OASIS IST KEIN BRIT-POP…

... auch wenn das immer wieder behauptet wird!

Nachdem die Welt der Musik gerade von der mächtigen Grunge Welle überrollt worden war, schien auch Europa bereits für eine Revolution aus dem Indie-Bereich. Scheppernde Gitarren, unvergleichliche Riffs und zwei streitende und zankende Brüder aus Manchester machten sich auf den unaufhaltsamen Weg die „beste Band der Welt“ zu werden. Ihr Vielleicht bestes Album, „Definitely Maybe“, feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Zeit für einen kleinen Rückblick.

Das erste richtungsweisende Album der Band aus dem späten August 1994 „Definitely Maybe“ erreichte legendären Status und brachte Oasis zumindest in Großbritannien an die ganz Großen, also die Beatles und die Rolling Stones, heran. Dabei waren und sind Liam und Noel Gallagher ganz anders als die Kultbands aus den Sechzigern.

Mit schnodderigen und überheblichen Interviews treffen die beiden „Mancunians“ den Zeitgeist und damit mitten ins Schwarze. Nach einer schwierigen Kindheit ist es Liam Gallagher, der nach einer Schlägerei plötzlich zur Musik findet und eine Band gründet. Sein Bruder, der Einzelgänger Noel, hat schon immer in der Musik Zuflucht gesucht und ist feinsinniger und zurückhaltender als sein Bruder.

Liam ist die Rampensau, er steht ganz vorne und lässt seine natürliche Arroganz immer wieder hervorsprudeln, als ob es nichts wäre.

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Als die Band um Liam Gallagher Form und Gestalt annimmt, gesellt sich auch Noel als Songschreiber und Gitarrist hinzu und innerhalb kürzester Zeit hat die Band einen Plattenvertrag. Ihre größte Stärke sind die Live-Auftritte, ihre größte Schwäche auch. Oasis wird schnell Stadien füllen und mit dem fetten, Gitarren beladenen Sound Menschen in Verzückung versetzen.

Aber mindestens ebenso legendär sind die Streitereien der beiden Brüder auf der Bühne, die immer wieder zu kleineren Eklats und Skandalen führen. Als die Band größer wird, werden die Skandale auch größer.

Vielleicht ist „Sergeant Pepper“ von den Beatles noch ein Stück besser, das ist sicher Geschmackssache. Aber die Gallagher-Brüder haben mit ihrem Erstling unfassbar viele Songs verankert, die auch heute zeitlos Menschen in den Autos zum Lauter drehen des Radios bewegen können. Wenn die ersten Akkorde von „Wonderwall“ erklingen, kann bis zum heutigen Tag niemand widerstehen.

Kaum eine 90-Jahre-Party, die ohne „Wonderwall“ und „Live Forever“ auskommt. „Don‘t look back in anger“ ist einer der meistgecoverten Songs auf YouTube. Die inzwischen in die Jahre gekommenen Streithähne haben offenbar nichts von ihrer Anziehungskraft verloren, füllen sie auch heute noch Hallen über den ganzen Globus hinweg.

Das Album beginnt wie heutzutage viele Solokonzerte von Liam Gallagher mit Rock‘n‘Roll Star (5:23). Es handelt sich um einen schnellen Fan-Favoriten, der von der Band zum Abschluss von Konzerten immer wieder gerne benutzt wurde. Noel Gallagher behauptete später, in diesem Song alles Wichtige gesagt zu haben und sich danach nur noch geschickt zu wiederholen.

Der zweite Track ist Shakermaker (5:08) und er bezieht sich auf ein Spielzeug einen Shaker Maker, den Noel Gallagher in seiner Kindheit besaß. Dazu gibt es Referenzen zur Band The Jam, einer der Lieblingsbands von Noel Gallagher. Besonders spannend ist der Textauszug mit Mr Sifter. Sifter‘s war ein Plattenladen in Manchester, den Noel Gallagher immer besuchte. Als noch eine Textzeile fehlte hielt das Taxi mit den Brüdern vor dem Plattenladen und schon war Mr. Sifter für immer verewigt.

Der dritte Song hat dann bereits Ewigkeitscharakter, denn Live Forever (4:36) bleibt bis zum heutigen Tag eines der Werke der Band mit dem größten Wiedererkennungswert. Noel Gallagher, der alle Songs von Definitely Maybe schrieb, war von den Rolling Stones beeinflusst und schrieb den Song 1991, noch ehe er zu Oasis stieß. Er schrieb an dieser Stelle besonders gegen das negative und lebensverneinende Werk der Grunge-Bands. Noel Gallagher konnte die Idee nicht verstehen, wie man sich als Rockstar selbst hassen konnte. Daher beschloss er sich selbst zu lieben und „für immer zu leben“.

Up In The Sky (4:28)ist einer sanfterer Song, der nicht die ganz große Popularität erreicht hat. Er wird gefolgt von Columbia (6:17), das von den Fans als Konzertsong immer wieder gerne angefragt wurde. Aber auch die Albumversion hat bis heute nichts von ihrer rohen Dynamik verloren.

In der Vinyl-Variante kommt der Song Sad Song an der sechsten Stelle im Album. Er wurde auf der CD-Version ausgelassen.

Supersonic (4:43) ist ein Bandliebling und besonders Noel Gallagher empfindet den Song als seinen persönlichen Oasis-Favoriten. Er nutzt den Song auch bei Konzerten seiner High Flying Birds von zeit zu Zeit. Es ist die allererste Single der Band, die im April 1994 veröffentlicht wurde.

Bring It On Down (4:17) hat schweren Gitarren-Rock, erreicht aber nicht Cigarettes & Alcohol (4:49), das bis heute besonders von Liam Gallagher regelmäßig in seiner Solo-Setlist auftaucht. Im Song geht es um die Bedeutungslosigkeit des Arbeiterklasse, die keine Motivation zum Arbeiten aufbringen kann, da sie gar nicht weiß wofür.

Digsy‘s Diner (2:32) ist das kürzeste Stück des Albums, hinter dem auch keine große Geschichte steht. Das vorletzte Stück, Slide Away (6:32) wurde geschrieben für Louise Jones, Noels Freundin zu diesem Zeitpunkt. Über das Ende der Beziehung kam er lange Zeit nicht hinweg. Ein seltenes Kompliment: Noel Gallagher sagte, dass in diesem Song der beste Gesang von Liam zu hören sei.

Abgerundet wird das Album mit Married With Children (3:15), welches nichts mit der legendären gleichnamigen Fernsehserie um Al Bundy zu tun hat. Es ist eher ein Abgesang an das angepasste Eheleben.

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Das Album hatte einen riesengroßen Einfluss auf die Musikszene, denn die Ära des Grunge war plötzlich beendet. Die beiden Gallagher-Brüder sollten Großbritannien gemeinsam mit ihren Erzfeinden von Blur eine neue und hoffnungsvollere Identität geben. Über die nächsten Jahre wurde von den Kritikern stets behauptet, dass nur die ersten beiden Alben von Oasis lobenswert seien und danach nur noch ein Abklatsch von der großen Güte der Band zu hören war.

Dies ist sicherlich sehr luxuriös kritisiert, den Oasis gelang es bis zur finalen Trennung am 28.08.2009 immer wieder, Welthits und eingängige Melodien zu produzieren. Auch wenn die beiden Brüder sich auf der Bühne keines Blickes mehr würdigten und sogar mit unterschiedlichen Fahrzeugen anreisten.

Der Welt wäre eine Oasis-Reunion zu wünschen, allein die Gallaghers sind noch stets so zerstritten, dass die Hoffnung nur ganz klein ist. Aber es sind schon seltsamere Sachen passiert in der Weltgeschichte und die Menschheit wäre definitiv reif für einen weiteren Oasis-Kracher.

Definitiv.

Definitely, maybe…

Headerbild: Fabio Diena / Shutterstock.com

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