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Interview: Daniel Edlen – Portraits auf Musik

Für die einen ist sie völlig veraltet, für die anderen ist sie einfach Kult und für Daniel Edlen ist sie die Leinwand, auf der er seine ungewöhnlichen Portraits malt: Die Rede ist von der Schallplatte!

Auf seiner Webseite hat der Künstler ausgewählte Beispiele verschiedenster Platten, die er alle mit den Gesichtern der jeweiligen Sänger verfeinert hat. Dabei bevorzugt er keinen speziellen Musikstil, sondern zaubert die Portraits von beispielsweise Kurt Cobain, Lou Reed, Michael Jackson oder David Bowie auf Vinylscheiben, die aufgrund von Kratzern und kleineren Macken meistens sowieso weggeworfen worden wären. Auf diese Art bringt der in Arizona lebende Künstler zwei kreative Welten zusammen: Die Musik und die Malerei.

Wir haben ihm ein paar Fragen zu seiner Kunst gestellt.

Hi Daniel, wann wurde Dein Interesse an Kunst zuerst geweckt?
Ich begann mit dem Kunstunterricht, als ich sechs Jahre alt war und nahm während meiner Schulzeit hindurch verschiedene Klassen. In Los Angeles aufwachsend, zeigten meine Eltern mir die Faszination der Kunst in den örtlichen Museen und Galerien. Auch auf Reisen mit meiner Familie war der Besuch von Kunstgalerien immer ein muss.

Wann bekamst Du zum ersten Mal die Inspiration für Deine Vinylkunst?
Als Teenager hatte ich viel freie Zeit. Ich hörte mir die Plattensammlung meines Vaters an, machte mit den Platten weiter die meine Mutter von ihrer freiwilligen Arbeit aus der Bibliothek mitbrachte, und hatte am Ende verschiedene Kopien der gleichen Scheiben meiner Lieblingskünstler. Im Kunstunterricht in der Schule musste ich zu dieser Zeit ein Bild malen, weißer Farbstift auf schwarzer Pappe. Etwas in mir machte klick! und ich dachte daran die Beatles auf einer meiner schlechteren Kopien von Sgt. Pepper zu malen.

Wie sieht Dein kreativer Prozess aus?
Ich kann es am besten als Meditation beschreiben. Als ich klein war, lehrte mich der Kunstunterricht wie ich sehen musste, wie ich das, was durch meine Augen hereinkam ungefiltert in meine Hände strömen lassen musste. Ich bin das Gefäß, durch das die Schaffung geschieht.

Wie lange dauert es gewöhnlich ein Stück zu vollenden?
Ich verlange immer einen Monat Zeit für den kompletten Prozess, aber das tatsächliche Malen dauert ein Wochenende.

Kannst Du uns etwas über Dein Liter[art]ure Projekt erzählen?
In der High School mochte der Kunstlehrer Punkt-Zeichnungen, die mit einem sehr feinen Rapidograph Stift gemacht wurden. Ich habe diese Idee für meine Vinyl-Kunst modifiziert, um mit der Dichte der weißen Farbpunkte Schattierungen zu schaffen. Liter[art]ure ist die Rückkehr zur ursprünglichen Idee der Punktzeichnungen von Autoren in ihren Büchern. Ich habe ein paar meiner Favoriten, darunter Poe und Twain, auf mir wichtige Seiten in Büchern, die ich gelesen habe, gemalt.

Neben der Malerei, gibt es noch andere kreative Wege die Du in Zukunft gerne erforschen möchtest?
Ich habe eine Serie von abstrakten Skulpturen, die ich in meinen Zwanzigern erschaffen habe und die ich gerne irgendwann aus verschiedenen Materialien herstellen und gruppieren würde.

Wenn Du Dich gerade nicht mit Kunst beschäftigst, wie entspannst Du dann am besten?
Ich genieße es Musik zu hören. Das und Dinge mit meiner Familie zu unternehmen.

Bildnachweis: Daniel Edlen