rest offen zu lassen. Oder auch Zugänge oder Größe der Gästegruppen eben zu regulieren. Die großen Parks der Welt machen dies schon lange und ganz selbstverständlich. Sie legen ganze Areale für länger still und schaffen einen Nutzungsrhythmus, der auch den Tieren bekannt wird. Diese wiederum passen sich daran auch an.

Der Spagat zwischen „sanftem Tourismus“ und Naturbelastung ist schmal. Da wo gut ausgebildete Guides auf Tour sind, wird hingeschaut, weil das Wissen und Könnend da ist. Da, wo oft privat getourt wird, ist der eigene Spaß Einzelnen leider oft wichtiger als die aktive Sorge um das Wohl der Umgebung. Zusammen geht es nachhaltiger.

Sicherheit

Die eigene Sicherheit geht oft mit Naturschutz einher. Wer solo läuft, möchte sich nicht mit verdrehtem Knie im tiefsten Tann alleine wiederfinden…..nur mit Hirsch und Fuchs als Nachbar. Gruppen, die einen aus derartiger Lage an den Weg schaffen müssen, werden dieses heftige „Abenteuer“ nie mehr wieder vergessen…so wenig wie der Verletzte selber. Es ist eine Schinderei.

Ausrüstung und Können

Die Ausrüstung wird heute sehr oft überbetont. Wer genug weiß und es selber kann, braucht oft weniger als jemand, der dazu nur durch die neue Ausrüstung „befähigt“ wird. Die Frage nach der richtigen Art der Schneeschuhe ist essentiell, da es hierbei nun mal wie bei Autos ist: Ein Geländewagen wird selten in Le Mans auf der Strecke zu finden sein. Da hilft schon ein bisschen Netzrecherche auf Bergseiten oder bei Veranstaltern.

Die Ausrüstung für kurze und lange Touren unterscheidet sich dabei je nach Jahreszeit oder je nach Tourengebiet in Gewicht und Volumen durchaus erheblich und hat Auswirkungen auf die nötigen Vorbereitungen. 4 Tage Nordschwarzwald im Februar sind eine andere Hausnummer als 7 Tage Schwedisch Lappland im Februar.

Schneeschuhtrekking - Schneeschuhe

Verschiedene Alaskamodelle

Alles ist machbar-jedoch eben auch planungs-/übungsbedürftig. Nicht umsonst werden alle Ranger, Soldaten und Guides lange und immer wieder in derlei Dingen ausgebildet und trainieren immer wieder intensiv. Die Praxis des Marktes : „Lies es einmal, mach einmal ein Wochenendseminar, kauf dir das Zeug “ schafft zumeist eher stille Unsicherheit und Selbstüberschätzung. Anbieter, die mal ein kurzes Seminar gemacht haben und sich am nächsten Tag auf der Website als „Profi“ bezeichnen, bewegen sich auf sehr dünnem Eis. Leider ist auch beobachtbar, dass You Tube längst als vollwertige, moderne (Aus)Bildungsplattform gesehen wird. Ansprechend, bunt und spannend. Die Detailtiefe einer passenden Einweisung durch einen erfahrenen Menschen vor der eigenen Nase, Lernen durch angeleitete Übung und gezieltes Training fehlt vollkommen. Das Wissen erodiert, das sichere Können bleibt aus. Und jedes Jahr hat das für andere üble Folgen.

Schneeschuhtrekking - LVS

Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS)

Umgang mit Kälte

Klar und ohne Umschweife ausgesprochen: Kälte ist besonders und stellt sehr hohe Ansprüche an Wissen, Können und eigenes Verhalten. Auch bei Sonne, festem Schnee und einer kurzen Tour nur wenige Meter von der Jausenstation entfernt. Jeder reagiert anders und so ist es auch in der Gruppe nötig und wichtig, sich umeinander zu kümmern. Unterkühlung ist schon im 2.Grad eine existentiell bedrohliche Situation, bei ungestoppter Auskühlung wird eine erheblich falsche Reaktion auf schwere Kälteschäden den Tod bedeuten. Auch im Nordschwarzwald, bei einem Unfall oder beim Verlaufen zur Nacht. Meist sind Erfrierungen mit steriler Abdeckung und nicht geöffneten Blasen leichter zu behandeln als eine Unterkühlung, die Wärme, Ruhe und sachtes Handeln fordert. Auch dies ist genau das Wissen, dass nur mehr wenige Berufsgruppen haben, das aber schnell erlernbar ist. Füße, Hände, Ohren, Nase, Augenlider, Finger sind schnell gefährdet – die richtige Nahrung, ausreichend Trinken, passende Kleidung und Verhalten bei Pause, Marsch und Materialnutzung sind wichtig und liegen stets in der eigenen Verantwortung. Tourenplanung und Wetter gehören ebenso zum Umgang mit Kälte, wie Materialpflege, Biwakbau und Notfallkönnen …für kurze ebenso, wie lange Touren. Und je mehr man solo läuft, desto mehr muss man jederzeit selber auch abrufen können. Weitergehende Behandlung von allen Kälteschäden ist Sache des Arztes, sofern man sich nicht auf sich gestellt und zu lange zum Abwarten im Off befindet.

Training

Rücken, Beine, Po, Hüften, Knie und Arme werden beim Schneeschuhwandern durchaus ordentlich beansprucht und brauchen passende Vorbereitung. Kommt der schwere Tourenrucksack oder gar eine Pulka hinzu, hilft nur Training. Die Atmung muss an die kalte Luft ebenso gewöhnt werden, wie die Augen an helles Licht und der Gesamtorganismus an eine Gesamtbelastung. Dabei macht auch die Vorfreude schon Spaß und man wird fit. Es rechnet sich unterwegs. Der Unterschied zwischen fit und unfit ist einfach: der Eine hat Spaß, der Andere frägt sich, wie er dort hin kam..:-).

Zum Training zählt auch die richtige Nutzung der Ausrüstung. Haben ist stets besser als es dann ad hoc zu brauchen, ohne es zu haben. Unterwegs sollte es aber auch sitzen und nicht erst bei Bedarf geübt werden. Es nur dabei zu haben ist zu wenig: es muss auch in widrigen Situationen leicht nutzbar und in der Handhabung vor der Notwendigkeit bekannt sein

Schneeschuhtrekking - Ausbildungsgruppe

Ausbildungsgruppe

Fazit

Schneeschuhwandern ist ein fantastisches und belebendes Unternehmen mit realer, echter Natur, Erlebnis und körperlicher Anstrengung. Es öffnet Horizonte und ist ein Unternehmen in einer Jahres-zeit, die fantastische Horizonte eröffnet und neue Perspektiven schafft. Aber auch eine, die mehr an Wissen und Können fordert und die Natur bei Unbedachtheit schnell in erheblichem Maße belastet.
Die Akzeptanz der nötigen Eingrenzungen und Rücksicht auf die Natur ist eine der Spielkarten, die es den tatsächlichen Naturfreunden auch künftig ermöglichen wird, sich ihrem Lieblingsthema zu widmen:
Natur und Outdoor frei und mit Bedacht zu genießen. Wo nur zusammen ein (Schnee)schuh draus wird.

Alle Bilder von Trekk’n Guide

Über den Autor

Christoph Maretzek

Christoph Maretzek

Christoph “Zeck“ Maretzek, DiplSozPäd (FH), Jahrgang 1967 ist als leidenschaftlicher Naturfreund seit fast 40 Jahren zu Fuß, mit dem Kanu oder auf Ski, oft auch solo unterwegs. Er ist u.a. als Bergwanderführer (A), Trekking-/WildernessGuide und KanuGuide ausgebildet. Als langjähriger Tourenleiter und Instructor gibt er heute mit Leidenschaft seine Erfahrung und Können in der Guide-Academy-Europe (GAE) weiter. 2003-2018 war er u.a. als Ausbilder und Ausbildungsleiter im damaligen Internationalen Wildnisführerverband (IWV e.V.) in der Wildnisführerausbildung, sowie langjährig als Ausbilder in der Gebirgstruppe der BW tätig. In der von ihm gegründeten Guide Academy führt er mit einem Team von ausgebildeten Spezialisten und geschulten Guides u.a. auch die weiterentwickelten Ausbildungen zum TrekkingGuide, WinterGuide etc. durch. Guides, Privatiers, Teams und Gruppen können sich unter http://trekk-n-guide.eu/ informieren und an Ausbildungen, Trainings und Seminaren teilnehmen.

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