Haben Sie schon mal etwas geschenkt bekommen, das Ihnen überhaupt nicht gefallen hat? Etwas, von dem Sie vielleicht noch nicht einmal wussten für was man es überhaupt braucht (Die Hälfte des Inhalts meiner Küchenschublade sieht aus wie Arbeitsgeräte eines Gynäkologen und ICH habe das bestimmt nicht gekauft!)? Kenne ich! Ungewünschte Geschenke ziehen sich durch mein Leben. Ein paar Beispiele gefällig? Bitteschön!

Der Fluch des weißen Frottees

Bis zu meinem 19. Lebensjahr bekam ich von meiner Oma, die bei uns wohnte, zu Weihnachten immer einen Pack weiße Tennissocken geschenkt. Meine Mutter hatte bei der Scheidung von meinem Vater gleich einen Berg Schulden mitbekommen und deshalb kaum Geld. Dass sie mir da natürlich nie meine Wünsche erfüllen konnte war klar. Meine Oma hingegen, die bei uns wohnte, hatte eine gute Rente, konnte mich aber nicht leiden. Also war es egal was ich mir wünschte: Lego, Playmobil, ein Samurai Schwert! Für mich gab es jedes Jahr Tennissocken! Im Zehnerpack!

Das wurde mir erst egal als mein Nachbar Mike anfing, mit mir an Heiligabend Hasch zu konsumieren. Unsere Altbauwohnung lag im Erdgeschoss, mit einem Balkon zum Hinterhof. Ab meinem 17. Lebensjahr warf er am vierundzwanzigsten vor der Bescherung immer was an meinen Rolladen.
“Thiliiii!”
(Er nannte mich immer Thili. Ich hatte ihm nie gesagt wie Scheisse ich das eigentlich fand, weil er einen Kopf größer, ein paar Jahre älter, überall tätowiert und in einem Heim aufgewachsen war. Ich wollte seine Gefühle nicht verletzen… öhm…)
“Kumm nauss, es isch Wähnachde!”
Und wie jedes Jahr öffnete ich die Balkontür und sprang in den Hof. Draußen stand er, mit einem Schoppenglas Asbach-Cola in der einen (Mischung 3:7. Also drei Teile Cola auf 7 Teile Asbach Uralt – Es war ja schließlich Weihnachten) und einem Joint in der Größe eines Verkehrshütchens (“Leitkegel” für die Korinthenkacker!) in der anderen Hand. Im benachbarten Park feierten wir für eine halbe Stunde dann unsere eigene Version des Weihnachtsfestes, inklusive einem gegrölten “Stille Nacht – Heilige Nacht”. Danach ging ich zurück zur Bescherung, bei der ich mich begeistert für den Zehnerpack Tennissocken bei meiner Oma bedankte und mit schöner Regelmäßigkeit unter dem Weihnachtsbaum einschlief.

 

Ehe 1: Die Heimtrainergrafikkarte

“Freust Du Dich?”
Ich höre immer noch ihre Stimme hinter mir.
“Sag, freust Du Dich?”
Sprachlos schaute ich auf den Riesenkarton vor mir, die Augenbinde, die ich gerade abgenommen hatte, hing schlaff in meiner Hand. Ein verdammter Heimtrainer! Ein verdammter HEIMTRAINER!!!

Das ganze Jahr über lies ich, mal subtiler, mal weniger subtil, Hinweise fallen. “Oh, ich brauche bald mal eine neue Grafikkarte…”, “Wäre schön wenn ich das Spiel zocken könnte, aber Du weißt ja, die Grafikkarte…” oder sogar “Wenn Du noch nichts zu meinem Geburtstag hast, so eine Grafikkarte…”. Ich habe im Dezember Geburtstag und vielleicht einmal Anfang Januar des gleichen Jahres erwähnt dass so ein Heimtrainer bestimmt eine lustige Idee wäre. Einmal. Am Anfang des Jahres. Die Grafikkarte hatte ich über vierhundert mal erwähnt. Mindestens! Was soll das mit dem verfluchten selektiven Hören bei Frauen? Ich klebte mein strahlendstes Lächeln auf mein Gesicht und drehte mich um.
“Klasse, ein Heimtrainer! Wie cool!”
“Er gefällt Dir nicht!”
Zack, erwischt! Noch bevor ich etwas sagen konnte hatte sie schon ihren ich-bin-ja-so-über-alle-Maßen-von-Dir-enttäuscht-Blick aufgesetzt. Als ob es IHR Geburtstag gewesen wäre und SIE diesen unnötigen Mi- Ach, vergessen Sie’s!

Ein Heimtrainer passt nun mal nicht in einen PC oder macht die Spielegrafik sonstwie besser.

Das Ende vom Lied: Sie ist aus dem Zimmer raus, enttäuscht weil mir ihr Geschenk nicht gefiel, ich war enttäuscht weil ein Heimtrainer nun mal nicht in einen PC passt oder die Spielegrafik sonstwie besser macht, und am nächsten Tag schleppte ich den Karton (Der nicht nur groß sondern auch ziemlich schwer war) zurück ins inhabergeführte Sportgeschäft. Weil die mir kein Bargeld erstatten wollten suchte ich mir für 600 D-Mark etwas aus dem leicht antiquierten Angebot aus: Klamotten, Schuhe und Ausrüstung fürs Bergsteigen, nur um irgendetwas mitzunehmen.
Ich bin kein Bergsteiger!

 

Mother knows best

Meine Mutter, die ich sehr liebe, das sei hier mal erwähnt, hat auch ein Talent dafür mir Sachen zu schenken, von denen ich a) nie wusste dass ich sie brauche und b) ich oft nicht wusste dass sie überhaupt existierten.

Unsere Schulden waren irgendwann beglichen und als begeisterte QVC und Homeshopping Zuschauerin, die sie zu diesem Zeitpunkt nun mal war, kam auch ich in den Genuß heiss beworbener TV-Produkte. Darunter z.B. ein Zimmerbrunnen mit zwei Delfinen aus Stein, der so laut wie ein Wasserfall war und bei dem ich ständig pinkeln musste wenn ich ihn hörte. Eine Packung Mikrofaser Handtücher in braun(?), ein Stretchpullover der nicht passen wollte selbst wenn man mich halbiert hätte, Tupperware und diverse andere Dinge… Seit die beste Ehefrau von allen allerdings den Job des Geschenke-Einflüsterers übernommen hat, bekomme ich Dinge die ich auch gebrauchen kann (Whiskey).

 

Ehe 2: Mit einem Porsche brätst Du keine Eier

Dass es auch anders gehen kann beweist yours truly. Also ich. Der Geburtstag der besten Ehefrau von allen stand bevor. Ein guter Ehemann achtet natürlich das ganze Jahr über auf die Äußerungen seiner Frau und weiss ganz genau was sie sich zum Geburtstag wünscht. Ich hingegen musste nachfragen.
“Eine Bratpfanne!”
“Eine Bratpfanne?” Ich glaubte mich verhört zu haben.
“Ja, eine Bratpfanne!”
“Aber warum? Wir können jederzeit eine Bratpfanne kaufen, das ganze Jahr über, wünsch’ Dir doch was für DICH!”
“Ich WILL aber eine Bratpfanne! Es ist MEIN Geburtstag und ich wünsche mir was ICH will!”

Seufzend fügte ich mich. Die beste Ehefrau von allen wünscht sich nämlich immer so Zeug, bei dem mir jede andere Frau das Nudelholz überziehen würde wenn ich damit ankäme. Oder finden Sie, dass ein Bügelbrettbezug und andere Haushaltsgegenstände zeitgemäße Geschenke für eine junge Frau sind? Ja? Dann liege vielleicht ICH falsch!

Ich schwöre Ihnen dass ich im Internet nach einer Bratpfanne für sie gesucht hatte. Wie und warum ich einen Gutschein für drei Runden mit einem Porsche 911 GT3 (387 PS – Au weia!) auf dem Hockenheimring für Sie gekauft habe, weiß ich heute gar nicht mehr. Vielleicht war ich müde. Ich glaube Sie können sich vorstellen was DAS für einen Wirbel gab, oder?

Aber der Ärger um das Geschenk, das Geld das es kostete und der ganze Rest waren nach der Fahrt vergessen. Ich kenne die beste Ehefrau von allen halt doch ein bisschen:

Geschenke: Das unvermeidliche Fazit

Wenn Sie jemandem mit einem Geschenk eine Freude machen wollen, dann ist es durchaus okay etwas zu schenken das er/sie sich nicht ausdrücklich gewünscht hat. Solange es wirklich Freude macht oder ziemlich cool ist!

Nur lassen Sie die Tennissocken weg, um Himmels Willen…

Herzlichst,

Ihr

Über den Autor

Thilo Heffen

Thilo Heffen

Thilo Heffen wurde 1970 geboren und ist immer noch nicht tot. Sein Berufsleben besteht zum großen Teil aus Titeln mit dem Präfix "Ex-", wie zum Beispiel Ex-Soldat, Ex-Netzwerkingenieur, Ex-Filmemacher, Ex-Operations Manager oder Ex-Niederlassungsleiter. Wird er gerade nicht von Frau, Kindern oder Hund in Beschlag genommen, versucht er auf EXIMUM Beiträge so interessant zu schreiben, dass sie auch von anderen gerne gelesen werden.