Abenteuer & Reise

Abenteuer vor der Haustür – der Eifelsteig

12 Tage, 330 Kilometer, vom Aachener Dom zur Porta Nigra nach Trier. Zu dritt haben wir uns auf den Weg über den Eifelsteig gemacht – ein Weg über Höhen und Tiefen. Wir wollen Ihnen von unserem Abenteuer vor der Haustüre berichten und Ihnen zeigen, dass man mit ganz wenig relativ viel Spaß haben kann. Wir wollen daher in diesem Artikel nicht genauer auf die Wegführung und die Planung eingehen, sondern vielmehr auf unsere persönlichen Erlebnisse, die diese Mehrtagestour für uns zu einem unvergesslichen Abenteuer gemacht haben. Also lehnen Sie sich zurück und lassen Sie sich von unseren teils kuriosen Geschichten berieseln.


Inhaltsverzeichnis

1. “Wo Fels und Wasser dich begleiten”
2. Warum ausgerechnet der Eifelsteig?
3. Unsere persönlichen Erlebnisse machten diese Tour einzigartig
4. Die Seele baumeln lassen
5. Das Gefühl von Urlaub lag in der Luft
6. Ab an die Bar!
7. Eine Wohnung, ein richtiges Bett und Fernsehen – purer Luxus
8. Wir sind am Ziel angekommen


1. “Wo Fels und Wasser dich begleiten”

Das Hohe Venn, dicht bewaldete Landschaften, der Nationalpark Eifel, die Vulkaneifel, die felsige Südeifel mit steil abfallenden Klippen an der Mosel – all diese komplett unterschiedlichen Landschaftsformen lernten wir entlang des Weges zwischen der Kaiserstadt Aachen und der ältesten Stadt Deutschlands Trier kennen. Wir wollten raus aus dem Unialltag, die Natur genießen, die Eifel erleben. Wir – das sind Thomas und Jannik, die Sie von Eximum oder Trekkinglife vielleicht schon kennen und unser Kumpel Malte, der uns auf dieser Tour begleitet hat. Drei Studenten mit mehr Zeit als Geld und dem Drang ein Abenteuer in der Natur zu erleben. Daher haben wir uns entschlossen, die Nächte weitestgehend im Zelt zu schlafen, um noch näher an der Natur zu sein (und Geld zu sparen). Das klappt in der Nordeifel noch ganz gut, findet man dort doch genügend Campingplätze. Südlich der Vulkaneifel ab Manderscheid wird das allerdings schwieriger und so waren wir gezwungen uns auch mal den Luxus zu erlauben und in einer Ferienwohnung zu übernachten – gibt natürlich Schlimmeres. Landschaftlich ist der Weg wunderschön, doch die Wege sind weniger herausfordernd als sich möglicherweise durch einen “Steig” assoziieren ließe.

2. Warum ausgerechnet der Eifelsteig?

Doch warum ausgerechnet der Eifelsteig? Eigentlich ganz einfach. Wir haben eine Mehrtages-Tour in unserer Nähe gesucht und da wir in Aachen wohnen, liegt es doch nahe, direkt vor der Haustür loszulaufen. Entsprechend schnell haben wir uns an die Planung gemacht, die Eifelsteig-Karte vom Eifelverein und den Rother-Wanderführer zum Eifelsteig besorgt und schon waren wir startklar! Letztlich bedarf es keiner großen Planung der Tour, da die Eifel touristisch sehr gut erschlossen ist. An fast jedem Etappenort ist ein Bahnhof, Supermärkte findet man auch ohne Probleme und sich zu verlaufen, ist sehr schwierig, aber durchaus möglich, wie wir erfahren durften. Mit dem Zelt ist es etwas komplizierter, da der Steig gerade im südlichen Teil nicht über genügend Campingplätze am Weg verfügt, aber Ferienwohnungen sind wie Sand am Meer zu finden, sodass auch das kein Problem darstellt!

Eifelsteig - Karte

3. Unsere persönlichen Erlebnisse machten diese Tour einzigartig

Aber nicht nur die wunderschöne Landschaft hat diese Mehrtagestour durch die Eifel zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht, sondern vielmehr noch unsere ganz persönlichen Geschichten, die wir in diesen zwölf Tagen erleben durften.

So waren wir doch alle drei überrascht, wie kalt es nachts in der Eifel im Zelt werden kann. Nicht nur einmal sind wir aufgrund der Kälte wach geworden und mussten uns ein zusätzliches Fleece überziehen. Mütze und Buff waren vom ersten Tag an unsere Kuscheltiere und in jeder Nacht ein willkommener Wärmespender. Den Höhepunkt (oder eher Tiefpunkt) der Kälte erlebten wir in Kerpen auf einem Jugendzeltplatz als sich früh am Morgen das Zelt nicht mehr öffnen ließ, da die Reißverschlüsse schlichtweg eingefroren waren. Ein kurzer Moment der Panik machte sich breit, aber nach Anwärmen der Reißverschlüsse schafften wir es dann doch lebendig raus. Unser Lagerplatz direkt neben einem Bach war wohl nicht so klug gewählt…

Eifelsteig - Getränk

4. Die Seele baumeln lassen

Heiß her ging es hingegen an den Abenden, an denen wir den Tag an einem knisternden Lagerfeuer ausklingen ließen. Durch die Feuerschalen, die man an jedem Campingplatz umsonst benutzen kann, überhaupt kein Problem und eine willkommene Wärmequelle bevor es wieder ins kalte Zelt ging. Mit ein paar Snacks und dem Eifeler Landbier ausgestattet, erlebten wir einige schöne Abende inmitten der Natur – auf jeden Fall eines der Highlights auf unserer Tour und sehr zu empfehlen. Noch näher kamen wir der Natur, als wir am Fuße des Kloster Steinfelds eine Nacht in einer gemütlichen Schutzhütte verbrachten. Ein Tisch, drei Bänke und eine Feuerstelle machten diese sehr saubere Hütte zum optimalen Platz für die Nacht. Zusammen zauberten wir eine Reis-Pilz-Pfanne, die wir uns nach der langen Etappe redlich verdient hatten. Tiere haben wir (noch) nicht gesehen oder gehört, aber Thomas machte den Wildschweinen in jener Nacht mächtig Konkurrenz, da half auch kein sanftes Kneifen in den Fuß. Erst nach Janniks lautem Schrei verstummte Thomas und auch Malte und Jannik konnten nach einem kurzen Lachanfall tief und fest schlafen. Für solche Fälle empfehlen wir Ihnen Oropax mitzunehmen – man weiß ja nie!

Eifelsteig - Hütte

5. Das Gefühl von Urlaub lag in der Luft

Doch nochmal zurück zur eiskalten Nacht auf dem Jugendzeltplatz in Kerpen, denn diese Nacht war alles andere als ruhig und friedlich. Wildschweine und Uhus machten in jener Nacht mächtig Lärm und ließen uns nur wenig schlafen. Und ja wir sind uns sicher, dass es diesmal wirklich Wildschweine waren und nicht unser Kumpel Thomas. Am nächsten Morgen war das natürlich das Gesprächsthema schlechthin und wir rätselten, ob es sich bei den Aktivitäten der Wildschweine eher um einen Kampf oder den Geschlechtsakt gehandelt hatte. Während wir rätselten, liefen wir früh morgens im Nebel die Straße hinauf und merkten gar nicht so recht, wie die Sonne den Nebel urplötzlich vertrieben hatte. Erst als wir uns umdrehten und auf dieses wunderschöne Panorama bestehend aus einer einsamen Straße inmitten grüner Felder blickten, wurde uns klar, wie sehr wir für diese harte Nacht entschädigt wurden. Und da sind sie wieder: Die Höhen und Tiefen des Eifelsteigs.

Eifelsteig - Strasse

Noch am selbigen Tag wurden wir noch mehr entschädigt, denn die nette Bewirtung in Form eines älteren Ehepaars am Campingplatz im Oosbachtal haben wir richtig genossen. Es war der erste Tag, an dem wir uns richtig erholen konnten und das Gefühl von Urlaub in der Luft lag, da wir schon früh am Mittag unser Etappenziel erreichten. Wir trockneten unsere Sachen, die aufgrund der vergangenen Nacht nass geworden waren, und legten uns in die Sonne. Nach kurzer Zeit verschlug es uns in den Biergarten des Campingplatzes, in dem der Opi (wie wir ihn liebevoll nannten) sich sehr um unser leibliches (aber vor allem durstiges) Wohl gekümmert hat und das “Jungens, wollt ihr noch eins?” wie Musik in unseren Ohren klang. Noch lange saßen wir dort und irgendwann ging ein sonniger Tag zu Ende. Dementsprechend früh konnten wir am nächsten Tag losmarschieren, hatten wir uns doch am Vortag prächtig erholt. Generell können wir Ihnen nur empfehlen so früh wie möglich loszulaufen, um abends mehr Zeit zu haben. Sie werden am Abend die Kilometer der Etappe sehr deutlich in den Beinen spüren und werden froh sein, wenn Sie sich ins Bett – für die hartgesottenen auf die Isomatte – legen können.

6. Ab an die Bar!

Das Wetter spielte natürlich auch wieder mit und in Gerolstein ließ das nächste Highlight schon auf sich warten – eine Bäckerei. Klingt erst einmal komisch, aber glauben Sie uns: jede Bäckerei hieß für uns automatisch ein Festmahl, sah unsere sonstige Verpflegung aus Müsliriegeln, Äpfeln und Vollkornbrot mit Honig doch eher bescheiden aus. Neben den standardgemäßen Brötchen gab es immer noch ein ganz besonderes Leckerli für jeden, das derjenige, der gerade mit dem Einkauf an der Reihe war, allerdings bis zur nächsten Pause für sich geheim hielt – so freuten wir uns alle noch mehr auf die Frühstückspausen. Man muss sich eben auch an den kleinen Dingen im Leben erfreuen können. Warme Brezeln, süße Streuseltaler und leckere Nussecken machten das Frühstück zum Festmahl, das durch den selbstgekochten 2in1-Instant-Kaffee perfekt abgerundet wurde. Spätestens jetzt haben Sie Appetit bekommen, richtig? Vielleicht ein Grund, warum wir auch diese Etappe mit über 35 Kilometern problemlos meisterten. Vielleicht war es aber auch der Gedanke daran, dass im Ziel dieser Etappe (Schalkenmehren) eine hoteleigene Bar mit kalten Erfrischungsgetränken auf uns warten würde.

Eifelsteig - Selfie

Im Ziel angekommen, spulten wir kurz unser Routineprogramm ab (Klamotten trocknen, Zelt aufbauen, Isomatte und Schlafsack ausrollen) und schon verschlug es uns in die gemütliche Kneipe, die mit vier verschiedenen Biersorten einiges versprach, darunter auch das Eifeler Vulkanbräu. Thomas, der ursprünglich sogar aus Rheinland-Pfalz stammt, meinte das Bier schon einmal getrunken zu haben und sich an ein relativ helles Bier erinnern zu können, als er den Namen “Vulkanbräu” hörte. Also bestellten wir eine Runde Vulkanbräu und konnten uns vor Lachen kaum auf den Stühlen halten, als die Kellnerin zu unserem Tisch kam und uns ein relativ dunkles Bier servierte. Zugegeben, wir hatten zu dem Zeitpunkt schon ein, zwei (vielleicht waren es auch mehr) Bier getrunken, aber die Situation passte einfach perfekt. Eine Geschichte, die wir alle sicherlich nicht so schnell vergessen werden. Ein gemütlicher Abend ging zu Ende, der von einer noch gemütlicheren Nacht perfekt abgerundet wurde.

7. Eine Wohnung, ein richtiges Bett und Fernsehen – purer Luxus

Unser nächstes Highlight wartete am Ende der drittletzten Etappe in Bruch auf uns – die Ferienwohnung der Familie Pitsch. Eine wunderschöne Wohnung, ein großer, gepflegter Garten, ein Kühlschrank gefüllt mit Erfrischungsgetränken, ein Pizza-Lieferservice und ein Champions-League Abend warteten schon darauf, von uns konsumiert zu werden. Wir erledigten kurz die Pflichten, wuschen noch ein letztes Mal unsere Sachen durch und packten die Rucksäcke für den nächsten Tag und verbrachten den restlichen Abend mit Bier und Pizza auf der Couch. Hört sich eigentlich schlimm und sehr stark nach Rumgammeln an, war nach zehn anstrengenden Tagen und knapp 300 Kilometern in den Beinen aber genau das Richtige! Wer genau spielte, wissen wir gar nicht mehr so genau, war in dem Moment auch vollkommen nebensächlich. Es tat einfach gut, nur da zu liegen und sich ein bisschen berieseln zu lassen. Vielleicht war es aber auch der Gedanke daran, dass uns nur noch zwei Etappen und eine Nacht von unserem Ziel trennten.

Eifelsteig - Höhle

Und diese Nacht war noch einmal etwas ganz Besonderes, denn es war die beste Nacht und vielleicht sogar das beste Erlebnis auf der gesamten Tour durch die Eifel. Wir wussten, dass wir in dieser Nacht “wildcampen” bzw. eine Schutzhütte oder einen geeigneten Platz zum Schlafen suchen mussten, da es in der Nähe unseres Etappenziels (Kordel) keinen Campingplatz gab und wir nicht schon wieder in einer Ferienwohnung übernachten wollten. Wir wussten aber auch, dass es kurz hinter unserem Etappenziel eine ominöse Höhle geben sollte, die evtl. als Schlafplatz geeignet wäre. Als wir dort ankamen, wurde uns klar, dass kein Schlafplatz der Welt in dieser Nacht besser geeignet wäre als die Klausenhöhle. Einst von Mönchen mitten im Wald erbaut, um in völliger Abgeschiedenheit zu leben und dort das ewige Heil zu finden. Die Höhle ist keine klassische Höhle, in der man durch einen schmalen Eingang hineinläuft und dann in völliger Dunkelheit steht. Die Klausenhöhle steht auf einem Hügel und hat einen riesigen Eingang, sodass sie sehr hell und offen ist. Geht man zwei Meter in die Höhle hinein, führt eine Leiter auf der rechten Seite auf eine ungefähr drei Meter hohe Ebene, die durch ein in die Wand geschlagenes Fenster ebenfalls sehr hell ist. Auf dieser Ebene rollten wir unsere Matten und Schlafsäcke aus, schön geschützt vor herum kriechenden Tieren auf dem Boden (aber nicht vor herumfliegenden Tieren wie einem Falter…). Kurz bevor es dunkel wurde, kochten wir noch einen warmen Eintopf und kurze Zeit später mummelten wir uns auch schon in unsere Schlafsäcke ein und verbrachten die letzte Nacht auf dem Eifelsteig in einer Höhle – was für ein Erlebnis.

Eifelsteig - Lagerplatz

8. Wir sind am Ziel angekommen

Die Nacht war überraschend warm und bis auf ein bisschen Geraschel, das unseren mittlerweile geschulten Ohren nach vermutlich von einem Reh verursacht wurde, auch sehr ruhig. Ja, sogar Thomas war ruhig. Einzig und allein das helle Licht des Vollmonds, das durch das Fenster hinein schien, weckte uns mitten in der Nacht, bevor es uns kurze Zeit später noch entspannter einschlafen ließ. Am nächsten Morgen war die Stimmung gut, denn wir hatten unsere letzte Nacht auf dem Eifelsteig überstanden und nur noch 12 Kilometer vor der Brust bis wir unser endgültiges Ziel in Trier erreichen würden – ein Katzensprung. In aller Ruhe packten wir ein letztes Mal unsere Sachen zusammen und kochten noch einen letzten Kaffee und dann ging es los in Richtung Tourenziel! Das Gesprächsthema auf den letzten Kilometern: Essen! Nach elf Tagen, die eher durch eine spartanische Küche geprägt waren, freuten wir uns alle auf kulinarische Köstlichkeiten im Hotel Mama.

Eifelsteig - Bierchen

In Trier angekommen, suchten wir uns den nächsten Biergarten und ließen beim obligatorischen Kaltgetränk die letzten Tage Revue passieren. Wir erinnerten uns an die schönen Momente, die wir auf dem Eifelsteig erlebt haben und an die weniger schönen Momente, die im Nachhinein betrachtet aber trotzdem einzigartig waren. Stichwort quiekende Wildschweine in der Nacht und eingefrorene Reißverschlüsse am nächsten Morgen. Wir erinnerten uns an die erste Nacht im Zelt, die viel kälter war als wir erwartet hatten. Wir erinnerten uns an die schönen Abende am Lagerfeuer, an denen wir so richtig zur Ruhe kamen und die Einsamkeit voll und ganz genießen konnten. Und wir erinnerten uns an einen Moment ganz am Anfang der Tour, als wir kurz gezweifelt haben, ob wir uns nicht zu viel vorgenommen haben. Und da saßen wir nun: 12 Tage später. 330 Kilometer weiter. Und um etliche Erfahrungen reicher. Ein Weg über Höhen und Tiefen.


Falls wir Sie durch unsere Geschichten auf dem Eifelsteig unterhalten haben, freut uns das sehr. Falls Sie aber neugierig geworden sind und evtl. selbst diese Tour machen wollen, verweisen wir Sie gerne auf unsere Artikelserie zum Eifelsteig auf unserem Blog Trekkinglife. Da haben wir die einzelnen Etappen nochmal genau zusammengefasst und weitere Tipps wie z.B. eine Packliste für Sie zusammengestellt.

Über den Autor

Jannik

Jannik ist 23 Jahre alt, hat in Köln Sportmanagement und Kommunikation studiert und wohnt zur Zeit in München. Da er aber sehr gerne draußen unterwegs ist und die Natur genießt, kann sich das zum jetzigen Zeitpunkt schon wieder geändert haben. Zusammen mit Thomas betreibt er den Outdoorblog Trekkinglife sowie den gleichnamigen YouTube-Kanal, auf dem regelmäßig hochwertiger Content produziert wird...