Sehen Sie Ihr Kind aufwachsen und haben das Gefühl, Sie beide sind nicht richtig “connected”? Haben Sie den Wunsch, Ihrem Sohn/Ihrer Tochter eine bleibende Hilfe und verlässliche Stütze zu sein, aber wissen nicht wie Sie das kommunizieren können? Dann ist dieser Artikel genau das Richtige für Sie! Lesen Sie weiter…

Machen Sie jemals Spaziergänge mit Ihrem Kind? Vielleicht nur kurze, vielleicht sogar nur zum Briefkasten? Aufgrund der zunehmenden Nutzung von E-Mails werden Sie das wohl immer seltener oder kaum tun. Wenn Sie aber durch Zufall das Glück hatten, mit einem Kleinkind zum Briefkasten zu gehen, haben Sie vielleicht genau das erlebt, was mein Leben für immer verändert hat. Gastbeitrag von Nathaniel Turner, Autor und Gründer der Seite raisingsupaman.com.

Übersetzung aus dem Englischen: Thilo Heffen

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Die Dinge würden nie wieder die gleichen sein.

Eines Nachmittags, im späten Frühjahr 1998, erwartete mich mein damals zweijähriger Sohn an der Tür. Ich war auf dem Weg zum Briefkasten und er wollte mit mir über die Straße gehen, um die Post zu holen. Wie es unsere Routine war, gingen wir spazieren und sprachen über alles, woran er so dachte.

Wie immer in unseren Gesprächen würde er eine schnelle Abfolge von Fragen stellen, auf die ich versuchte so schnell wie möglich zu antworten  bevor er mich mit einem “Warum Papa?” unterbrechen konnte.

An diesem Tag aber, als wir den Briefkasten erreichten, und nachdem ich bereits ein bisschen von seiner staatsanwaltlichen Befragungsweise genervt war, fragte mich mein Sohn etwas, das er noch nie zuvor gefragt hatte: “Daddy, wo ist meine Post?” Ich stand einen Moment lang still und erkannte plötzlich, dass mein kleiner Staatsanwalt keine belanglose und harmlose Frage stellte, sondern wirklich eine ernsthafte Antwort darauf haben wollte.

Ich sagte ihm: “Naeem, ich kann dir versprechen, ich will meine Post nicht einmal.” Unbeeindruckt von meiner Antwort fragte mein Sohn noch einmal, so als ob ich ihn beim ersten Mal nicht richtig verstanden hatte: “Daddy, wo ist meine Post?”

Vater Sohn Beziehung - Stapel Briefe

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Du hast Post!

Da ich kein Problem mit dem Hören und der nonverbalen Kommunikation habe, ging ich die nächsten Tage in ein lokales Geschäft, um mehrere Grußkarten zu kaufen. Mein Plan war es, die Karten über mehrere Wochen hinweg immer wieder an Naeem zu schicken. Als ich anfing, die Karten in der für Eltern typischen Weise – “Love Dad” – zu unterschreiben, fühlte ich mich ein bisschen schwermütig.

Mein Sohn, mein einziger Sohn, der kleine Kerl, den ich mehr liebte als alles andere auf dieser Welt, wollte Post. Und das Beste, was mir einfiel, war, einen Haufen massenproduzierter, unpersönlicher Grußkarten zu kaufen.

Ich habe die Karten mit “Love Dad” unterschrieben, aber habe noch viel mehr in sie hinein geschrieben. Ich habe sie so gut wie möglich personalisiert. In jeder Karte folgte ich einem ähnlichen Skript. Ich versicherte ihm meiner väterlichen Liebe und Hingabe, drückte meine Hoffnungen und Pläne für seine strahlende Zukunft aus und verpflichtete mich, immer für ihn da zu sein.

Vater Sohn Beziehung - Grusskarte

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Eine neue Tradition wird geboren

Als sie ankamen, liebte er sie. Und es hatte einen unerwarteten Nebeneffekt. Die Postkarten weckten in ihm den Wunsch, lesen zu wollen. Im Alter von vier Jahren las er besser als Schüler in der ersten Klasse und in der ersten Klasse war er auf dem Lesestand eines Sechstklässlers.

Im Laufe der Jahre habe ich ihm weiter geschrieben und ich glaube, dass ich es immer tun werde. Ich bin überzeugt, dass ihm zu schreiben nicht nur sein Leben, sondern auch meins verändert hat. Hätte ich damals nicht damit angefangen, wäre ich heute wohl nicht der Autor eines Buches und eines Blogs.

Meinem Sohn zu schreiben hat unsere Beziehung stärker gemacht. Ihm zu schreiben hat uns beide zu besseren Männern gemacht. Ich glaube, einem Kind zu schreiben gibt einem Elternteil die einzigartige Gelegenheit, darüber nachzudenken, was wir wollen und müssen, bevor wir es sagen. Dem eigenen Kind zu schreiben gibt Eltern die Möglichkeit, nach innen zu schauen, bevor sie nach außen handeln.

Mit anderen Worten, das Schreiben bietet uns einen Filter, der uns vermeiden hilft, etwas zu sagen, von dem wir uns später wünschten es wieder zurücknehmen zu können. Das Schreiben fordert uns dazu heraus, die Person, die wir im Spiegel sehen,  durch die Augen unserer Kinder zu betrachten.

Vater Sohn Beziehung - Mann mit Sohn

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Mit großer Macht kommt große Verantwortung

Eltern müssen sich daran erinnern, dass Worte große Macht haben. Dass wir die Verantwortung haben, Worte weise einzusetzen. Wann immer möglich, sollten sich Eltern die Zeit nehmen, Ihren Kindern zu schreiben. Schreiben Sie ihrem Kind, wenn es Sie glücklich macht. Schreiben Sie Ihrem Kind, wenn es Sie traurig macht. Schreiben Sie Ihrem Kind, wenn es fröhlich ist. Schreiben Sie Ihrem Kind, wenn seine Stimmung schlecht ist. Was auch immer Sie tun, was auch immer die Umstände sind, was auch immer der Grund ist…. schreiben Sie Ihrem Kind.

Die meisten von uns werden ihren Kindern keine großen Reichtümer vererben, aber wir können ein Erbe hinterlassen, das ewig andauert. Unseren Kindern zu schreiben ist ein Weg, auf dem wir alle noch lange nach unserer Abreise von dieser Erde zu unseren Kindern und Kindeskindern sprechen und sie unterstützen können.

Ob arm oder reich, alle Kinder stehen vor ähnlichen Herausforderungen und Chancen. Während diese Herausforderungen und Chancen mit zunehmendem Alter wachsen, sind sie von ihrer Art her die gleichen. Sie sind relativ. Meistens wird etwas, das Sie heute schreiben, eine Lektion sein und Ihr Kind in die Lage versetzen, mit einer zukünftigen Herausforderung oder Gelegenheit fertig zu werden.

Das Ausmaß dieser Herausforderungen und Chancen ist von untergeordneter Bedeutung. Wenn Ihr Kind auf die kleinen Hürden schlecht vorbereitet ist, dann ist die Gefahr groß, dass es für die großen Hürden noch viel schlechter gerüstet ist. Wenn Ihr Kind heute unvorbereitet ist, wird es wahrscheinlich auch morgen unvorbereitet sein.

Vater Sohn Beziehung - Lachende Tochter

Photo by Caroline Hernandez on Unsplash

Der Weg, den Ihr Kind geht, kann sehr wohl durch Ihre Worte bestimmt werden, also schreiben Sie sie auf. Schreiben Sie Ihren Kindern auf eine Art, die ihnen eine Karte, eine Gebrauchsanweisung, eine aufgezeichnete Geschichte gibt, damit sie so werden wie Sie es sich wünschen und wie es das Universum von ihnen verlangt: Verantwortungsbewusste Kinder zu sein, die keinen Zweifel daran haben, wie sehr sie geliebt werden und die ihre Zeit und Energie weise einsetzen, um gute Erwachsene zu werden.

Was denken Sie? Haben Sie jemals versucht, Ihrem Kind einen Brief zu schreiben? Warum oder warum nicht? Teilen Sie Ihre Gedanken und Erfahrungen in den Kommentaren unten.

Mehr von und über Nathaniel Turner finden Sie hier:

Der Originalbeitrag ist unter dem Titel “Do Something Really Old School – Write Your Child A Letter“ zuerst auf The Raising Supaman Project erschienen.

Headerphoto by Allef Vinicius on Unsplash

Über den Autor

Nathaniel Turner

Nathaniel Turner

In Indiana/USA geboren und aufgewachsen, wird Nate von vielen als moderner Renaissance-Mensch bezeichnet. Er besitzt Abschlüsse in Buchhaltung, Theologie, Geschichte und Recht, vom Bachelor bis zur Promotion. Seine Erfahrungen als Vater eines erstaunlichen jungen Mannes, den er liebevoll als Supaman bezeichnet, haben ihm geholfen, viele Informationen zu sammeln, von denen er glaubt, dass sie für andere nützlich sein können. Auf seiner Webseite raisingsupaman.com teilt er diese Erfahrungen und gibt Ratschläge an alle, die hoffen, ihren Kindern das Beste zu geben, was sie zu geben haben.

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