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	<title>EXIMUM</title>
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	<description>Slow Magazine für Männer ab 40</description>
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	<title>EXIMUM</title>
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		<title>Tauziehen: Acht Menschen, ein Seil und erstaunlich viele Regeln</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/09/12/tauziehen-regeln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 12 Sep 2026 09:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[KÖRPER]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Acht Menschen, ein Gewichtslimit, 36 Meter Seil – und selbst der Absatz am Schuh ist reguliert. Tauziehen sieht erstaunlich simpel aus. Im Wettkampf ist es das Gegenteil.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Acht Menschen betreten nacheinander eine Waage. Jeder einzeln, jeder mit einem offiziell festgestellten Gewicht, das anschließend für die Mannschaft zusammengerechnet wird. Erst wenn diese Summe stimmt, dürfen die Acht überhaupt gemeinsam an ein Seil greifen. Mit beiden bloßen Händen, im vorgeschriebenen Griff, das Seil zwischen Körper und Oberarm – alles andere gilt als Regelverstoß.</strong></p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Mannschaft ist mehr als nur eine Zahl</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zuständig für den internationalen Wettkampfsport ist die Tug of War International Federation, kurz TWIF. Gegründet wurde sie 1960, mittlerweile führt sie 75 Mitgliedsverbände und Gebiete in ihrem Regelwerk. Wer international antritt, wird nicht nach individuellem Höchstgewicht eingeteilt, sondern nach dem, was die acht Ziehenden zusammen auf die Waage bringen. Bei den Männern kennt das TWIF-Regelwerk für Seniorenteams die Klassen bis 560, 600, 640 und 680 Kilogramm, bei den Frauen bis 500 und 540. Rechnet man das in der 640-Kilo-Klasse herunter, landet man bei 80 Kilogramm pro Athlet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend ist am Ende nicht das Gewicht des Einzelnen, sondern die Summe der ganzen Mannschaft. Ein schwererer Athlet lässt sich über leichtere Kollegen ausgleichen – und genau das macht aus dem Gewichtslimit eine echte taktische Frage: Wer nimmt zwei Kilo ab, damit ein anderer zwei mehr mitbringen darf?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor internationalen Wettkämpfen steigt deshalb jeder potenzielle Zieher einzeln auf eine offizielle Waage. Bis zur vorgeschriebenen Markierung dürfen Trainer die Aufstellung noch ändern, solange am Ende das Gesamtgewicht der Klasse stimmt. Bei der Outdoor-WM 2026 in Mossel Bay, Südafrika, steht dieses individuelle Wiegen für Dienstag, den 15. September, auf dem Programm – also einen Tag vor dem ersten Wettkampf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die deutsche Männer-DM 2026 in Böllen wurde in der 640-Kilo-Klasse ausgetragen. Zwei Jahre davor holte die deutsche Nationalmannschaft bei der Tauzieh-WM in Mannheim Gold in der 680-Kilo-Klasse. Im parallel laufenden Klubwettbewerb gewann in derselben Gewichtsklasse die Zuggemeinschaft Goldscheuer – ein Nationalteam und ein Verein, die beide an derselben 680-Kilo-Grenze gemessen wurden.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="512" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/tauziehen-seil-griff-1024x512.webp" alt="Zwei Hände greifen ein dickes Tauziehseil" class="wp-image-22633" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/tauziehen-seil-griff-1024x512.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/tauziehen-seil-griff-300x150.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/tauziehen-seil-griff-768x384.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/tauziehen-seil-griff-640x320.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/tauziehen-seil-griff-1000x500.webp 1000w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/tauziehen-seil-griff.webp 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Seil mit Normen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das Sportgerät selbst ist alles andere als beliebig. International muss das Wettkampfseil einen Umfang zwischen 10 und 12,5 Zentimetern haben. Für die betreffende Meisterschaft ist ein 36 Meter langes Seil vorgesehen, frei von Knoten und Griffhilfen. Fünf Markierungen in drei Farben sind vorgeschrieben: eine in der Mitte, je zwei bei vier und fünf Metern links und rechts davon. Gewonnen ist ein Zug, wenn die gegnerische Vier-Meter-Markierung die Mittellinie auf dem Boden passiert. Am Ende des 36 Meter langen Seils entscheidet trotzdem nur eine kurze Strecke – kaum länger als ein Kleinbus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst die Schuhe sind reguliert, und zwar anders, als man erwarten würde. Nach der deutschen Wettkampfordnung dürfen Sohle und Absatz keine Spikes, Nägel oder ausgeprägtes Profil haben; erlaubt ist höchstens eine bündig abschließende Metallplatte am Absatz von maximal 6,5 Millimetern Dicke. Der Absatz selbst darf höchstens 25 Millimeter hoch sein. Was im Alltag als besonders griffig gelten würde – Spikes, Noppen, ausgeprägtes Profil –, ist draußen gerade nicht erlaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Sonderrolle hat der letzte Mann im Team, der Anchor. Bei ihm darf das Seil diagonal über den Rücken und die Schulter laufen – eine Ausnahme, die sonst niemandem zusteht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das hier ist wirklich kein Freizeitscherz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es dabei ernst zugeht, zeigt auch eine ältere Befragung: Bei der WM 1998 wurden alle 990 teilnehmenden Athletinnen und Athleten zur Teilnahme an einer Befragung eingeladen, 252 antworteten. Rund ein Drittel von ihnen berichtete von früheren tauziehbezogenen Verletzungen, meist Zerrungen und Verstauchungen, am häufigsten im Rücken-, Schulter- und Kniebereich. Die Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen: Die Untersuchung basiert auf Selbstauskünften, nur rund ein Viertel der eingeladenen Athleten antwortete, und aktuell sind die Daten ohnehin nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Olympisch war Tauziehen tatsächlich: von 1900 bis 1920, bei fünf Spielen, zuletzt in Antwerpen. Heute gehört die Disziplin zum Programm der World Games und ist auch für Karlsruhe 2029 vorgesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende bleibt eine Sportart, die aussieht, als bräuchte man dafür nichts als acht Leute und schlechte Laune – und die tatsächlich mit Einzelwaage, Millimeterangaben an der Schuhsohle und einer vier Meter langen Ziellinie auskommt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Deutscher Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband e. V. (2023, 23. Januar). <em>Wettkampfordnung Tauziehen: WKO-Tauziehen</em> (Ausgabe 2023). <a href="https://drtv.de/wp-content/uploads/2023/06/Wettkampfordnung-Tauziehen_01-2023.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://drtv.de/wp-content/uploads/2023/06/Wettkampfordnung-Tauziehen_01-2023.pdf</a></li>



<li>Deutscher Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband e. V. (2026, 2. August). <em>Deutsche Meisterschaft Tauziehen Mittelgewicht 640 kg: Ergebnisliste, Böllen/Schönau</em> [Ergebnisliste]. <a href="https://www.rtvb.org/blog/wp-content/uploads/2026/08/2026_DM-640kg_Boellen_Ergebnis.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://www.rtvb.org/blog/wp-content/uploads/2026/08/2026_DM-640kg_Boellen_Ergebnis.pdf</a></li>



<li>Deutscher Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband e. V. (2026, 9. August). <em>Zuggemeinschaft Goldscheuer/Simonswald/Neuried krönt sich in Böllen zum Deutschen Meister im Mittelgewicht</em>. <a href="https://drtv.de/zuggemeinschaft-goldscheuer-simonswald-neuried-kroent-sich-in-boellen-zum-deutschen-meister-im-mittelgewicht/" target="_blank" rel="noopener">https://drtv.de/zuggemeinschaft-goldscheuer-simonswald-neuried-kroent-sich-in-boellen-zum-deutschen-meister-im-mittelgewicht/</a></li>



<li>International Olympic Committee. (2018, 5. Juni). <em>Antwerp 1920: Tug of war and a 72-year-old medallist</em>. Olympics.com. <a href="https://olympics.com/en/news/antwerp-1920-tug-of-war-and-a-72-year-old-medallist" target="_blank" rel="noopener">https://olympics.com/en/news/antwerp-1920-tug-of-war-and-a-72-year-old-medallist</a></li>



<li>Olympedia. (n.d.). <em>Tug-of-war</em>. Abgerufen am 8. September 2026, von <a href="https://www.olympedia.org/sports/TOW" target="_blank" rel="noopener">https://www.olympedia.org/sports/TOW</a></li>



<li>Smith, J., &amp; Krabak, B. (2002). Tug of war: Introduction to the sport and an epidemiological injury study among elite pullers. <em>Scandinavian Journal of Medicine &amp; Science in Sports, 12</em>(2), 117–124. <a href="https://doi.org/10.1034/j.1600-0838.2002.120209.x" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1034/j.1600-0838.2002.120209.x</a></li>



<li>The World Games 2029 Karlsruhe. (2026). <em>Tug of war</em>. <a href="https://twg2029.com/en/sports/strength-sports/tug-of-war/" target="_blank" rel="noopener">https://twg2029.com/en/sports/strength-sports/tug-of-war/</a></li>



<li>Tug of War Association. (2026). <em>Fixtures 2026</em>. <a href="https://www.tugofwar.co.uk/fixtures" target="_blank" rel="noopener">https://www.tugofwar.co.uk/fixtures</a></li>



<li>Tug of War International Federation. (2024). <em>2024 TWIF World Clubs &amp; World Outdoor Championships: Mannheim, Germany, September 4–8, 2024: Results book</em> [Ergebnisbuch]. <a href="https://tugofwar-twif.org/wp-content/uploads/2024/09/Corrected-Sunday-Combined.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://tugofwar-twif.org/wp-content/uploads/2024/09/Corrected-Sunday-Combined.pdf</a></li>



<li>Tug of War International Federation. (2026). <em>2026 TWIF World Outdoor Championships: Mossel Bay, South Africa</em>. <a href="https://tugofwar-twif.org/2021/04/25/2026-twif-world-outdoor-championships-hartenbos-south-africa/" target="_blank" rel="noopener">https://tugofwar-twif.org/2021/04/25/2026-twif-world-outdoor-championships-hartenbos-south-africa/</a></li>



<li>Tug of War International Federation. (2026). <em>TWIF rules manual 2026</em> [Regelwerk].</li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Titelbild:</strong> <a href="https://www.pexels.com/de-de/@habel-panggalo-750748/">Habel Pangalo</a>/Pexels</li>



<li><strong>Bild 1:</strong> <a href="https://unsplash.com/de/@curatedlifestyle">Curated Lifestyle</a>/Unsplash+</li>
</ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der schwarze Stern</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/09/09/georges-melies-verschollener-film/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 05:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Werk & Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rostige Filmrollen, eine alte Familienkiste und ein schwarzer Stern auf wenigen Frames: In der Library of Congress tauchte ein Méliès-Film von 1897 wieder auf, den vermutlich seit mehr als einem Jahrhundert niemand mehr gesehen hatte.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Wie ein verschollener Méliès-Film von 1897 nach mehr als einem Jahrhundert wieder auftauchte<br>Sie ergänzt den rätselhaften Titel um genau die Information, die er braucht.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kiste, die Bill und Mary McFarland im September 2025 in Culpeper, Virginia, an die Library of Congress übergeben, sieht nicht nach einer Sensation aus. Rostige Rollen, deformiertes Nitratmaterial, an manchen Stellen verklebt, an anderen zerfallen. Familienbesitz, wie er öfter vorkommt: irgendwo überlebt, ohne dass jemand mehr genau weiß, was eigentlich drauf ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass sich unter dem beschädigten Material ein <strong>verschollener Film von Georges Méliès</strong> befindet, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nitratfilm ist kein geduldiges Material. Er zersetzt sich, klebt zusammen, kann sich unter ungünstigen Bedingungen selbst entzünden. Dass Rollen aus dem 19. Jahrhundert überhaupt in einem Zustand ankommen, in dem sich noch etwas erkennen lässt, ist schon für sich kein Selbstläufer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeit beginnt mit vorsichtigem Lösen und Sichten. Dabei stößt Courtney Holschuh auf ein Detail: einen schwarzen Stern, aufgemalt auf einem Sockel, sichtbar auf einem der Frames. Dazu eine merkwürdige kleine Slapstick-Szene, die sich aus dem beschädigten Material herausschält.</p>



<p class="wp-block-paragraph">George Willeman schickt daraufhin einen Frame an einen Experten in Paris, wie NPR berichtet. Mithilfe von Katalogen steht die Zuordnung nach ungefähr einer Stunde fest: <a href="https://www.loc.gov/item/2026125501/">Georges Méliès, <em>Gugusse et l&#8217;Automate</em>, 1897, Star Film Nr. 111</a>. Bis dahin war keine vorführbare Kopie des Films bekannt. Der schwarze Stern war der entscheidende Hinweis, der zu dieser Identifikation führte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was die Sekunden zeigen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu sehen ist: Méliès selbst, in der Rolle des Gugusse, vor einer gemalten Werkstattkulisse. Ein kleiner Pierrot-Automat, der per Kurbel in Gang gesetzt wird, marschiert, wächst, entwickelt ein Eigenleben und schlägt seinen Betreiber. Der wiederum geht mit einem Hammer auf ihn los, bis der Automat schrumpft und verschwindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für heutige Augen sieht das aus wie eine frühe Robotergeschichte. Die Library of Congress selbst formuliert vorsichtig, es handle sich möglicherweise um die früheste bekannte filmische Erscheinung dessen, was man heute einen Roboter nennen würde. Ob es tatsächlich die allererste derartige Darstellung überhaupt ist, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht beweisen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1897 hätte sowieso niemand von einem Roboter gesprochen, weil es das Wort noch nicht einmal gab. Das kam erst gut zwei Jahrzehnte später durch Karel Čapeks Theaterstück R.U.R. in Umlauf. Historisch korrekt ist also: ein Automat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bleibt die Frage, wie ein französischer Film aus dem Jahr 1897 überhaupt in eine amerikanische Familienkiste kommt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/gugusse-et-lautomate-pierrot-automat-1897-1024x683.webp" alt="Méliès mit dem Pierrot-Automaten in „Gugusse et l’Automate“ von 1897" class="wp-image-22625" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/gugusse-et-lautomate-pierrot-automat-1897-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/gugusse-et-lautomate-pierrot-automat-1897-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/gugusse-et-lautomate-pierrot-automat-1897-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/gugusse-et-lautomate-pierrot-automat-1897-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/gugusse-et-lautomate-pierrot-automat-1897-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/09/gugusse-et-lautomate-pierrot-automat-1897.webp 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Wie die Kopie nach Virginia kam</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spur führt zu William DeLyle Frisbee, Farmer und Lehrer, der nebenbei als reisender Vorführer unterwegs war – mit Laterna-magica-Bildern, einem Phonographen und frühen Filmen, mit denen er durch Schulhäuser, Kirchen und Versammlungsräume zog. Seine Sammlung blieb danach in der Familie und überstand mehrere Generationen wechselnder Lagerbedingungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wann und wo genau Frisbee ausgerechnet diese Méliès-Kopie erwarb, ist nicht überliefert. Genauso wenig, wer der Pariser Experte war. Was bleibt, ist eine Filmrolle, die diese Fragen einfach überlebt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1897 dreht Méliès einen Automaten, der zum Leben erwacht. Dann verschwindet der Film selbst – für mehr als hundert Jahre, bis er in Culpeper, Virginia, wieder auftaucht. 2026 läuft die Kurbel wieder an, der Hammer schlägt erneut zu, und der kleine Pierrot schrumpft ein zweites Mal auf der Leinwand.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Méliès, G. (1897). <em>Gugusse et l’Automate</em> [Film]. Star-Film. Library of Congress. <a href="https://www.loc.gov/item/2026125501/" target="_blank" rel="noopener">https://www.loc.gov/item/2026125501/</a></li>



<li>Mondello, B. (2026, March 5). <em>The first appearance of a robot on film has made its way to the Library of Congress</em>. NPR. <a href="https://www.npr.org/2026/03/05/nx-s1-5732320/the-first-appearance-of-a-robot-on-film-has-made-its-way-to-the-library-of-congress" target="_blank" rel="noopener">https://www.npr.org/2026/03/05/nx-s1-5732320/the-first-appearance-of-a-robot-on-film-has-made-its-way-to-the-library-of-congress</a></li>



<li>Tucker, N. (2026, February 26). <em>Lost 19th century film by Méliès discovered at the Library</em>. Library of Congress Blogs. <a href="https://blogs.loc.gov/loc/2026/02/lost-19th-century-film-by-melies-discovered-at-the-library/" target="_blank" rel="noopener">https://blogs.loc.gov/loc/2026/02/lost-19th-century-film-by-melies-discovered-at-the-library/</a></li>
</ul>



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<h2 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Titelbild:</strong> Georges Méliès, <em>Gugusse et l’Automate</em> (1897), Filmstill. Library of Congress, Motion Picture, Broadcasting, and Recorded Sound Division.</li>



<li><strong>Bild 1:</strong> Georges Méliès, <em>Gugusse et l’Automate</em> (1897), Filmstill. Library of Congress, Motion Picture, Broadcasting, and Recorded Sound Division.</li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Newsletter 001 kommt …</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/07/27/newsletter-001-kommt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Jul 2026 18:45:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.eximum.de/?p=22428</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der erste EXIMUM-Newsletter ist fertiggeschrieben, Korrektur gelesen und liegt jetzt da wie ein Modellbausatz kurz vor dem Zusammenbau. In ein paar Tagen geht er raus. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eximum.de/2026/07/27/newsletter-001-kommt/">Newsletter 001 kommt …</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eximum.de">EXIMUM</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der erste EXIMUM-Newsletter ist fertiggeschrieben, Korrektur gelesen und liegt jetzt da wie ein Modellbausatz kurz vor dem Zusammenbau. In ein paar Tagen geht er raus. An alle, die sich angemeldet haben. Nicht an alle anderen, das ist ja der Trick an der Sache.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was drin ist, ohne dir die Pointe zu klauen:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Die Titelgeschichte über Hobbys, die du dir mit hundert Prozent Überzeugung gekauft und mit null Prozent Disziplin wieder verstaut hast</li>



<li>Ein Tool, das dir in zwei Minuten sagt, welches Hobby eigentlich zu dir passt. Kein Konto, keine Daten, keine Ausrede mehr.</li>



<li>Funde der Woche, quer durch Sternbilder, eine Musik-App ohne Algorithmus im Nacken und ein Buch für den Fall, dass mal jemand die Zivilisation neu aufbauen muss</li>



<li>Ein Interview über Freundschaft, Ego und das Älterwerden, ganz ohne die übliche Midlife-Crisis-Folklore</li>



<li>Ein Abschied als Comic, der dich zum Grinsen bringt und dabei leise gegen dein Whiteboard mit der Fünf-Phasen-Hobbyplanung tritt</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Anmelden lohnt sich. Wer erst nach dem ersten Versand kommt, hat den Einstand verpasst und muss sich mit dem zweiten Newsletter zufriedengeben. Zweitplatzierter sein reicht bekanntlich niemandem.</p>



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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum haben wir eigentlich keine Hobbys mehr?</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/07/04/hobbys-finden-maenner/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jul 2026 16:31:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[KOPFARBEIT]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.eximum.de/?p=22381</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein Hobby ist kein Luxus für die Freizeit. Für viele ist es der einzige Moment am Tag, an dem keiner etwas von ihnen will. Aber warum haben immer weniger Männer Hobbys?</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong><strong>Da ist er wieder, dieser Moment. Du bist gerade von der Arbeit zur Tür rein, ziehst die Schuhe aus und weißt schon, wie der Rest des Abends laufen wird, und zwar noch bevor er überhaupt angefangen hat. Essen, Kinder, Mails, die Glotze, irgendwann das Bett. Und das Frustrierendste? Keine einzige Sekunde davon gehört nur Dir.</strong></strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Dabei hat Dir niemand wirklich die Zeit gestohlen, der Tag war einfach voll bis oben hin. Trotzdem fehlt was, und zwar nicht Freizeit im Sinne von Pause, sondern eine Beschäftigung, die endlich mal keinem anderen Zweck dient als nur Dir selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau da liegt das Problem, glaube ich. Es geht nicht um zu wenig Zeit, sondern um zu wenig Zeit, die niemandem außer Dir gehört. Es gibt den TK-Stressreport von 2025, der zeigt, wie sehr Beruf, Familie und wirtschaftliche Sorgen mittlerweile auf uns lasten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was er aber nicht zeigt, ist das Leise daneben, das, was eigentlich verschwindet, wenn wir nichts mehr tun, was einfach keinen Nutzen bringen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist übrigens alles andere als nur ein subjektives Gefühl. Denn eine Untersuchung der Stiftung für Zukunftsfragen zeigt, dass noch 1990 rund 62 Prozent der Deutschen Vereinsmitglieder waren. Heute sind es nur noch 44 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich war der Rückgang bei Männern doppelt so stark wie bei Frauen, und ausgerechnet in der mittleren Altersgruppe am größten. Das heißt also, nicht bei den Jungen oder den Alten, nein, sondern bei uns.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/kind-malt-mit-farben-kreatives-hobby-1024x683.webp" alt="Kind malt konzentriert mit Pinsel und Farben – kreative Hobbys fördern Fantasie, Konzentration und Freude am Gestalten." class="wp-image-22421" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/kind-malt-mit-farben-kreatives-hobby-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/kind-malt-mit-farben-kreatives-hobby-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/kind-malt-mit-farben-kreatives-hobby-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/kind-malt-mit-farben-kreatives-hobby-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/kind-malt-mit-farben-kreatives-hobby-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/kind-malt-mit-farben-kreatives-hobby.webp 1200w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Wie können Hobbys einfach verschwinden?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist logisch, dass sich niemand morgens hinsetzt und entscheidet, dass er heute mit der Gitarre aufhört. So läuft das nicht. Das wäre ja noch einfach, wenn es eine Entscheidung wäre, denn dann könnte man sie auch wieder zurücknehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber im richtigen Leben verschwindet ein Hobby fast nie auf einmal. Es verschwindet in kleinen Schritten, die sich in den jeweiligen Momenten alle vernünftig anfühlen. Die Probe fällt aus, weil das Kind Fieber hat. Die Radtour wird verschoben, weil am Wochenende noch der Bericht fertig werden muss. Und, hey, einmal verschoben ist doch nicht schlimm, zweimal auch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber irgendwann taucht Deine Freizeittätigkeit im Kopf gar nicht mehr als Option auf, wenn Du überlegst, was Du mit einer freien Stunde anfangen könntest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein ehemaliger Kumpel von mir hat mir das mal an seiner Gitarre erklärt. Die stand jahrelang im Wohnzimmer, gut sichtbar, unter einem mit Reißzwecken angepinnten Judas-Priest-Shirt. Fast wie ein Beweisstück dafür, dass da noch etwas anderes war als Arbeit, Beziehung, Alltag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann zog er um. Die Gitarre kam in den Keller.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nicht aus Desinteresse“, sagte er. Im neuen Wohnzimmer sei einfach kein Platz gewesen. Und natürlich hatte der Wunsch seiner damaligen Freundin nach einer ordentlichen Wohnung überhaupt nichts damit zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich hab’ nie gesagt, ich höre auf“, meinte er. „Ich hab’ nur nie wieder gesagt, ich mach’ weiter.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das trifft doch den Punkt, oder? Nicht das Interesse verschwindet zuerst, sondern die Erlaubnis. Die Erlaubnis, sich einfach eine Stunde zu nehmen, die niemandem außer einem selbst gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was mich in dem Zusammenhang überrascht hat: Der Freizeit-Monitor 2025 zeigt, dass wir gar nicht nur auf Bildschirme starren. Dinge wie Spazierengehen und Sport gewinnen wieder an Bedeutung, auch das Lesen. Was aber schleichend erodiert, sind die sozialen Kontakte drumherum, die Vereinskollegen, die Bandprobe, die Verabredung zum Training, also genau das Netz, das einen früher tatsächlich aus der Wohnung geholt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und noch etwas kommt dazu, etwas Unauffälliges. Früher war Langeweile der Ausgangspunkt für viele Hobbys. Sie war der Moment, in dem nichts zu tun war und aus dem sich eine Beschäftigung ergab. Heute wird dieser Moment gar nicht mehr erlebt. Denn kaum wird es leer im Kopf, liegt das Handy schon in der Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das tötet die Langeweile zwar nicht, aber es überdeckt sie, bevor sie irgendwas anstoßen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ziemlich tückisch daran ist, dass der Verlust unsichtbar bleibt, weil die Gründe gut aussehen. Arbeit ist ja wohl ein legitimer Grund, Familie auch, da fragt niemand nach, wenn Du sagst, Du hattest keine Zeit. Tja, aber irgendwann hängt das Fahrrad nur noch an der Wand, und aus dem Hobby ist eine Erinnerung geworden, über die Du sprichst, statt eine Herzenssache, die Du ausübst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gebe zu, dass sich das nicht sauber belegen lässt, aber das Muster kenne ich aus genug Gesprächen, um zu wissen, dass es leider auch kein Einzelfall ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was ein Hobby psychisch leisten kann</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Räumen wir mal kurz mit ein paar Fehlannahmen auf. Ein Hobby ist keine Pause. Das ist der erste Irrtum, den die meisten von uns mit sich rumtragen. Eine Pause ist das, was Du machst, wenn Du kurz nichts tust, bevor Du wieder funktionieren musst. Ein Hobby ist etwas anderes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist (trocken formuliert) eine Tätigkeit, bei der Du selbst bestimmst, was passiert, wie lange es dauert und wie gut Du dabei sein musst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstbestimmung, Wiederholung, Konzentration, genau diese Kombination scheint zu zählen. Nicht das Nichtstun erholt Dich, sondern das Tun ohne Druck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merke das selbst beim Schreiben, was komisch klingt, da Schreiben mein Beruf ist. Aber abends ins Journal zu schreiben, ohne dass es je jemand liest, ist eine völlig andere Sache als ein Artikel mit Deadline. Gleiche Hand, anderer Kopf, könnte man sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Hobby kann außerdem etwas, was Dein Beruf meistens nicht kann. Es lässt Dich Anfänger sein, ohne dass Du dabei Vater, Kollege oder Problemlöser sein musst. Beim Schachverein bist Du einfach der Typ mit der schlechten Eröffnung, beim Angeln der, der noch nichts gefangen hat. Das ist ohne Witz befreiender, als es sich anhört.</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Was die Forschung sagt</strong><br><br>Freizeitaktivitäten wirken nicht nur, weil sie ablenken. Studien beschreiben mehrere Mechanismen, die dabei eine Rolle spielen können: Lernen, soziale Bindung, körperliche Aktivierung, Konzentration und das Gefühl von Selbstbestimmung.Meta-Analysen finden zudem Zusammenhänge zwischen aktivem Freizeitengagement und Wohlbefinden.<br><br>Die Forschung zur Leidenschaft unterscheidet außerdem zwischen harmonischer und obsessiver Leidenschaft: Im einen Fall bleibt eine Aktivität Teil eines guten Lebens, im anderen übernimmt sie es. Das beweist allerdings nicht, dass ein Hobby automatisch resilient macht. Es zeigt nur, dass freiwillige, regelmäßige Tätigkeiten mehr sein können als bloßer Zeitvertreib.</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Klar, ein Hobby nimmt Dir den Stress nicht ab, denn die Rechnungen bleiben, die Deadline bleibt, die Hektik und der Streit von gestern auch. Was sich ändert, ist, wie Du damit umgehst, wenn Du wieder davorstehst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ist der Weg zurück so schwer?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hier muss ich ehrlich sein: Wissen, dass ein Hobby gut für mich wäre, und tatsächlich anfangen, das sind echt zwei völlig verschiedene Dinge. Das eine kostet nichts, das andere kostet einen Anfang, und ein Anfang ist nach einem vollen Tag das Letzte, wozu ich Lust habe. Geht Dir wahrscheinlich nicht anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil nach der Arbeit, nach dem Abendessen, nach den Hausaufgaben die Couch einfach näher ist als der Keller mit der Gitarre. Dazu verlangt Streaming nichts von Dir, weder irgendwas aufzubauen noch Entscheidungen zu treffen. Du drückst auf Play, und der Abend ist gerettet, ohne dass Du was riskieren musst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie so oft, gibt es auch dafür eine nüchterne Erklärung, die keine Ausrede, sondern echte Mechanik im Kopf ist. Wer sich stundenlang an schnellen, fragmentierten Content gewöhnt, verschiebt seinen Maßstab für Reiz und Belohnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Spaziergang oder eine halbe Stunde Gitarre liefern danach nicht annähernd denselben Ausschlag und fühlen sich erst einmal zäh statt befriedigend an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das nicht, weil das Hobby langweilig ist, sondern weil sich der Maßstab verschoben hat. Das ist kein Charakterfehler, sondern Physiologie, die sich mit etwas Durchhalten zurückkalibriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ein Hobby eben erst mal eine Entscheidung verlangt, dann einen Anfang, und dann fast immer eine Phase, in der Du schlecht bist. Etwa schlecht Gitarre spielen nach zehn Jahren Pause oder schlecht laufen nach Jahren ohne Bewegung. Schlecht, schlecht, schlecht. Das findet natürlich niemand angenehm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Du mit fünfundzwanzig Deine Ungeschicklichkeit noch als Teil des Spaßes verkaufen konntest, fühlt sie sich mit fünfundvierzig eher peinlich an. Sogar auch dann, wenn das keinem anderen auffällt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tim Wu ist Jura-Professor an der Columbia University. In einem Meinungsbeitrag darüber, wie unsere Leistungskultur selbst Hobbys kaputtmacht, schreibt er, dass wir schlicht Angst hätten, in unseren Hobbys schlecht zu sein, weil unser öffentliches, performatives Zeitalter von uns verlangt, in allem kompetent zu wirken, auch dort, wo eigentlich nur wir selbst zuschauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus diesem Grund reicht der gut gemeinte Rat „Such Dir doch einfach ein Hobby“ nicht aus. Das klingt, als wäre die Anfangshürde das Problem von jemand anderem. Ist sie aber nicht, die Hürde ist real, und sie wird mit jedem Jahr Pause ein bisschen höher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was tatsächlich hilft, ist nicht Motivation, sondern Größe. Der Einstieg muss kleiner sein als der Widerstand dagegen. Nicht „Ich übe jetzt jeden Abend eine Stunde Gitarre“, vergiss das. Eher „Ich nehme sie einmal in die Hand, diese Woche.“ Klingt lächerlich klein, ist aber genau deshalb machbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und noch etwas: Streaming oder ein Abend auf der Couch sind nichts, wofür Du Dich rechtfertigen müsstest. Denn passive Erholung ist kein Fehler, überhaupt nicht, sie ist nur kein Ersatz für das, was ein Hobby kann. Beides hat seinen Platz. Problematisch wird es erst, wenn das eine das andere komplett verdrängt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/mann-beim-angeln-hobby-im-freien-1024x683.webp" alt="Mann bereitet seine Angel am See vor – Angeln ist für viele ein ruhiges Hobby und ein Ausgleich zum stressigen Alltag." class="wp-image-22420" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/mann-beim-angeln-hobby-im-freien-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/mann-beim-angeln-hobby-im-freien-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/mann-beim-angeln-hobby-im-freien-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/mann-beim-angeln-hobby-im-freien-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/mann-beim-angeln-hobby-im-freien-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/mann-beim-angeln-hobby-im-freien.webp 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Neue Hobbys statt nostalgischer Rückkehr</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, der größte Denkfehler beim Thema Hobby ist die Vorstellung, man müsse zurück zu dem, was man früher gemacht hat. Zurück zur Gitarre von damals, den Überraschungseierfiguren, den Briefmarken, zurück zum Fußballverein, zurück zu der Person, die Du mit zwanzig warst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Person gibt es aber nicht mehr. Dein Körper ist ein anderer, Deine Geduld ist eine andere, und neben vielen anderen Dingen hat sich auch Dein Zeitgefühl verschoben. Was Dir mit zwanzig Spaß gemacht hat, muss Dir mit fünfundvierzig nicht mehr passen. Das ist völlig in Ordnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau darum geht es. Ein neues Hobby muss Dir keine neue Identität geben, es muss weder männlich noch produktiv sein, und schon gar nicht vorzeigbar. Es darf klein und unspektakulär bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch ein Kindheitshobby ist deshalb nicht automatisch die falsche Wahl. Problematisch wird es erst, wenn Du es als Rückkehr zu einem früheren Selbst verstehst, das es so nicht mehr gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist also nicht entscheidend, ob etwas nostalgisch ist, sondern ob es zu Deinem heutigen Leben passt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Kauf als Ersatzhandlung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt noch eine Falle, die ganz am Anfang zuschlägt, oft bevor überhaupt was angefangen wurde. Und zwar das Einkaufen. Du entdeckst etwas, das Dich reizt, sagen wir … wasweißich … Fliegenfischen, und bevor Du auch nur einmal draußen warst, hast Du bereits Wathose, Rute und Zubehör bestellt. „Typisch deutsch“ habe ich viele sagen hören, aber tatsächlich ist das kein Zufall, denn Dein Gehirn unterscheidet kaum zwischen der Vorfreude beim Stöbern im Onlineshop und der eigentlichen Tätigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Klick auf „In den Warenkorb“ fühlt sich fast identisch an, manchmal sogar besser, weil er sofort kommt. Dann kommt das Paket an, Du packst es aus… und stellst es in die Ecke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie verbreitet das ist, zeigte eine US-Umfrage der Kreditplattform LendingTree aus dem Jahr 2021. Über die Hälfte der Menschen, die während der Pandemie ein neues Hobby begonnen hatten, gerieten dabei in Kreditkartenschulden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast jeder Zweite davon wegen Ausrüstung, mit der er später Geld verdienen wollte. Klar, das ist nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar, aber das Muster dürfte bekannt vorkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn also das Zusammenstellen von Ausrüstung zum Hobby wird, während die Sache selbst nicht stattfindet, geht der Schuss nach hinten los. Ein einfacher Test hilft da: Kauf die Ausrüstung erst, nachdem Du es ein paar Mal ohne sie ausprobiert hast. Vorher kaufst Du Dir nur ein gutes Gefühl, und keine Fähigkeit.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/fahrrad-ausruestung-statt-hobby-1024x683.webp" alt="Mann betrachtet Fahrradreifen im Geschäft – Ausrüstung kaufen ersetzt oft nicht das eigentliche Hobby." class="wp-image-22423" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/fahrrad-ausruestung-statt-hobby-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/fahrrad-ausruestung-statt-hobby-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/fahrrad-ausruestung-statt-hobby-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/fahrrad-ausruestung-statt-hobby-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/fahrrad-ausruestung-statt-hobby-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/07/fahrrad-ausruestung-statt-hobby.webp 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Wenn das Hobby zur nächsten Pflicht wird</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt der Teil, der mir persönlich am wichtigsten ist, weil ich genau diesen Fehler selbst gemacht habe. Ein Hobby hilft nicht automatisch, es kann auch das Gegenteil bewirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Fotografie wird Ausrüstungsrecherche, wenn Du mehr Zeit in Testberichten verbringst als hinter der Kamera. Aus Schach wird Rating-Stress, wenn Du nach jeder Partie auf die Zahl schaust statt auf das Spiel. Beim Fitnesstraining ist es oft der Spiegel, der irgendwann mehr zu sagen hat als das Gefühl danach, und dann ist aus Bewegung Körperkontrolle geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kenne das vom Laufen. Hatte mir vorgenommen, einfach mal wieder zu laufen, ohne Ziel, ohne Zeit. Drei Wochen später hatte ich eine Pulsuhr und einen Trainingsplan, dazu ein schlechtes Gewissen bei jeder ausgelassenen Einheit. Aus der freiwilligen Sache war eine zweite Verpflichtung geworden, nur mit Laufschuhen statt Aktenordner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forschung zur Leidenschaft (ja, so etwas gibt es) beschreibt das schon lange. Entlastung entsteht nämlich nicht durch Aktivität allein, sondern durch Freiwilligkeit und die Möglichkeit, jederzeit Nein zu sagen. Sobald es mehr Rechtfertigung verlangt, als es an Entlastung zurückgibt, hat ein Hobby seine Funktion verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und weil das alles noch nicht reicht, gibt es eine subtilere Version dieser Falle, die von außen kommt. Sobald Du in etwas gut wirst, kommt fast garantiert der Satz: „Kannst Du daraus nicht was machen?“ Gut gemeint, natürlich, aber trotzdem verändert schon der Gedanke daran die Beziehung zu dem, was Du tust.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nehmen wir mal als Beispiel einen Wildtierfotografen, der sich zur Professionalisierung überreden ließ. Er knipste Hochzeiten für Geld und verlor dabei die Leidenschaft für sein eigentliches Handwerk. Als er aber wieder zurück zum Anstreichen von Häusern als Beruf ging, durfte die Wildtierfotografie wieder Hobby sein. Sein Leben, sagte er danach, fühlte sich wieder richtig an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich muss nicht jedes Hobby unmonetarisiert bleiben. Aber die Erwartung, dass alles, worin Du gut bist, zu Geld gemacht werden sollte, ist selbst eine Form von Leistungsdruck, von außen aufgesetzt statt von innen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb ist „Fang einfach an“ eigentlich der falsche Rat, und „Mach es zur Routine“ manchmal auch. Die bessere Frage lautet: Merkst Du noch, dass Du das hier willst? Oder merkst Du nur noch, dass Du es jetzt tun musst? Oder, neuerdings: Merkst Du noch, dass es Dir gehört, oder gehört es inzwischen einem möglichen Nebenverdienst?</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Praxis: Fünf Regeln für den Einstieg</strong><br><br>1. <strong>Kein beruflicher Nutzen.</strong> Wenn Du Dir ausrechnen kannst, wofür es gut ist, ist es eine Investition, kein Hobby.<br>2. <strong>Nicht öffentlich.</strong> Kein Account, kein Feed, kein Vorher-Nachher, erst mal nur für Dich.<br>3. <strong>Dreißig Minuten die Woche,</strong> fest eingeplant, nicht mehr. Klein genug, dass Dir keine Ausrede einfällt.<br>4. <strong>Kauf Dir die Ausrüstung erst,</strong> wenn Du vier Termine durchgehalten hast. Vorher holst Du Dir nur ein gutes Gefühl.<br>5. <strong>Nach vier Wochen ehrlich für Dich prüfen: </strong>Nimmt es Dir Druck, oder macht es Dir welchen? Bei Druck verkleinern, und aufhören ist erlaubt.<br><br>Sprich das Zeitfenster kurz mit zu Hause ab, damit Du es nicht jede Woche neu verhandeln musst. Und wenn es Dich nur noch Rechtfertigung kostet, dann beende es. Du schuldest keinem Hobby Treue.</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Schluss: Zurück zum Abend</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir ehrlich sind, löst ein Hobby nichts von dem, was Dich eigentlich belastet. Die Rechnungen werden dadurch nicht weniger, die Abgabefristen auch nicht, und an den Geldsorgen ändert sich schon gar nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer das behauptet, verkauft Dir etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich Mist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ein Hobby aber kann, ist kleiner und genau deshalb ehrlicher. Es schafft einen Raum, in dem Du für eine halbe Stunde niemandem etwas schuldest, nicht dem Chef, nicht den Kindern, niemandem, auch nicht Dir selbst in der Version, die immer noch mehr leisten will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Szene von ganz am Anfang, mit dem Nachhausekommen und dem übervollen Abend, braucht dafür keinen neuen Lebensplan. Sie braucht nur einen festen Termin in der Woche, an dem etwas passiert, das niemandem außer Dir gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klingt doch ganz verlockend, oder?</p>



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<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Techniker Krankenkasse (2025). <em>TK-Stressreport 2025</em>. <a href="https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/stressreport-2025-2206714">https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/stressreport-2025-2206714</a></li>



<li>Stiftung für Zukunftsfragen / BAT-Stiftung (2025). <em>Freizeit-Monitor 2025</em>. <a href="https://www.freizeitmonitor.de/">https://www.freizeitmonitor.de/</a></li>



<li>Stiftung für Zukunftsfragen / BAT-Stiftung (2014). <em>Immer mehr Vereine – immer weniger Mitglieder: Das Vereinswesen in Deutschland verändert sich</em> (Forschung Aktuell, 254, 35. Jg.). <a href="https://www.stiftungfuerzukunftsfragen.de/forschung-aktuell-254-35-jg-16-04-2014/">https://www.stiftungfuerzukunftsfragen.de/forschung-aktuell-254-35-jg-16-04-2014/</a></li>



<li><em>(Jahr korrigiert: 2014 statt 2025 – ist die einzige Version, die ich finden konnte.)</em></li>



<li>Fancourt, D., Aughterson, H., Finn, S., Walker, E., &amp; Steptoe, A. (2021). How leisure activities affect health: A narrative review and multi-level theoretical framework of mechanisms of action. <em>The Lancet Psychiatry, 8</em>(4), 329–339. <a href="https://doi.org/10.1016/S2215-0366(20)30384-9">https://doi.org/10.1016/S2215-0366(20)30384-9</a></li>



<li><em>(Titel und Journal korrigiert: nicht „Leisure activities and mental health&#8220; im British Journal of Psychiatry, sondern dieser Titel im Lancet Psychiatry.)</em></li>



<li>Kuykendall, L., Tay, L., &amp; Ng, V. (2015). Leisure engagement and subjective well-being: A meta-analysis. <em>Psychological Bulletin, 141</em>(2), 364–403. <a href="https://doi.org/10.1037/a0038508">https://doi.org/10.1037/a0038508</a></li>



<li>Wu, T. (2018, 29. September). In praise of mediocrity. <em>The New York Times</em>. <a href="https://www.nytimes.com/2018/09/29/opinion/sunday/in-praise-of-mediocrity.html">https://www.nytimes.com/2018/09/29/opinion/sunday/in-praise-of-mediocrity.html</a></li>



<li>LendingTree (2021, 6. April). <em>53% who took on a pandemic hobby went into credit card debt as a result</em> [Qualtrics-Umfrage, n = 1.013, USA]. <a href="https://www.lendingtree.com/credit-cards/study/quarantine-hobbies-credit-card-debt/">https://www.lendingtree.com/credit-cards/study/quarantine-hobbies-credit-card-debt/</a></li>



<li>Kin, K. (2026). <em>Warum keiner mehr Hobbys hat (und das ein riesiges Problem ist)</em> [Video]. YouTube. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Vh12nTR3gfo">https://www.youtube.com/watch?v=Vh12nTR3gfo</a></li>



<li>Sealey, I. (2026). <em>Hobbies: Your Best Defense Against Brain Rot</em> [Video]. YouTube. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7b9THb3cQbg">https://www.youtube.com/watch?v=7b9THb3cQbg</a></li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Titelbild: Getty Images/Unsplash+</li>



<li>Bild 1: Getty Images/Unsplash+</li>



<li>Bild 2: Curated Lifestyle/Unsplash+</li>



<li>Bild 3: Getty Images/Unsplash+</li>
</ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Cold Brew Coffee: Bitte kalt, danke!</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/05/24/cold-brew-coffee/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ZEUG]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.eximum.de/?p=12705</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wenn Du denkst, dass Kaffee grundsätzlich heiß sein muss, warst Du lange meiner Meinung. Heute steht jeden Sommer eine Kanne Cold Brew in meinem Kühlschrank.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Kalter Kaffee hatte bei mir ungefähr denselben Ruf wie alkoholfreies Bier oder Funktionskleidung für den Alltag. Dann habe ich Cold Brew probiert. Seitdem steht jeden Sommer eine Glaskanne im Kühlschrank und meine Bialetti macht Urlaub. Wenn Du jetzt denkst: „Kalter Kaffee? Niemals!“, dann warst Du vermutlich genau die Zielgruppe, zu der ich auch gehört habe.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich bin ich ja der Bialetti-Mann. So nenne ich mich manchmal selbst, in meinem Kopf. Kaffee mahlen, ab in die Kanne, auf den Herd, in die Tasse, fertig. Das gehört mittlerweile zu meinem Morgenritual. Und warum sollte ich das ändern? Dachte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Generell lassen mich Trends auf Instagram und so weiter ziemlich kalt. Aber irgendwann, als es wohl gerade <em>in</em> war, drückte mir jemand einen kalten Kaffee in die Hand, und seitdem mache ich im Sommer Cold Brew.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier folgt eine Anleitung für Männer, <a href="https://www.eximum.de/2026/05/11/warum-maenner-ab-40-seltsam-werden/" type="post" id="9143">die eigentlich nicht der Typ dafür sind</a>.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wie das angefangen hat</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mein erster Cold Brew war keine bewusste Entscheidung. Nicht wirklich. Ich saß irgendwo, irgendwann, jemand hatte einen Kaffee, der kalt war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wer trinkt denn sowas?“</em>, war mein erster Gedanke. Kalter Kaffee? Kaffee muss heiß sein, oder? Mein zweiter Gedanke, nach einem skeptischen Schluck, war: <em>„Wer hat sich das ausgedacht?“</em> Mein dritter Gedanke, eine halbe Stunde später: <em>„Hey, eigentlich ganz gut.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">So wird man Cold-Brew-Trinker. Nicht durch ein YouTube-Tutorial. Sondern dadurch, dass einem jemand was anderes in die Hand drückt als das, was man sonst trinkt. So läuft das richtige Leben eben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen habe ich eine Cold-Brew-Kanne aus Glas, von Vienesso. Die habe ich gekauft, weil wir Deutschen das nun mal so machen: <a href="https://www.eximum.de/2026/05/17/warum-maenner-verpackungen-aufheben/" type="post" id="21906">Egal, was wir anfangen, wir brauchen die vorgeschriebene Ausrüstung</a>. Das gilt für die Fünf-mal-im-Jahr-Hobby-Rennradfahrer, die aussehen, als wären sie bei der letzten Tour de France falsch abgebogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gilt genauso für die Zubereitung von Cold-Brew-Coffee. Meine Frau konnte mich gerade noch davon abhalten, mir eine Lederschürze zu kaufen und mir einen Schnurrbart wachsen zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer setze ich abends einen Liter an, lasse ihn zwölf Stunden im Kühlschrank ziehen, und morgens habe ich einen Kaffee, der mich auf eine andere Art wach macht als der heiße. Erfrischend, mit Eiswürfeln, fruchtig, fast wie ein Saft mit Koffein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt folgt ein kleiner Exkurs.</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Was spricht für Cold Brew?</strong><br><br><strong>Cold Brew hat gegenüber heißem Kaffee keine eindeutig belegten Gesundheitsvorteile.</strong> Dennoch gibt es einige praktische Eigenschaften, die viele Kaffeetrinker schätzen:<br><br>▪ Schmeckt meist milder und weniger bitter.<br>▪ Wird von manchen Menschen mit empfindlichem Magen besser vertragen.<br>▪ Eignet sich besonders gut als koffeinhaltiges Sommergetränk.<br>▪ Funktioniert auch ohne Zucker oder Milch oft angenehm im Geschmack.<br>▪ Lässt sich problemlos mit Eis, Milch oder pflanzlichen Alternativen kombinieren.<br><br>Der wichtigste mögliche Vorteil ist daher nicht ein gesundheitlicher Bonus, sondern die bessere Verträglichkeit für manche Menschen.</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Was Cold Brew eigentlich ist</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Grunde ist Cold Brew faul gewordener Kaffee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt heißes Wasser durch das Pulver zu jagen wie sonst, kippst Du kaltes Wasser drauf und lässt zwölf Stunden vergehen, in denen Du halt was anderes trinken musst. Heißen Kaffee vielleicht, oder Tee (den ich übrigens auch kalt ziehen lasse). Deshalb haben wir auch keine Softdrinks oder Säfte mehr im Haus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit übernimmt bei diesem Prozess die Arbeit, die sonst die Hitze macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heraus kommt ein Kaffee, der ganz anders schmeckt als der gewohnte. Weniger bitter. Weniger sauer. Fruchtiger. Und erstaunlich mild für die Menge an Koffein, die drinsteckt – und davon steckt einiges drin! Mehr dazu gleich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Konzept ist aber nicht neu. Denn schon niederländische Händler haben das im 17. Jahrhundert auf Schiffen praktiziert. Damals weniger aus Genuss als aus Mangel an Hitzequellen. Bekannt geworden ist Cold Brew dann durch Starbucks, die ihn 2015 ins Sortiment genommen haben. Seitdem trinkt ihn der halbe Westen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Punkt, an dem mich der heiße Kaffee im Sommer endgültig genervt hatte, war ungefähr Juli 2023. Seitdem bin ich an Bord.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Schritt-für-Schritt-Anleitung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Du brauchst:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>100 g grob gemahlenen Kaffee (am besten frisch gemahlen, das macht einen Unterschied)</li>



<li>1 Liter kaltes Wasser</li>



<li>Eine Cold-Brew-Kanne mit Sieb-Einsatz, oder ersatzweise zwei Gefäße plus einen Kaffeefilter</li>



<li>12 Stunden Geduld</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Und so geht’s:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Den groben Kaffee in die Kanne füllen, mit dem kalten Wasser auffüllen, einmal kräftig umrühren. Alles muss benetzt sein, kein trockenes Pulver oben drauf.</li>



<li>Deckel drauf, in den Kühlschrank, vergessen.</li>



<li>Am nächsten Morgen das Sieb mit dem Kaffeesatz herausnehmen. Falls Du keine Kanne mit Sieb hast: durch einen Filter in ein zweites Gefäß abgießen.</li>



<li>Fertig. Pur trinken, mit Eiswürfeln, oder mit einem Schuss Milch. Wer möchte, kann ihn mit Soda strecken, was im Hochsommer überraschend gut funktioniert, möchte man kaum glauben.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Im verschlossenen Behälter hält sich Cold Brew ungefähr zehn bis vierzehn Tage und verliert dabei kaum Aroma. Du kannst also größere Mengen ansetzen und über mehrere Tage konsumieren.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="660" height="660" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/cold-brew-coffee-kanne-vienesso-eximum.webp" alt="Cold-Brew-Kanne aus Glas mit Edelstahlsieb zur Zubereitung von kalt extrahiertem Kaffee." class="wp-image-22019" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/cold-brew-coffee-kanne-vienesso-eximum.webp 660w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/cold-brew-coffee-kanne-vienesso-eximum-300x300.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/cold-brew-coffee-kanne-vienesso-eximum-150x150.webp 150w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/cold-brew-coffee-kanne-vienesso-eximum-640x640.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/cold-brew-coffee-kanne-vienesso-eximum-500x500.webp 500w" sizes="auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Drei Dinge, die ich beim Trinken gelernt habe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kann man beim Trinken was lernen? Ja, das geht. Hier das, was ich gelernt habe:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erstens: </strong>Die Brühe hat viel Koffein. Mehr als der normale Filterkaffee. Stiftung Warentest hat das mal nachgemessen und vor sorglosem Konsum gewarnt. Wer zwei Gläser auf nüchternen Magen trinkt, weil er denkt, das sei ja nur kalter Kaffee, hat den Rest des Vormittags Pulsfrequenzen wie nach einer Joggingrunde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Tasse reicht. Zwei sind die Obergrenze. Drei sind eine schlechte Idee.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zweitens:</strong> Der Mahlgrad ist wichtig. Zu fein gemahlen, und der Kaffee wird trüb und enthält Schwebstoffe. Zu grob, und er schmeckt wässrig. Als Faustregel gilt: ungefähr so grob wie Meersalz, nicht wie Sand. Wer einen Mahlgrad-Regler an seiner Mühle hat, stellt ihn auf die zweitgrößte Stufe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Drittens:</strong> Es lohnt sich, guten Kaffee zu nehmen. Cold Brew verzeiht keinen schlechten Kaffee. Bei der heißen Methode überdecken Säure und Bitterstoffe vieles, aber beim Cold Brew schmeckst Du die Bohne so, wie sie wirklich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Bohne nichts taugt, schmeckt der Kaffee nach nichts. Wenn sie gut ist, schmeckt er nach mehr, als der heiße Kaffee jemals herausgeben würde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum ich es im Sommer mache und sonst nicht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Frühling, Herbst und Winter kommt die Bialetti zurück auf den Herd. Im Sommer hat sie Pause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hat nichts mit dem Cold Brew zu tun, sondern mit mir. Ich brauche im Winter den heißen Becher in der Hand, das ist ein Wärme-Ding, ein Stimmungs-Ding, ein <em>Ich-stehe-fünf-Minuten-am-Herd</em>-Ding.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Sommer fehlt mir das nicht. Da reicht ein Glas mit Eiswürfeln und etwas, das ich am Vorabend angesetzt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist es das, was Cold Brew für Männer mittleren Alters tatsächlich macht. Er gibt einem im Sommer ein ähnliches Ritual wie der heiße Kaffee im Winter, ohne dass man sich dafür entscheiden muss, mit kochendem Wasser zu hantieren, wenn draußen 32 Grad sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein Saisonwechsel-Werkzeug, kein Trend. Und ganz ehrlich, es schmeckt einfach.</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Was Cold Brew nicht besser macht</strong><br><br>Rund um Cold Brew kursieren viele Gesundheitsversprechen. Die Forschung liefert dafür bislang jedoch wenig belastbare Belege.<br><br>▪ Nicht nachgewiesen ist, dass Cold Brew grundsätzlich gesünder ist als heißer Kaffee.<br>▪ Ein geringerer Säuregehalt lässt sich nicht für jede Zubereitungsart bestätigen.<br>▪ Einige Untersuchungen fanden sogar höhere Antioxidantienwerte in heiß gebrühtem Kaffee.<br>▪ Cold Brew kann je nach Rezeptur ähnlich viel oder sogar mehr Koffein enthalten als normaler Filterkaffee.<br>▪ Für Menschen mit Bluthochdruck ist vor allem die Koffeinmenge relevant – nicht die Temperatur des Kaffees.<br><br><strong>Fazit:</strong> Cold Brew ist vor allem eine Geschmacks- und Komfortfrage, keine medizinische.</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Zum Schluss</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin nicht der Typ, der seine Trinkgewohnheiten ständig ändert, echt nicht. Ich bin eher der Typ, der seit zwanzig Jahren <a href="https://www.eximum.de/2026/04/25/bloss-ein-t-shirt/" type="post" id="16026">denselben Espresso aus derselben Bialetti macht</a> (das sieht man der Kanne auf den ersten Blick auch an).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zweimal im Jahr, im Juni und im September, gibt es einen Übergang. Die Bialetti kommt vom Herd, die Cold-Brew-Kanne kommt aus dem Schrank. Oder umgekehrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist das ja auch eine Form, das Jahr zu strukturieren. Und vielleicht gar keine so schlechte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Du noch nie Cold Brew gemacht hast und es ausprobieren willst, ist die nächste Hitzewelle ein guter Anlass. Eine Kanne kostet zwischen 20 und 40 Euro, Du brauchst keine Marke, und die Methode ist einfacher, als jedes YouTube-Tutorial es darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pulver rein, Wasser drauf, vergessen. Am nächsten Morgen ist Sommer.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Stiftung Warentest. (2019). Kalte Kaffee-Drinks: Mehr Koffein als in Cola. test.de. <a href="https://www.test.de/Kalte-Kaffee-Drinks-Mehr-Koffein-als-in-Cola-5494186-0/">https://www.test.de/Kalte-Kaffee-Drinks-Mehr-Koffein-als-in-Cola-5494186-0/</a></li>



<li>Specialty Coffee Association. (o. D.). SCA Coffee Standards. <a href="https://sca.coffee/research/coffee-standards">https://sca.coffee/research/coffee-standards</a></li>



<li>Batali, M. E., Lim, L. X., Liang, J., Yeager, S. E., Thompson, A. N., Han, J., Ristenpart, W. D., &amp; Guinard, J.-X. (2022). Sensory analysis of Full Immersion Coffee: Cold Brew is more floral, and less bitter, sour, and rubbery than hot brew. Foods, 11(16), 2440. <a href="https://doi.org/10.3390/foods11162440">https://doi.org/10.3390/foods11162440</a></li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Alle Bilder: Thilo Heffen</li>
</ul>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Rasierhobel kommt mit ins Grab</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/05/22/rasierhobel-kommt-mit-ins-grab/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 11:47:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[KOPFARBEIT]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mein Rasierhobel ist eine Grabbeigabe, mein Füller wird nie ersetzt. Warum man mit fünfundfünfzig endlich weiß, wo man bleiben darf.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eximum.de/2026/05/22/rasierhobel-kommt-mit-ins-grab/">Mein Rasierhobel kommt mit ins Grab</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eximum.de">EXIMUM</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Das hier ist kein Affiliate-Artikel und auch keine Minimalismus-Predigt. Nur die Bestandsaufnahme eines Mannes, der mit fünfundfünfzig bemerkt hat, dass die schönsten Käufe die sind, die man nur einmal macht.</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Die meiste Zeit meines erwachsenen Lebens wollte ich mehr und besser. Leider handelte es sich dabei überwiegend um Dinge. Mehr Technik, mehr Komfort, ein besseres Auto, mehr Auswahl. Zeug halt, das ich, sobald ich es hatte, früher oder später entweder nicht mehr benutzt oder wenig beachtet habe. Ich war ein typischer Konsument. Bis ungefähr 30 sogar einer dieser <em>Early Adopter.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber hey, keine Sorge, das wird jetzt keiner DIESER Artikel. Du weißt schon, einer, der Dir vorbetet, wie toll das Leben als Minimalist ist, der vom Aufstehen um 3 Uhr morgens bis zur Bettzeit um 19 Uhr in einem kahlen Zimmer Nietzsche liest. Weil er auf dem Klo eine Eingebung hatte und anschließend seinen ganzen Krempel wegwarf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genausowenig wird das ein Affiliate-Artikel, der Dir Sachen verkaufen will, damit ich mir mehr von dem Zeug, von dem ich schreibe, leisten kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Du keine Lust zum Lesen hast, kein Thema, ich verkrafte das. Falls doch, na, dann viel Spaß dabei…</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Grabbeigabe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nenne ihn meine Grabbeigabe. Und das meine ich nicht mal ironisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rede von meinem Rasierhobel. Ein Merkur-Rasierhobel C34 mit kurzem Griff, normale Doppelklingen, den ich 2011 bei dem Versandriesen mit dem Namen eines südamerikanischen Flusses bestellt hatte (Du hast doch eben nicht wirklich an den Rio Grande gedacht, oder?). Ich werde das Ding vermutlich bis zum letzten Tag benutzen, und dann hätte ich nichts dagegen, wenn er mit mir verschwindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klingt vielleicht morbide, ist aber das Gegenteil davon. Es ist die Erkenntnis, meine Erkenntnis, dass es Dinge gibt, die in meinem Leben einfach erledigt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sage nicht kaputt. Nicht alt. Erledigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Punkt Rasierer ist abgeschlossen. Ich werde mir nie wieder einen anderen kaufen. Keine Rasierseife, kein Pinsel, keine Klinge wird je wieder in einer Recherche enden müssen mit der Frage, was denn jetzt besser ist. Pinsel und Seife sind Verbrauchsmaterial, und das tausche ich. Aber das Werkzeug selbst, das ist da, wo es sein soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau das ist es, worum es in diesem Artikel eigentlich geht. Nicht um die Produkte.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/rasierhobel-merkur-pinsel-seifenschale-grabbeigabe-1024x683.webp" alt="Verchromter Merkur-Rasierhobel liegt neben einer grünen Seifenschale und einem Naturhaar-Rasierpinsel auf einer weißen Ablage." class="wp-image-21950" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/rasierhobel-merkur-pinsel-seifenschale-grabbeigabe-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/rasierhobel-merkur-pinsel-seifenschale-grabbeigabe-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/rasierhobel-merkur-pinsel-seifenschale-grabbeigabe-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/rasierhobel-merkur-pinsel-seifenschale-grabbeigabe-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/rasierhobel-merkur-pinsel-seifenschale-grabbeigabe-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/rasierhobel-merkur-pinsel-seifenschale-grabbeigabe.webp 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Mit dreißig habe ich überall gesucht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie eingangs schon erwähnt, habe ich mit dreißig ständig nach besseren Lösungen gesucht. Bessere Rasierer, bessere Kopfhörer, bessere Schuhe, bessere Apps. Im <a href="https://www.eximum.de/2026/05/17/warum-maenner-verpackungen-aufheben/">verwandten Artikel über das Aufheben von Verpackungen</a> schreibe ich, was diese Suche eigentlich antreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab immer eine Steigerung, immer ein Upgrade, immer irgendwo ein Forum, in dem irgendwer schrieb, dass das, was Du gerade in der Hand hattest, eigentlich Mist ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ganz ehrlich? Ich suche immer noch. Zum Beispiel baue ich eine neue Website auf, ich lerne, mit KI umzugehen, belege Kurse in Psychologie und ich schreibe Bücher. Mein Berufsleben wird gerade wieder neu erfunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich suche nicht mehr nach Rasierern. Nicht mehr nach Schuhen. Nicht mehr nach Füllern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In bestimmten Bereichen meines Lebens bin ich tatsächlich angekommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der PocketBook</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Früher Kindle, heute PocketBook. Der ursprüngliche Grund war banal: Ich bin jobbedingt viel geflogen und ich hatte wirklich keine Lust auf schwere Bücher im Koffer. Aber der Grund, warum ich auch noch heute, nachdem ich keinen Meter mehr fliegen muss, einen E-Book-Reader nutze, ist ein anderer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich will meine Bücher besitzen. Ich will sie nicht mieten. Und ich will sie nicht auf einer Plattform stehen haben, die mir morgen sagt, dass mein gekauftes Buch jetzt aus dem Sortiment ist und damit aus meinem Gerät. Beim PocketBook bin ich unabhängig. Ich kaufe direkt, ich nutze die Onleihe der Bibliotheken, ich importiere, was ich will, von wo ich will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Romane lese ich meistens digital. Sachbücher gedruckt, weil ich annotiere, Notizen mache, Eselsohren produziere wie früher in der Schule. Und die paar Bücher, die mir wirklich etwas bedeuten – Der Herr der Ringe, Edgar Allan Poe, Sherlock Holmes – stehen weiter im Regal. Die fasse ich gelegentlich an, mehr, als ich sie lese. Auch das ist eine Form von Besitz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Thema Besitz, übrigens, zieht sich auch in die nächsten Beispiele rein.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Musikplayer</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Weißt Du noch, wie geil die Zeiten waren, als Musik, allem voran das HÖREN von Musik, noch was bedeutet hat? Wo man sich nicht vom Hintergrundgedudel einer Streamingplattform bei was-auch-immer-man-gerade-treibt begleiten ließ?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer setzt (oder legt) sich heute noch hin und zieht sich <em>Shine on you crazy diamond part 1</em> von Pink Floyd rein? Ohne gleichzeitig dabei aufs Handy zu glotzen oder sonstwas zu machen? Genau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb habe ich mir den HiFi Walker H2 zugelegt. Und weil er FLAC abspielt. Falls Du keine Ahnung hast, was das ist: FLAC ist ein verlustfrei komprimiertes Audioformat, das eine hohe Klangqualität bietet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spotify nutze ich noch zum Entdecken, aber wenn mir Musik wirklich gefällt, kaufe ich sie. FLAC, eigene Festplatte, eigener Player. Das geht über die heimischen Boxen oder Kopfhörer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich hat sich mein Verhalten seit den Achtzigern gar nicht verändert. Damals war es der Plattenladen, Musik hören, kaufen. Heute ist es Spotify, Musik hören, kaufen. Das Ergebnis ist aber gleich. Musik, die mir gehört.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Blu-Rays</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn wir schon bei den Medien sind: Bei Filmen ist es genau dieselbe Geschichte. Streaming ist großartig, bis ein Film aus dem Katalog verschwindet und Du mit der Erkenntnis dastehst, dass Dein Lieblingsfilm seit zwanzig Jahren nie wirklich Dir gehört hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen kaufe ich Blu-Rays. Gebraucht. Preiswert. Die Hüllen fliegen weg, die Discs kommen in eine Tasche. Die Filme bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Punkte hintereinander, die im Kern dasselbe sagen: Ich will, dass mir das, was mir wichtig ist, gehört. Vielleicht ist das eine Generationsfrage. Vielleicht ist es ein Misstrauen, das mit den Jahren kommt. Oder vielleicht ist es einfach nur die Erinnerung daran, wie es war, etwas in der Hand zu haben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/x17-journal-diplomat-aero-fueller-patina-leder-1024x683.webp" alt="Ledergebundenes X17-Journal in Cognac-Farbe mit deutlichen Gebrauchsspuren, darauf liegt ein schwarzer Diplomat-Aero-Füller." class="wp-image-21948" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/x17-journal-diplomat-aero-fueller-patina-leder-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/x17-journal-diplomat-aero-fueller-patina-leder-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/x17-journal-diplomat-aero-fueller-patina-leder-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/x17-journal-diplomat-aero-fueller-patina-leder-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/x17-journal-diplomat-aero-fueller-patina-leder-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/x17-journal-diplomat-aero-fueller-patina-leder.webp 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Der Diplomat Aero</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich liebe Füller. Deshalb war ich ganz aus dem Häuschen, als mir die Firma Diplomat vor Jahren den Aero auf einer Messe geschenkt hat. Später hat er einen Schaden gehabt, wurde repariert, schreibt seitdem besser als vorher. Er liegt jeden Tag auf meinem Schreibtisch, weil ich ihn jeden Tag benutze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich werde mir keinen anderen Füller kaufen. Nicht weil ich gegen andere Füller etwas hätte. Sondern weil dieser hier fertig ist. Er passt in meine Hand, er hat eine Geschichte, er macht beim Schreiben das richtige Geräusch. Das ist alles, was ein Füller mit fünfundfünfzig liefern muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommt der Kaweco BRASS SPORT. Genau das Gleiche. Schwer, kühl, gut in der Hand. Ich brauche keinen anderen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das X17-Journal</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Buch in A5 mit Lederumschlag, seit Jahren bei mir. Inzwischen voller Patina, Kratzer, dunkler Stellen vom Daumen, von Kaffee, von Regen, von ich-weiß-nicht-was.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schreibe morgens hinein. Tagebuch, oder <em>Journaling</em>, wie man als echter Kerl wohl sagt. Das mache ich nicht für die Nachwelt, sondern einfach nur, damit der Tag eine erste Stunde hat, in der ich denke, statt reagiere. Und mit was schreibe ich? Genau, Du hast es erfasst!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich das X17 sehe, sehe ich Geschichte. Patina ist nicht das, was vom Gegenstand <strong>abgeht</strong>. Patina ist das, was zu ihm <strong>hinzukommt</strong>. Ein Werkzeug, das aussieht wie neu, hat noch nichts gemacht. Eins, das so aussieht wie meins, hat einiges hinter sich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Monsieur Cuisine</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt dort draußen wohl unzählige Menschen, die sich auf beiden Produktseiten den ganzen Tag darüber aufregen könnten, welches Gerät das bessere ist. Ich gebe zu, der Monsieur Cuisine ist kein Thermomix. Dafür kostet er aber auch nur ein Drittel und kann fast alles, was sein großer Bruder im Geiste zu leisten vermag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das ist nicht der eigentliche Punkt. Der Punkt ist: gesund kochen, Meal Prep, weniger Aufwand am Feierabend. Gute Gewohnheiten funktionieren nachweislich besser, wenn die Hürde kleiner wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei mir war die Hürde: <em>Scheiße-jetzt-noch-anderthalb-Stunden-in-der-Küche-stehen</em>. Mit dem Gerät ist sie weg. Manchmal ist das beste Werkzeug halt das, das eine Ausrede unmöglich macht.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Meine Garmin Venu und der Polar H10</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kurzer Rückblick: Vor zwei Jahren hatte ich zwei Herzinfarkte. Der zweite hätte mich fast gehimmelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Moment, in dem ich verstanden habe, dass es so wirklich nicht weitergeht, war nicht im Krankenhausbett. Im Krankenhaus liegt man, da fühlt sich vieles wie ein Missverständnis an, das von selbst vorübergeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Moment kam ein paar Tage nach der Entlassung. Ich wollte spazieren gehen. Nach zweihundert Metern stand ich auf einem Feld und konnte nicht mehr. Echt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich blieb stehen, schaute auf den Weg vor mir, und der einzige klare Gedanke in meinem Kopf war: <em>„Wenn ich hier sterbe, dann verflucht noch mal nicht jetzt und nicht hier auf diesem blöden Acker. Wenn, dann zu Hause.“</em> Ich bin zurückgeschlurft wie ein hundertvierjähriger Mann. Zweihundert Meter hin, zweihundert Meter zurück, eine Stunde gebraucht für eine Strecke, die jeder Yorkshire Terrier in zwei Minuten schafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://heffen.net/maennlichkeit-ab-40-haltung/" type="link" id="https://heffen.net/maennlichkeit-ab-40-haltung/">Danach hat sich vieles verändert.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Uhr ist seitdem kein Gadget mehr. Sie ist ein Werkzeug. Ich messe morgens Herzfrequenzvariabilität, Belastung, Blutdruck. Dabei sind nicht die einzelnen Werte wichtig – die schwanken eh. Wichtig sind die Trends. Die Richtung. Inzwischen merkt die Uhr sogar, wenn eine Krankheit im Anmarsch ist, bevor ich sie merke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dreißig hätte ich das als Hypochonder-Spielerei abgetan. Was für ein Weichei ist schon so übervorsichtig? Mit fünfundfünfzig sehe ich das anders. Kontrolle ist nicht immer schlecht. Manchmal ist sie nur Verantwortung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/red-wing-stiefel-restauriert-leder-patina-gebraucht-683x1024.webp" alt="Ein Paar braune Red-Wing-Lederstiefel mit deutlichen Gebrauchsspuren steht auf grauem Pflaster, die Schnürsenkel teilweise gelöst." class="wp-image-21949" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/red-wing-stiefel-restauriert-leder-patina-gebraucht-683x1024.webp 683w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/red-wing-stiefel-restauriert-leder-patina-gebraucht-200x300.webp 200w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/red-wing-stiefel-restauriert-leder-patina-gebraucht-768x1152.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/red-wing-stiefel-restauriert-leder-patina-gebraucht-640x960.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/red-wing-stiefel-restauriert-leder-patina-gebraucht-333x500.webp 333w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/red-wing-stiefel-restauriert-leder-patina-gebraucht.webp 800w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Künstliche Intelligenz</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Oh ja. KI. Kontroverses Thema, gerade bei Leuten, die ihre Kohle mit Schreiben verdienen. An dieser Stelle ein Geständnis: ChatGPT, Claude, und Perplexity gehören zu meinem täglichen Werkzeug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfangs hatte ich offen gestanden <a href="https://www.eximum.de/2026/05/13/angst-kontrollieren/" type="link" id="https://www.eximum.de/2026/05/13/angst-kontrollieren/">Angst</a>. Ich dachte: Was haben die mit meinem Beruf vor? Heute weiß ich, dass ich nicht überflüssig bin. Aber meine Arbeit ist besser geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nutze KI nicht als Ghostwriter. Und auf keinen Fall lasse ich mir von ihr komplette, fertige Texte schreiben. Das habe ich am Anfang versucht und das ging furchtbar in die Hose. Ich nutze sie als Sparringspartner. Zur Recherche, zum Hinterfragen, zum Nachschärfen von Argumenten. Früher habe ich allein geschrieben. Heute schreibe ich zwar immer noch selbst, aber ich denke nicht mehr allein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist der größte Unterschied zwischen dem Berufs-Mich von vor drei Jahren und heute. Und es ist ein guter.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hemden aus Bangkok</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin 1,85 m groß und wiege 158 kg. Ein neugeborenes Elefantenkalb wiegt zwischen 75 und 150 Kilo. Aber es hat nicht meine breiten Schultern oder meine kräftige Statur. <em>„Du siehst aus wie jemand, der auf einem Berggipfel bei Gewitter mit bloßen Händen gegen einen Grizzly kämpft“</em>, hat leider noch nie jemand zu mir gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Standardgrößen passe ich seit ungefähr zwanzig Jahren nicht mehr rein. Was im Laden hängt, sitzt entweder am Bauch zu eng oder an den Schultern zu weit, oder beides gleichzeitig, was, so betrachtet, ein eigenes Kunststück ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztes Jahr in Bangkok war ich bei einem Kumpel zu Besuch. Dort bekam ich die Empfehlung, mir Hemden schneidern zu lassen. Ein kleiner Laden in einer belebten Seitenstraße der Stadt, geführt von Nepalesen, die total freundlich waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor ich zum Termin ging, habe ich in der Bar gegenüber zwei Sätze auf Nepalesisch gelernt – <em>Hallo</em> und <em>Wie geht’s</em>. Mann, haben die sich gefreut, als ich die im Laden ausgepackt habe. Es gibt diese Momente in fremden Ländern, in denen Du eine winzige Geste machst und plötzlich anders behandelt wirst. Nicht als Tourist, sondern als jemand, der sich zumindest fünf Minuten Mühe gegeben hat. Und das war nicht mal meine Absicht, ich wollte nur freundlich sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seitdem lasse ich dort meine Hemden machen. Demnächst auch Sakkos. Nicht aus Luxus oder aus Status. Und nicht wegen Monogrammen am Kragen oder am Ärmel (ich mag Monogramme nicht). Sondern weil ich ein Hemd bekomme, das passt und ein Hemd ist, das ich fünf Jahre tragen kann. Fünf Hemden vom Fast-Fashion-Anbieter, die bei jeder Wäsche schlechter werden, kosten mich am Ende mehr.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weniger, dafür besser. Das ist eine Formel, die mit dreißig nicht auf meinem Radar war.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Red-Wing-Stiefel von Etsy</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer, zum Teufel, kauft sich eigentlich abgetragene, gebrauchte Schuhe? Die bescheidene Antwort: Ich. Es kommt aber auch drauf an. Ich habe vor ein paar Jahren Arbeitsschuhe aus den Achtzigern aus den USA gekauft. Für elf Dollar, über Etsy. Die waren komplett heruntergerockt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kamen an: das Leder rissig, die Sohle durch, innen leer. Eigentlich Müll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe sie zu meinem Schuster gebracht und gefragt, ob ich die elf Dollar in den Sand gesetzt habe. Er hat die Stiefel in die Hand genommen, das Leder zwischen den Fingern befühlt, einmal nach innen geschaut, und gesagt: „Nö. <em>Wenn ich die fertig habe, halten die noch zehn, zwanzig Jahre.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das hat er gemacht. Neue Vibram-Sohle, neue Innensohle, das Leder gepflegt. Heute sind sie eines meiner liebsten Paar Schuhe. Sie sehen besser aus als alles, was ich je neu gekauft habe. Sie passen besser. Und sie haben eine Geschichte, die nicht bei mir anfängt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Moral dieser Anekdote: Nicht billig kaufen und ständig ersetzen. Einmal richtig kaufen und lange behalten. Und manchmal kannst Du das Richtige sogar gebraucht haben.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignright size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="660" height="660" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/bialetti-moka-express-serbische-tasse-morgenritual.webp" alt="Eine Bialetti Moka-Express-Espressokanne steht auf einem Holztisch im Freien, davor hält eine Hand eine handgemachte braune Keramiktasse, im Vordergrund liegt ein aufgeschlagenes Notizbuch mit handschriftlichen Notizen." class="wp-image-21951" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/bialetti-moka-express-serbische-tasse-morgenritual.webp 660w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/bialetti-moka-express-serbische-tasse-morgenritual-300x300.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/bialetti-moka-express-serbische-tasse-morgenritual-150x150.webp 150w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/bialetti-moka-express-serbische-tasse-morgenritual-640x640.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/bialetti-moka-express-serbische-tasse-morgenritual-500x500.webp 500w" sizes="auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Bialetti und eine serbische Tasse</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine kleine Bialetti-Espressokanne, jeden Morgen auf dem Herd. Kaffee von einer kleinen Rösterei in Limbach-Oberfrohna. Kein Onlineshop, persönlicher Kontakt, frisch gemahlen. Aus einer handgemachten serbischen Tasse getrunken, die ich – tataaa – auch bei Etsy erstanden habe. Für schlappe 50 Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was vollkommen verrückt ist für eine Tasse. Aber sie ist meine Tasse. Und ich rechne in <em>Cost per Usage</em>. Also wie viel mich etwas pro (voraussichtlicher) Nutzung kosten wird. Und da liegt die Tasse bei (wahrscheinlich) 0,013 Euro pro Nutzung. Clever, oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Frau und ich könnten uns morgen einen Vollautomaten in die Küche stellen. Knopfdruck, fertig. Oder einen Siebträger mit Manometer und Display, mit dem ich mich auf YouTube-Tutorials hocharbeite, bis ich Latte Art mache. Beides liegt drin. Wir tun es aber nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das hat nichts mit Geld zu tun, auch nichts mit Prinzipien, und schon gar nichts mit Nostalgie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hat damit zu tun, dass die Bialetti morgens etwas mit mir macht, was ein Vollautomat nicht könnte: Sie zwingt mich, fünf Minuten am Herd zu stehen. Schraubt sich auf, will Wasser, will Pulver, will Hitze, will Geduld. Ich kann in der Zeit nichts anderes tun, was wichtig wäre. Ich kann nur warten, bis das Ding glucksend hochkommt. Achtsamkeit mit Koffein dabei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten modernen Produkte versuchen, jede Reibung zu beseitigen. Schneller, glatter, einfacher, lautloser. Kapsel statt Mahlwerk. Klicken statt Drehen. Streaming statt Suchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber manche Dinge werden gerade durch ihre kleine Reibung wertvoll. Die Bialetti ist umständlicher als jede Maschine. Der Rasierhobel ist langsamer als jeder Systemrasierer. Der Füller ist klobiger als jede Tastatur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber jeder dieser Gegenstände sagt zu mir: <a href="https://www.eximum.de/2026/04/29/aelter-werden-maenner-alltag-soziale-wahrnehmung/" type="post" id="21632">Du musst hier kurz ankommen</a>, bevor Du weitermachst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ein Gedanke zum Schluss</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mir ist aufgefallen, als ich diesen Text schrieb, dass sich diese Liste mit dreißig anders gelesen hätte. Ich hätte gedacht: <em>„Was für ein langweiliger, <a href="https://www.eximum.de/2026/05/11/warum-maenner-ab-40-seltsam-werden/" type="post" id="9143">alter Furz der Typ ist!</a>“</em> Der hat ja gar keine Begeisterung für was Neues, keine Lust mehr auf das nächste Ding. Nur Routinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit fünfundfünfzig lese ich sie anders. Ich sehe darin ein Versprechen, das ich mir selbst gegeben habe: dass nicht jeder Bereich meines Lebens immer wieder durchgesucht werden muss. Dass es Bereiche geben darf, in denen ich angekommen bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das heißt nicht, dass ich aufgehört habe zu suchen. Ich suche immer noch. Eine neue Website, ein neues Buch, neue Themen, neue Fragen. Aber ich suche nicht mehr nach Rasierern. Nicht nach Schuhen. Und nicht nach Füllern. Auch nicht nach dem nächsten Upgrade des nächsten Werkzeugs des nächsten Bereichs meines Lebens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dreißig habe ich überall gesucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit fünfundfünfzig weiß ich, in welchen Bereichen ich <a href="https://heffen.net/maennlichkeit-ab-40-haltung/" type="link" id="https://heffen.net/maennlichkeit-ab-40-haltung/">angekommen</a> bin und in welchen ich <a href="https://heffen.net/warum-einer-anfangen-muss-und-du-das-bist/" type="link" id="https://heffen.net/warum-einer-anfangen-muss-und-du-das-bist/">weitergehe</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein Unterschied, der mit dreißig keinen Sinn ergeben hätte. Jetzt und heute aber schon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vielleicht ist das die eigentliche Antwort darauf, was es heißt, ein bisschen älter zu werden: nicht, dass man aufhört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern, dass man weiß, wo man bleiben darf.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Titelbild: <a href="https://studio-morgenrot.de/" type="link" id="https://studio-morgenrot.de/">Morgenrot Design &amp; Fotografie</a></li>



<li>Alle anderen Bilder: Thilo Heffen</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eximum.de/2026/05/22/rasierhobel-kommt-mit-ins-grab/">Mein Rasierhobel kommt mit ins Grab</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eximum.de">EXIMUM</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Schatz, ich brauche diesen leeren Karton. Wirklich!”</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/05/17/warum-maenner-verpackungen-aufheben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 May 2026 06:24:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[ZEUG]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kartons im Keller, Kabel in der Schublade, und Deine Frau schüttelt den Kopf. Wegwerfen kommt trotzdem nicht in Frage, und die Frage ist: warum eigentlich?</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eximum.de/2026/05/17/warum-maenner-verpackungen-aufheben/">„Schatz, ich brauche diesen leeren Karton. Wirklich!”</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eximum.de">EXIMUM</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Im Büro stapeln sich die Originalkartons. Vom Monitor, vom Fernseher, vom Drucker. Vom Drucker davor. Von einer externen Festplatte, die seit 2019 in einer Schublade liegt. Du weißt längst, dass das absurd ist. Und trotzdem fasst Du das Zeug nicht an. Warum Männer Verpackungen aufheben, obwohl sie wissen, dass das absurd ist, lässt sich erstaunlich gut erklären.</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Eine Geschichte zu dem Thema, die mir eigentlich etwas peinlich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang der 2000er habe ich ein Siemens-Handy geschenkt bekommen. Es war zwar ein schickes Gerät, aber ich hatte es nicht gebraucht. Also wollte ich es verkaufen. Damals war eBay DER Marktplatz dafür. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man Geräte mit Originalverpackungen für mehr Geld verkaufen könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit stand mein genialer Plan: Ich würde mir auf eBay eine Verpackung für das Ding kaufen und es im Anschluss für gutes Geld verkaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also gehe ich auf eBay. Tatsächlich, da bietet wirklich einer eine leere Siemens-Verpackung an. Startpreis unter einem Euro. Klasse! <em>„Das Ding gehört mir!“</em>, fährt es mir durch den Kopf. Ich biete mit. Der andere bietet zurück. Und wie das so oft der Fall auf dieser Plattform war, treiben wir uns gegenseitig hoch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ziemlich dämlich, ich weiß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei zwölf Euro werde ich nachdenklich. Bei zwanzig denke ich mir: <em>„Jetzt erst recht, Du Kasper!”</em> Bei über FÜNFUNDZWANZIG EURO bekomme ich den Zuschlag. Für einen leeren Pappkarton! Das war etwa so viel, wie ich für das ganze verdammte Handy bekommen hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum habe ich das getan?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehrlich gesagt: Ab Euro fünfzehn ging es gar nicht mehr wirklich um den Karton. Es ging um den anderen Typen. Es ging darum, <em>nicht zu verlieren</em>. Aufgeben wäre schlimmer gewesen als überzahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Verkäufer war echt in Ordnung. Er war wohl von der offensichtlichen Dummheit am anderen Ende des Bieterkampfes ziemlich überrascht und schrieb mir deshalb gleich im Anschluss: „Mann, das ist ja nur ein Karton, das musst Du nicht zahlen.“ Musste ich nicht, habe ich trotzdem überwiesen. Ehrensache. Wer bietet, der zahlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals dachte ich, ich sei der einzige Bekloppte im Umkreis von mehreren hundert Kilometern mit so einer Geschichte. Heute weiß ich: Ich bin Statistik.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/originalverpackung-aufheben-paket-auspacken-1024x683.webp" alt="Hände wühlen in einem geöffneten Pappkarton, der auf einem Holztisch steht." class="wp-image-21915" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/originalverpackung-aufheben-paket-auspacken-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/originalverpackung-aufheben-paket-auspacken-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/originalverpackung-aufheben-paket-auspacken-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/originalverpackung-aufheben-paket-auspacken-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/originalverpackung-aufheben-paket-auspacken-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/originalverpackung-aufheben-paket-auspacken.webp 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Das Verpackungsproblem hat einen Namen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich mehrere. Der schönste heißt <strong>Endowment Effect</strong> – auf Deutsch <em>Besitztumseffekt</em>. Daniel Kahneman und Kollegen haben in den späten Achtzigern gezeigt: Sobald wir etwas besitzen, schätzen wir seinen Wert höher ein, als wenn wir es kaufen müssten. Gilt für Kaffeetassen. Gilt für Konzertkarten. Und das gilt offenbar auch für leere Siemens-Schachteln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommt die <em>Verlustaversion</em>. Wegwerfen fühlt sich für uns wie ein Verlust an, behalten fühlt sich wie nichts an. Das Gehirn wählt die einfachere Variante. In meinem Fall kam die einfachere Variante ein paar Tage später mit der Post.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soweit die Theorie. Was sie nicht erklärt, ist das eigentlich Interessante: nämlich das leise schlechte Gewissen jedes Mal, wenn man auf die Menge an Kartons und leeren Boxen starrt.</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Warum Wegwerfen schwerer ist als Behalten</strong><br><br>Psychologen kennen dafür einen Begriff: <a href="https://www.konversionskraft.de/behavior-patterns/behavioral-pattern-status-quo-bias">Status-quo-Bias</a>. Klingt sperrig, meint aber etwas ziemlich Banales – die menschliche Neigung, lieber alles so zu lassen, wie es ist. Selbst dann, wenn eine Veränderung eigentlich vernünftig wäre.<br><br>Deshalb fällt es vielen leichter, einen Karton fünf Jahre lang aufzuheben, als ihn heute Abend in die Papiertonne zu werfen. Nicht weil der Karton wertvoll wäre. Sondern weil Wegwerfen eine Entscheidung ist. Und Nichtstun eben keine.</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">„Ich brauche das vielleicht noch“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist die Stelle, an der die Partnerin meistens den Kopf schüttelt. Verständlicherweise. Denn aus ihrer Sicht ist die Verpackung des 2019er Druckers schlicht ein leerer Karton. Aus Deiner Sicht ist sie eine Option.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber genau das ist der Unterschied. Wir Männer behalten Dinge nicht, <strong>weil</strong> wir wissen, dass wir sie brauchen werden. Wir behalten sie, weil wir <strong>eben nicht</strong> wissen, ob wir sie noch einmal brauchen werden. Und solange diese Unsicherheit existiert, ist Behalten einfach die sichere Wette.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kabelkiste ist das Meisterwerk dieser Logik. In meiner liegen, geschätzt, vier Micro-USB-Kabel, zwei USB-A-auf-USB-A (warum eigentlich? DAS muss ich mal rausfinden!), ein S-Video-Kabel (für was?), drei Ladegeräte für Geräte, die ich nicht mehr besitze, und ein einzelnes Displayport-Kabel, das ich seit Wochen suche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kiste ist nutzlos. Bis sie das einzig Nützliche im Haus ist. Genau einmal im Jahr. Oder einmal in zwei Jahren. Aber dann.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="683" height="1024" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/kabelkiste-maenner-elektronik-zubehoer-683x1024.webp" alt="Ausgebreiteter Haufen aus Ladegeräten, Adaptern, Kopfhörern und Kabeln auf einem Holzfußboden." class="wp-image-21917" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/kabelkiste-maenner-elektronik-zubehoer-683x1024.webp 683w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/kabelkiste-maenner-elektronik-zubehoer-200x300.webp 200w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/kabelkiste-maenner-elektronik-zubehoer-768x1152.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/kabelkiste-maenner-elektronik-zubehoer-640x960.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/kabelkiste-maenner-elektronik-zubehoer-333x500.webp 333w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/kabelkiste-maenner-elektronik-zubehoer.webp 800w" sizes="auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Die 80er haben uns geprägt</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.eximum.de/2026/05/11/warum-maenner-ab-40-seltsam-werden/" type="post" id="9143">Wer in den Achtzigern und Neunzigern groß geworden ist</a>, hat ein anderes Verhältnis zu Technik als jemand, der mit dem iPhone aufgewachsen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein erster tragbarer CD-Player war ein Geburtstagsgeschenk. Ich habe drei Wochen auf eine CD von <em>The Sisters of Mercy</em> gespart. Der Game Boy meines Freundes war ein Heiligtum, das man nur mit gewaschenen Händen anfassen durfte. Das Nokia 3210 später: ein Statussymbol, monatelang angespart, in jeder Pause stolz auf den Tisch gelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Technik war damals etwas, <a href="https://www.eximum.de/2026/04/29/aelter-werden-maenner-alltag-soziale-wahrnehmung/" type="post" id="21632">das man sich erarbeitet hat</a>. Nicht etwas, das alle zwei Jahre ersetzt wird. Sie war teuer, knapp, sie war besonders. Und die Verpackung war Teil davon. Der Beleg, dass es sich um echte, vollständige, neue Ware handelte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute hebst Du sie auf und reaktivierst, ohne es zu merken, dieses kleine Gefühl von früher: Das war mal etwas Wertvolles. Vielleicht ist es das immer noch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spoiler: Ist es meistens gar nicht. Aber das Gefühl bleibt eben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Männer und Dinge</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hier wird es kurz heikel, aber egal. <a href="https://www.eximum.de/2026/05/11/warum-maenner-ab-40-seltsam-werden/" type="post" id="9143">Männer definieren sich häufiger über Dinge und technische Systeme</a>. Über das, was sie eingerichtet und repariert oder modifiziert haben. Und ein Gerät, an dem Du herumgeschraubt hast, ist nicht mehr nur ein Gerät. Es ist ein bisschen DU. Und mit ihm sein Zubehör. Und mit dem Zubehör seine Verpackung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Bekannte hat mir mal erzählt, sie habe beim Umzug die komplette Kabelschublade ihres Mannes heimlich entsorgt. Drei Tage später fragte er, wo das Ding mit den Steckern sei. Sie habe so getan, als wisse sie nichts. Er habe drei Wochen lang gesucht. Sie hat es ihm bis heute nicht gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lustig ist die Geschichte, weil sie wahr ist. Traurig ist sie, weil er die Kiste vermutlich nicht wegen der Kabel vermisst hat. Sondern wegen dem, was sie für ihn bedeutet hat, nämlich eine Versicherung. Eine Box voller potenzieller Problemlösungen für ein Problem, das vielleicht nie kommt.</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Die Kabelkiste ist kein Zufall</strong><br><br>Forscher sprechen von <a href="https://www.bps.org.uk/psychologist/psychology-stuff-and-things">Attachment to Possessions</a> – einer emotionalen Bindung an Gegenstände. Und dabei geht es selten um den materiellen Wert. Ein altes Kabel ist nichts wert. Ein Adapter erst recht nicht.<br><br>Aber so ein Ding erinnert eben oft an eine Situation, in der man ein Problem gelöst hat. An den Moment, in dem der Drucker plötzlich wieder lief, weil man genau dieses eine Kabel noch irgendwo hatte. Solche Dinge werden zu kleinen Symbolen für Kompetenz und Selbstständigkeit.<br><br>Deshalb fällt das Wegwerfen oft schwerer, als es logisch betrachtet sein müsste.</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Irgendwann wird’s Quatsch</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es einen Punkt, an dem die Sache aus dem Ruder läuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn die Grenze verläuft nicht zwischen ordentlich und chaotisch. Sie verläuft zwischen klarem Nutzen und vager Sicherheitsphantasie. Den 65-Zoll-Fernseherkarton aufzuheben, weil ein Umzug in drei Jahren ansteht, ist klarer Nutzen. Den Karton des 2014er Druckers aufzuheben, weil <em>„man ja nie weiß“</em>, ist nichts weiter als eine Sicherheitsphantasie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Okay, ich gestehe an dieser Stelle, dass bei mir Originalverpackungen für so ziemlich jedes Gerät stehen, das wir gerade nutzen. Der Monitor allein – einer dieser unanständig großen – nimmt eine halbe Wand weg. Der Fernseherkarton gleich daneben. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich, dass mindestens die Hälfte davon Sicherheitsphantasie ist. Und trotzdem steht sie da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt inzwischen zwei Fragen, die mir helfen, bevor ein Karton oben landet:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li><strong>Werde ich dieses Gerät verkaufen, und wenn ja, wann?</strong> „Irgendwann“ zählt nicht. „In zwei Jahren beim nächsten Modellwechsel“ zählt.</li>



<li><strong>Ziehe ich realistisch innerhalb der nächsten drei Jahre um?</strong> Wenn nein, kann der Karton weg. Wenn ja, darf er bleiben.</li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph">Alles, was beide Fragen nicht mit Ja beantwortet, ist Sicherheitsphantasie. Was bei mir nicht heißt, dass ich den Karton dann auch wegwerfe. Aber es heißt, dass ich beim Vorbeigehen wenigstens weiß, was ich da eigentlich tue.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Worum es eigentlich geht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ich mache mir die Hosen nicht mit der Kneifzange zu, ich weiß, dass eine Verpackung Müll ist. Pappe, Schaumstoff, ein bisschen Plastik. Sobald das Gerät draußen ist, ist die Funktion erfüllt. Fertig. Aus. Basta.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber sie ist eben auch ein Versprechen. Dass dieses Gerät theoretisch in seinen Ursprungszustand zurückversetzt werden kann. Komplett. Mit Anleitung, Zubehör, Schaumstoffeinlage. Sie ist die physische Möglichkeit, etwas rückgängig zu machen, sei es einen Kauf, vielleicht einen Umzug oder eine Entscheidung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vermutlich liegt da der eigentliche Punkt. <a href="https://heffen.net/maennlichkeit-ab-40-haltung/">Vielleicht geht es bei den Kartons gar nicht um die Kartons selbst</a>. Sondern darum, dass Männer schlecht damit umgehen können, wenn Entscheidungen endgültig sind. Solange der Karton da ist, ist auch nichts ganz endgültig. Jedenfalls fühlt es sich so an.</p>



<div class="wp-block-group eximum-faq-box has-sm-light-primary-background-color has-background"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Häufig gestellte Fragen</strong></h3>



<div class="schema-faq wp-block-yoast-faq-block"><div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346176425"><strong class="schema-faq-question"><strong>Wie lange sollte man Originalverpackungen wirklich aufheben?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Bei größeren Anschaffungen mindestens für die Garantiezeit, das sind in der Regel zwei Jahre. Bei Geräten, die Du innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre weiterverkaufen oder transportieren willst, lohnt sich das Aufheben tatsächlich. Alles darüber hinaus ist meistens Selbstbetrug.</p> </div> <div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346186008"><strong class="schema-faq-question"><strong>Bringt Originalverpackung beim Wiederverkauf mehr Geld?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Ja, aber meistens weniger, als Du denkst. Bei hochpreisiger Elektronik wie Grafikkarten, Spielkonsolen, Kameras oder hochwertigen Kopfhörern kann sie zehn bis zwanzig Prozent ausmachen. Bei Standardware wie Druckern oder Routern interessiert sie praktisch niemanden mehr nach zwei Jahren.</p> </div> <div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346196345"><strong class="schema-faq-question"><strong>Warum fällt das Wegwerfen so schwer?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Weil Wegwerfen unwiderruflich ist und Behalten nicht. Die psychologische Asymmetrie zwischen Verlust und Verzicht macht es einfacher, eine Entscheidung aufzuschieben, als sie zu treffen. Solange der Karton oben steht, musst Du nicht entscheiden. Das ist der eigentliche Reiz.</p> </div> <div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346206874"><strong class="schema-faq-question"><strong>Ist es ein Problem, wenn der ganze Keller voller Verpackungen ist?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Wenn der Keller einen anderen Zweck nicht mehr erfüllen kann oder wenn Du beim Wort <em>Keller</em> anfängst, Dich unwohl zu fühlen, ja. Ansonsten: Lass die Kirche im Dorf. Eine Schublade voller Kabel ist kein Charakterfehler.</p> </div> </div>
</div></div>



<h2 class="wp-block-heading">Zum Schluss</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Männer sind in dieser Sache nicht das Problem, jedenfalls nicht in der Mehrheit. Wir halten nicht aus Schlamperei an Kabeln und Kartons fest, sondern aus einer eigenen Form von Vorsorge. Wir bauen uns kleine <a href="https://www.eximum.de/2026/05/22/rasierhobel-kommt-mit-ins-grab/" type="link" id="https://www.eximum.de/2026/05/22/rasierhobel-kommt-mit-ins-grab/">Infrastrukturen</a> der Selbstberuhigung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist okay, solange eine Infrastruktur auch irgendwann genutzt wird. Sonst wird sie zum Lager. Und Lager schauen einen jedes Mal an, wenn man oben ins Büro geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Siemens-Karton übrigens: Den habe ich am Ende behalten. Das Handy ist längst weg. Den Karton hatte ich noch ein paar Jahre, bis zum nächsten Umzug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht steckt da mehr dahinter, als uns lieb ist. Und ehrlich gesagt reicht es mir gerade, das einfach mal zu sagen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Kahneman, D., Knetsch, J. L., &amp; Thaler, R. H. (1991). Anomalies: The endowment effect, loss aversion, and status quo bias. <em>Journal of Economic Perspectives, 5</em>(1), 193–206. <a href="https://doi.org/10.1257/jep.5.1.193">https://doi.org/10.1257/jep.5.1.193</a></li>



<li>Kahneman, D., &amp; Tversky, A. (1979). Prospect theory: An analysis of decision under risk. <em>Econometrica, 47</em>(2), 263–291. <a href="https://doi.org/10.2307/1914185">https://doi.org/10.2307/1914185</a></li>



<li>Kleine, S. S., &amp; Baker, S. M. (2004). An integrative review of material possession attachment. <em>Academy of Marketing Science Review, 2004</em>(1), 1–39.</li>



<li>Morewedge, C. K., &amp; Giblin, C. E. (2015). Explanations of the endowment effect: An integrative review. <em>Trends in Cognitive Sciences, 19</em>(6), 339–348. <a href="https://doi.org/10.1016/j.tics.2015.04.004">https://doi.org/10.1016/j.tics.2015.04.004</a></li>



<li>Samuelson, W., &amp; Zeckhauser, R. (1988). Status quo bias in decision making. <em>Journal of Risk and Uncertainty, 1</em>(1), 7–59. <a href="https://doi.org/10.1007/BF00055564">https://doi.org/10.1007/BF00055564</a></li>



<li>The Decision Lab. (n.d.). <em>Why do we value items more if they belong to us? The endowment effect, explained.</em> <a href="https://thedecisionlab.com/biases/endowment-effect">https://thedecisionlab.com/biases/endowment-effect</a></li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Titelbild: cottonbro studio/Pexels</li>



<li>Bild 1: Vladislovas Sketerskis/Pexels</li>



<li>Bild 2: Hana Brannigan/Pexels</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eximum.de/2026/05/17/warum-maenner-verpackungen-aufheben/">„Schatz, ich brauche diesen leeren Karton. Wirklich!”</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eximum.de">EXIMUM</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wer schreibt Dir eigentlich?</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/05/15/eximum-newsletter-bald/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 May 2026 09:50:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Newsletter]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Newsletter für Männer ab der Lebensmitte. Alle paar Wochen. Keine Lifehacks, keine Sixpack-Tipps, keine Zehn-Punkte-Pläne.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
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Stattdessen: Hauptartikel zum Mitdenken, Funde der Woche, gelegentlich eine Empfehlung. Und manchmal ein Gedanke, der hängen bleibt.</p>

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			</item>
		<item>
		<title>Was ein Türsteher, ein Kampfpilot und Thomas Shelby gemeinsam haben</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/05/13/angst-kontrollieren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[KOPFARBEIT]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.eximum.de/?p=16205</guid>

					<description><![CDATA[<p>Halb drei nachts, drei Typen an der Tankstelle. Angst ist nicht das Problem, die Frage ist, ob Du unter Druck funktionierst oder zusammenbrichst.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eximum.de/2026/05/13/angst-kontrollieren/">Was ein Türsteher, ein Kampfpilot und Thomas Shelby gemeinsam haben</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eximum.de">EXIMUM</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Angst ist nicht das Problem. Du bist nicht der erste Mann, dem in einem entscheidenden Moment die Beine weich werden, ehrlich nicht. Das Problem ist, dass Dir nie jemand beigebracht hat, was Du in diesem Moment tun sollst. Hier sind drei Werkzeuge, die wirklich helfen. Aus der Praxis von Türstehern, Soldaten und einer Figur namens Thomas Shelby.</strong></p>



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<h2 class="wp-block-heading">Halb drei nachts, drei Typen, eine Tankstelle</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht stehst Du um halb drei nachts vor einer Tankstelle und drei Typen schauen Dich an, als wäre Dein Gesicht eine Speisekarte. Vielleicht sitzt Du an der Ampel und der Fahrer hinter Dir steigt aus, mit roten Augen und einer Eisenstange in der Hand. Vielleicht ist es harmloser: Das Meeting in zehn Minuten, vor dem Vorstand, und Dein Magen verzieht sich, als hätte ihn jemand verknotet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was passiert dann in Dir? Das Herz schlägt schneller. Die Atmung wird flach. Die Gedanken fahren auf zwei Schienen gleichzeitig: <em>„Was zur Hölle mache ich jetzt?“</em> und <em>„Bitte, dass das aufhört.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Willkommen in der Werkstatt der Evolution. Dein Körper macht genau das, wofür er gebaut wurde. Das Problem ist nur: Er macht es in der falschen Welt.</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Tiefer einsteigen</strong><br><br>Diese drei Werkzeuge sind die taktische Ebene. Die größere Frage dahinter ist Resilienz: Was hält Dich aufrecht, wenn alles in Dir nein sagt?<br><br>Darüber schreibe ich auf heffen.net im Cornerstone<a href="https://heffen.net/resilienz-das-kleine-ja-das-nach-dem-grossen-nein-kommt/"> Resilienz: Das kleine Ja, das nach dem großen Nein kommt</a>. Dort findest Du den Rahmen, in dem diese Werkzeuge wirklich greifen.</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Dein Gehirn kämpft noch gegen den Säbelzahntiger</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vor 50.000 Jahren hat Dein Vor-Vor-Vor-Vor-Großvater nicht überlebt, weil er charmant war. Er hat überlebt, weil sein Gehirn binnen Millisekunden entschieden hat: bleiben, fliehen oder zuschlagen. Adrenalin rauf, Sauerstoff in die Muskeln, Verdauung aus, Augen weit auf. Boom. Bereit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Programm läuft heute immer noch. Es weiß nur nicht, dass es zwischen einem Säbelzahntiger und einem Quartalsbericht unterscheiden soll. Für Dein Stammhirn ist beides dieselbe Bedrohung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe das früh gelernt. Mit neunzehn habe ich in meiner Heimatstadt in einem Club an der Tür gearbeitet, in dem ein, sagen wir, gemischtes Publikum verkehrte: französisches Militär, amerikanisches Militär, Halbkriminelle, Sinti und Roma, Prostituierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab dort wenig ruhige Nächte. Aber es gab Nächte, in denen ich Leute rausziehen musste, während neben mir ein Aschenbecher durch die Luft flog. Nächte mit kaputten Gläsern, mit gezogenen Messern, mehr als einmal mit einer Pistole. Einmal wurde direkt neben mir jemand niedergestochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich dort gelernt habe: Die Angst wirst Du nicht los. Vergiss es. Männer ohne Angst sind entweder Idioten oder Psychopathen, und beides sind keine erstrebenswerten Kategorien, oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Du aber lernen kannst, ist, i<a href="https://www.eximum.de/2026/05/11/warum-maenner-ab-40-seltsam-werden/">n der Angst zu handeln</a>. Das ist der Unterschied zwischen einem Mann, der unter Druck auseinanderfällt, und einem, der unter Druck funktioniert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau das macht Thomas Shelby in Peaky Blinders so faszinierend. Er ist nicht angstfrei. Das siehst Du ihm an, in den Augen, in der Mikrosekunde vor seiner Reaktion. Aber er hat Werkzeuge. Drei davon kannst Du Dir aneignen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/dunkle-gasse-wachsamkeit-cooper-color-code-1024x683.webp" alt="Person steht nachts in einer dunklen Gasse und beobachtet aufmerksam die Umgebung." class="wp-image-21893" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/dunkle-gasse-wachsamkeit-cooper-color-code-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/dunkle-gasse-wachsamkeit-cooper-color-code-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/dunkle-gasse-wachsamkeit-cooper-color-code-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/dunkle-gasse-wachsamkeit-cooper-color-code-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/dunkle-gasse-wachsamkeit-cooper-color-code-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/dunkle-gasse-wachsamkeit-cooper-color-code.webp 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Werkzeug 1: Denken wie ein Kampfpilot – in vier Sekunden</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein US-Air-Force-Oberst namens <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/John_Boyd_(military_strategist)">John Boyd</a> hat in den Sechzigern beobachtet, wie Kampfpiloten Entscheidungen treffen, wenn sie keine Zeit zum Nachdenken haben. <a href="https://fs.blog/ooda-loop/">Das Ergebnis heißt OODA</a>: <strong>Observe, Orient, Decide, Act</strong>. Beobachten, Orientieren, Entscheiden, Handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klingt nach Lehrbuch, ist aber das wertvollste mentale Modell, das ich kenne.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Beobachten:</strong> Was passiert hier wirklich? Nicht: Was fühle ich? Sondern: Was sehe ich? Wer ist im Raum? Wo sind die Hände? Was liegt auf dem Tisch? Wie ist die Atmosphäre?</li>



<li><strong>Orientieren:</strong> Was bedeutet das? Hier kommen Deine Erfahrung, Deine Werte, Dein Bauchgefühl ins Spiel. Die wichtigste Stufe, weil hier die Verzerrung passiert. Wer hier panikt, sieht überall Bedrohung. Wer hier abgeklärt ist, sieht Optionen.</li>



<li><strong>Entscheiden:</strong> Eine Option wählen. Egal welche, aber wählen. Nicht stehen bleiben.</li>



<li><strong>Handeln:</strong> Tun. Sofort. Und dann von vorn.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Wer schneller durch die Schleife kommt, kontrolliert die Situation. Das galt für Boyds Kampfpiloten und das gilt im Vorstand, im Streit mit dem Nachbarn, in der dunklen Gasse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine eigene Lektion in OODA habe ich bekommen, als ich noch nichts von OODA wusste. Während meiner Unteroffiziersvorausbildung haben wir bei einer Übung ein amerikanisches Feldlager „überfallen“. Obwohl überfallen zu viel gesagt ist – eigentlich wollten wir paar Mann (sieben brave Bundeswehrsoldaten mit Platzpatronen und Mündungsfeuerdämpfer auf dem G3) nur ein bisschen Trassierband in eines der Tarnnetze knüpfen, mit denen die Fahrzeuge der US-Armee am Rand des Lagers abgetarnt waren. <em>Bundeswehr was here!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ging in die Hose. Massiv. Wir wurden von einer Streife erwischt. Einer Streife mit scharfer Munition in den Waffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Innerhalb von Sekunden lag ich am Boden und schaute zum ersten Mal in meinem Leben in den Lauf eines AR-15. Mein Stammhirn war überzeugt und teilte mir dröhnend mit: Jetzt stirbst Du.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich danach gelernt habe, nachdem das Zittern endlich vorbei war: Ohne Beobachtung gibt es keine Orientierung. Ohne Orientierung keine Entscheidung. Wer nur reagiert, verliert. Wir hatten uns auf eine fixe Idee konzentriert und vergessen, dass jeder Angriff Konsequenzen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klassischer OODA-Fehler.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Werkzeug 2: Der Notausschalter, den niemand sieht</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hier ist der Trick, den niemand auf dem Schirm hat: Dein Nervensystem kannst Du nicht direkt steuern. Du kannst es aber indirekt steuern – über die Atmung. Das ist die einzige autonome Körperfunktion, auf die Du direkten Zugriff hast.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Boxatmung als Schritt-für-Schritt-Anleitung:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Vier Sekunden einatmen, durch die Nase, tief in den Bauch, nicht in die Brust</li>



<li>Vier Sekunden halten, Stillstand</li>



<li>Vier Sekunden ausatmen, durch den Mund, langsam</li>



<li>Vier Sekunden halten, wieder Stillstand</li>



<li>Drei bis vier Runden, mehr nicht</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Das reicht, um Deinen Parasympathikus zu aktivieren – also jenen Teil Deines Nervensystems, der für Erholung und Beruhigung zuständig ist. Du fühlst, wie der Puls runtergeht, wie die Schultern nachgeben. Wie die Welt einen Tick langsamer wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Stanford-Studie aus 2023 hat über einen Monat verglichen, was kurze Atemübungen tatsächlich bringen. Schon fünf Minuten täglich senkten die Atemfrequenz messbar und besserten die Stimmung deutlicher als klassische Achtsamkeitsmeditation. <a href="https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9873947/">Boxatmung war eine der drei getesteten Techniken</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://time.com/4316151/breathing-technique-navy-seal-calm-focused/">Navy SEALs benutzen das vor Einsätzen</a>. Polizisten in Geiselsituationen. Spitzensportler vor dem Wettkampf. Du kannst es vor dem Meeting benutzen, in der Schlange beim Elternsprechtag oder eben tatsächlich an der Tankstelle, wenn jemand komisch guckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Beste daran: Niemand sieht, dass Du es tust. Du stehst da, atmest, und wirst innerhalb einer Minute zu einem anderen Mann. Nicht furchtloser, aber um einiges funktionsfähiger. In meinem Buch <em>THE MANUAL I – Resilienz</em> habe ich mich eingehender mit Box Breathing <a href="https://heffen.net/the-manual/">und anderen Techniken zur Stärkung der Resilienz</a> befasst.</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Sieben Tage, drei Wecker – die einfachste Übung Deines Lebens<br><br>Setz Dir einen Wecker, dreimal pro Tag, zu zufälligen Zeiten. Wenn er klingelt, mach drei Dinge:<br><br>▪ Schau ehrlich nach, wo Du gerade in der Cooper-Skala bist<br>▪ Beschreibe in einem Satz, was um Dich herum passiert<br>▪ Atme einmal Boxatmung durch, vier Runden, knapp eine Minute<br><br>Eine Woche reicht. Du wirst merken, wie sehr Du vorher im Weißbereich gelebt hast. Und wie viel Du eigentlich verpasst.</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Werkzeug 3: Warum die meisten Männer im falschen Modus leben</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein US-Marine namens <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jeff_Cooper">Jeff Cooper</a> hat in den Siebzigern ein einfaches Modell entwickelt, das jeder Türsteher, Polizist und Bodyguard kennt. Es heißt <a href="https://www.police1.com/police-trainers/articles/coopers-colors-a-simple-system-for-situational-awareness-Np1Ni2TbRj9EkGUN/"><strong>Color Code</strong></a>:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Weiß:</strong> Totale Unaufmerksamkeit. Handy in der Hand, Kopfhörer auf, völlig in Gedanken. Hier passieren die schlimmsten Dinge, weil Du sie nicht kommen siehst.</li>



<li><strong>Gelb:</strong> Entspannte Wachsamkeit. Du registrierst, was um Dich herum passiert, ohne paranoid zu sein. Wer ist im Raum? Wo sind die Ausgänge? Welche Stimmung hat die Gruppe am Nebentisch? In diesem Modus solltest Du als erwachsener Mann den größten Teil des Tages verbringen.</li>



<li><strong>Orange:</strong> Spezifische Aufmerksamkeit. Etwas Konkretes ist Dir aufgefallen. Der Typ an der Bar guckt komisch. Der Fahrer neben Dir schreit ins Telefon. Du beobachtest, Du planst, Du bist noch nicht in Aktion, aber bereit.</li>



<li><strong>Rot:</strong> Aktion. Das Ding ist da. Du tust, was Du tun musst.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten Männer leben im Weißbereich und springen direkt nach Rot, wenn etwas passiert. Genau dort entsteht Panik. Wer es schafft, dauerhaft in Gelb zu leben, wird kaum überrascht. Und falls doch, hat er einen viel kürzeren Weg in den Handlungsmodus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In meinen Club-Nächten hatte ich nie eine andere Wahl als Gelb. Wer dort in Weiß stand, hatte spätestens nach drei Wochen eine Narbe im Gesicht. Wer in Gelb stand, sah die Schlägerei zwei Minuten kommen und konnte sie auflösen, bevor das erste Glas zerbrochen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gleiche Prinzip funktioniert im Büro, im Restaurant, auf der Straße. Es ist eine Haltung. <a href="https://www.eximum.de/2026/04/29/aelter-werden-maenner-alltag-soziale-wahrnehmung/">Kopf hoch, Schultern locker, Augen offen, Handy in der Tasche</a>. Mehr nicht. Aber das verändert alles.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/mann-unter-druck-kontrolle-angst-1024x683.webp" alt="Nachdenklicher Mann im dunklen Mantel mit ernster Mimik in ruhiger, angespannter Atmosphäre." class="wp-image-21891" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/mann-unter-druck-kontrolle-angst-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/mann-unter-druck-kontrolle-angst-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/mann-unter-druck-kontrolle-angst-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/mann-unter-druck-kontrolle-angst-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/mann-unter-druck-kontrolle-angst-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/mann-unter-druck-kontrolle-angst.webp 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Der absurde Satz, der Schlägereien verhindert</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt noch einen Trick, den ich aus der Türsteher-Zeit mitgenommen habe und der in zivilen Konflikten Gold wert ist: die <strong>State-Breaking-Frage</strong>. Wenn ein Gespräch kippt oder jemand laut wird – vielleicht der Nachbar im Gartenstreit hochgeht – dann wirf eine Frage in den Raum, die mit dem Thema absolut nichts zu tun hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Sag mal, fährst Du den 3er-BMW da unten?“ „Wo hast Du diese Uhr her?“ „Hast Du gestern das Spiel gesehen?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klingt völlig absurd, ich weiß, aber es funktioniert. In der Hirnforschung kennt man das Phänomen unter dem Namen <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Amygdala_hijack">Amygdala-Hijack</a>, geprägt vom Psychologen Daniel Goleman. Wenn jemand wütend wird, <a href="https://www.eximum.de/2026/05/06/warum-du-deine-ex-nicht-zurueckwillst/">übernimmt ein älterer Hirnbereich die Kontrolle</a> und schaltet das rationale Denken praktisch ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine unerwartete Frage – Psychologen nennen das einen <a href="https://blog.hubspot.com/sales/pattern-interrupt">Pattern Interrupt</a> – zwingt das Gehirn, kurz wieder rational zu arbeiten. Genau in diesem Moment kippt die Eskalation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesen drei Sekunden kannst Du den Tonfall ändern, die Distanz wahren, die Situation deeskalieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe damit ganze Schlägereien verhindert. Funktioniert auch im Büro. Und in der Ehe. Besonders in der Ehe.</p>



<div class="wp-block-group eximum-faq-box has-background" style="background-color:#faf6f0"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Häufig gestellte Fragen</strong></h3>



<div class="schema-faq wp-block-yoast-faq-block"><div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346176425"><strong class="schema-faq-question"><strong>Kann ich Angst überhaupt loswerden?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Nein. Und das ist eine gute Nachricht. Angst ist ein Überlebensmechanismus, der Dir das Leben rettet, wenn Du nicht aufpasst. Was Du loswerden kannst, ist die <em>Lähmung</em> in der Angst. Das ist ein riesiger Unterschied. Angstfreie Männer sind entweder Lügner oder klinische Fälle.</p> </div> <div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346186008"><strong class="schema-faq-question"><strong>Funktioniert die Boxatmung wirklich, oder ist das Esoterik?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Reine Physiologie. Vier Sekunden ein, vier halten, vier aus, vier halten – das aktiviert messbar den Parasympathikus und senkt den Puls. Wird von Navy SEALs, Polizeispezialeinheiten und Notärzten benutzt. Wenn das Esoterik wäre, würden diese Leute es nicht trainieren.</p> </div> <div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346196345"><strong class="schema-faq-question"><strong>Was ist, wenn ich in der Situation komplett blank bin und kein Werkzeug funktioniert?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Dann hast Du nicht trainiert. Werkzeuge funktionieren in der Krise nur, wenn Du sie vorher im Alltag eingeübt hast. OODA im Meeting üben, Boxatmung beim Zähneputzen, Cooper-Gelb beim Einkaufen. Wer erst in der Schusslinie anfängt zu üben, hat schon verloren.</p> </div> <div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346206874"><strong class="schema-faq-question"><strong>Bin ich paranoid, wenn ich dauerhaft in Cooper-Gelb lebe?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Nein. Paranoia ist Orange ohne Anlass. Gelb ist die normale Wachsamkeit eines erwachsenen, präsenten Mannes. Du würdest auch nicht auf der Autobahn die Augen schließen. Cooper-Gelb ist nichts anderes als „Augen auf“ – im Café, auf der Straße, im Leben.</p> </div> </div>
</div></div>



<h2 class="wp-block-heading">Was Du Thomas Shelby voraushast</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Shelby ist eine Figur. Du bist real.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Shelby hat einen Drehbuchschreiber, der ihm jeden Satz vorgibt. Du hast Dein eigenes Leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Du hast etwas, das Shelby in der Serie nie wirklich hat: die Möglichkeit, das zu trainieren, was Du gerade gelesen hast. Die OODA-Schleife im Meeting. Boxatmung in der Schlange beim Bäcker. Cooper-Gelb im Restaurant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Werkzeuge. Mehr brauchst Du nicht. Männer, die das beherrschen, sind nicht angstfrei. Sie sind handlungsfähig. Und das ist alles, was am Ende zählt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn Angst kommt sowieso. Die Frage ist nur, ob Du in ihr funktionierst oder von ihr funktioniert wirst.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Balban, M. Y., Neri, E., Kogon, M. M., Weed, L., Nouriani, B., Jo, B., Holl, G., Zeitzer, J. M., Spiegel, D., &amp; Huberman, A. D. (2023). Brief structured respiration practices enhance mood and reduce physiological arousal. <em>Cell Reports Medicine</em>, <em>4</em>(1), 100895.<a href="https://doi.org/10.1016/j.xcrm.2022.100895"> https://doi.org/10.1016/j.xcrm.2022.100895</a></li>



<li>Boyd, J. R. (1976). <em>Destruction and creation</em> [Unveröffentlichtes Manuskript]. U.S. Army Command and General Staff College.</li>



<li>Cooper, J. (2006). <em>Principles of personal defense</em> (Rev. ed.). Paladin Press.</li>



<li>Coram, R. (2002). <em>Boyd: The fighter pilot who changed the art of war</em>. Little, Brown and Company.</li>



<li>Divine, M. (2016, 4. Mai). A Navy SEAL&#8217;s breathing technique to keep calm and focused. <em>TIME</em>.<a href="https://time.com/4316151/breathing-technique-navy-seal-calm-focused/"> https://time.com/4316151/breathing-technique-navy-seal-calm-focused/</a></li>



<li>Goleman, D. (1995). <em>Emotional intelligence: Why it can matter more than IQ</em>. Bantam Books.</li>



<li>HubSpot. (2023, 30. August). <em>Pattern interrupt examples for the savvy salesperson</em>.<a href="https://blog.hubspot.com/sales/pattern-interrupt"> https://blog.hubspot.com/sales/pattern-interrupt</a></li>



<li>i-nexus. (o. D.). <em>The history of the OODA loop: From fighter pilot to boardroom</em>. Abgerufen am 21. Mai 2026, von<a href="https://blog.i-nexus.com/the-history-of-the-ooda-loop"> https://blog.i-nexus.com/the-history-of-the-ooda-loop</a></li>



<li>Police1. (2024, 20. Mai). <em>Cooper&#8217;s colors: A simple system for situational awareness</em>.<a href="https://www.police1.com/police-trainers/articles/coopers-colors-a-simple-system-for-situational-awareness-Np1Ni2TbRj9EkGUN/"> https://www.police1.com/police-trainers/articles/coopers-colors-a-simple-system-for-situational-awareness-Np1Ni2TbRj9EkGUN</a></li>



<li>Wikipedia. (o. D.). <em>Amygdala hijack</em>. Abgerufen am 21. Mai 2026, von<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Amygdala_hijack"> https://en.wikipedia.org/wiki/Amygdala_hijack</a></li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Bildnachweise</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Titelbild: Von KI erstellt/Eximum</li>



<li>Bild 1: Nani Gordon/Pexels</li>



<li>Bild 2: Vincent Santamaria/Pexels</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eximum.de/2026/05/13/angst-kontrollieren/">Was ein Türsteher, ein Kampfpilot und Thomas Shelby gemeinsam haben</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eximum.de">EXIMUM</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum Männer mit 40 anders ticken (und das gut ist)</title>
		<link>https://www.eximum.de/2026/05/11/warum-maenner-ab-40-seltsam-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Thilo Heffen]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2026 06:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[BINDUNGEN]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.eximum.de/?p=9143</guid>

					<description><![CDATA[<p>Irgendwann kippt das Verhältnis, und plötzlich steht ein Cabrio in der Einfahrt. Warum die Midlife-Crisis kein Witz ist.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eximum.de/2026/05/11/warum-maenner-ab-40-seltsam-werden/">Warum Männer mit 40 anders ticken (und das gut ist)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eximum.de">EXIMUM</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>Du funktionierst, der Kalender ist voll, von außen sieht alles richtig aus. Und trotzdem stehst Du morgens vor dem Spiegel und denkst: Was zur Hölle macht der Typ da eigentlich noch?</strong></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Ich muss für meine Geschlechtsgenossen hier mal eine Lanze brechen: Männer ab 40 werden nicht seltsam, weil sie es wollen. Sie werden seltsam, weil etwas in ihnen anfängt, sich neu zu sortieren. Das ist gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass es Dir keiner erklärt. Und das ist der springende Punkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin bestimmt nicht der Einzige, der das Folgende mehr als einmal erlebt hat: Du wachst morgens auf, siehst Dein Gesicht im Spiegel und fragst Dich, wann Du eigentlich angefangen hast, anders zu schauen. Nicht unbedingt <em>älter</em>, aber nachdenklicher. Weniger nach Hunger, mehr nach Zweifel. Weißt Du, was ich meine?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deine Routinen stützen Dich, klar. Aber sie drücken auch. Irgendwann sagst Du Sätze, die Du Dir vor zehn Jahren nicht zugetraut hättest. <em>„Früher war ich anders.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was passiert da mit Dir? Oder anders gefragt: Warum werden Männer ab 40 oft seltsam?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schau Dich mal in Deinem Bekanntenkreis um. Gibt es da welche, die distanzierter und reizbarer wirken? Manchmal getrieben, manchmal melancholisch? Die Antwort liegt nicht in einer einzelnen Ursache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein Zusammenspiel aus Biologie, Verantwortung und einer leisen Identitätskrise, die kaum jemand bemerkt, die aber in Dir brodelt.</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Mehr zum großen Zusammenhang</strong> findest Du in meinem Cornerstone-Artikel <a href="https://heffen.net/maennlichkeit-ab-40-haltung/"><strong>Status war gestern – was Männlichkeit nach 40 wirklich ausmacht</strong></a> auf heffen.net. Dort zeigt sich, wie Identität, Stärke, Körper, Verantwortung und Karriere in der Lebensmitte neu zusammenspielen.</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Die Mitte fühlt sich einfach anders an</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Was mir in Gesprächen mit anderen Männern auffällt und was ich bei mir selbst sehe: Ab vierzig verschiebt sich das eigene Koordinatensystem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Ziele, die einen früher angetrieben haben, also Karriere, Familie, Leistung, sind zum großen Teil erreicht. Oder sie fangen an, sich aufzulösen. Und am geistigen Horizont taucht die Frage auf: <em>Wofür mache ich das alles eigentlich noch?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ökonom David Blanchflower hat in einer Studie über 132 Länder gezeigt, dass die Lebenszufriedenheit einer U-Kurve folgt. Sie sinkt bis Mitte vierzig und steigt danach wieder. Männer in dieser Phase berichten häufig von innerer Leere, von Gereiztheit, und vom Gefühl, neben sich zu stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund ist kein persönliches Versagen, sondern ein Systemwechsel. Zum ersten Mal schaust Du wirklich zurück auf das, was passiert ist, und nicht mehr nur nach vorne. Du spürst, dass Deine Möglichkeiten langsam endlich werden. Und dass nicht alles, was Du wolltest, tatsächlich noch in Deinem Leben passieren wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht kennst Du das: dieses leise Unbehagen, wenn Du in einem Meeting sitzt, alle eifrig nicken, und Du Dich fragst: <em>Was soll das eigentlich?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zumindest waren das die Anfänge bei mir.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="660" height="660" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-stiller-druck-maenner-40-inline-1.webp" alt="Erschöpfter Mann mittleren Alters liegt nachts wach und wirkt gedanklich belastet." class="wp-image-21875" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-stiller-druck-maenner-40-inline-1.webp 660w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-stiller-druck-maenner-40-inline-1-300x300.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-stiller-druck-maenner-40-inline-1-150x150.webp 150w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-stiller-druck-maenner-40-inline-1-640x640.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-stiller-druck-maenner-40-inline-1-500x500.webp 500w" sizes="auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Der stille Druck im Kopf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt eine traurige Wahrheit über Männer in dieser Phase, die ich hier mal aussprechen möchte. Denn wir funktionieren, <a href="https://www.eximum.de/2026/05/13/angst-kontrollieren/">aber wir erodieren dabei innerlich</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach außen wirkt alles stabil. Arbeit, Familie, Verpflichtungen, vielleicht sogar Hobbys. Aber innen wächst ein Riss zwischen dem, was Du zeigst, und dem, was Du wirklich fühlst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Psychologe Dan Gilbert von der Harvard University nennt das die <em>Illusion des stabilen Selbst</em>. Wir glauben, der Mensch zu sein, der wir immer waren, bis irgendwann nichts mehr passt. Die Lebensmitte zwingt uns dabei, alte Rollen loszulassen. Nicht mehr der Macher zu sein, der wir immer waren. Und nicht mehr der stoische Held, der alles im Griff hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer das nicht erkennt, der flüchtet oft nach vorne. Er stürzt sich in seine Arbeit, in den Sport oder sogar in eine Affäre. Oder er konsumiert einfach, um sich selbst nicht zu spüren. Soziologen nennen das <em>Flucht in die Aktivität</em>. Tun, irgendwas tun, um der Stille auszuweichen, die man in sich selbst spürt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ironischerweise wäre genau diese Stille das, was helfen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verdammt. Richtig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was heißt das im Alltag für Dich? Vielleicht das: Mach nicht mehr, <a href="https://heffen.net/warum-einer-anfangen-muss-und-du-das-bist/">mach es bewusster</a>. Viele Männer verlieren nämlich nicht ihre Energie, sondern ganz einfach ihre Richtung. Wer die Stille einmal zulässt, sieht klarer, was ihm wirklich fehlt. Manchmal ist es eben Nähe. Oder Anerkennung. Und manchmal einfach nur Ruhe.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Biologie spielt eine Rolle (aber sie bestimmt nicht)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viele sagen: Naja, die Hormone verändern sich eben auch beim Mann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Na klar, das tun sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Testosteronspiegel sinkt ab vierzig um etwa ein Prozent pro Jahr (Harvard Health Publishing, 2023). Das kann zu Müdigkeit führen, zu mehr Fettansatz, zu geringerer Libido und zu Reizbarkeit. Aber das ist nur ein Teil des Puzzles.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn mehrere Studien zeigen auch, dass Männer mit stabilen sozialen Beziehungen und <a href="https://www.eximum.de/2026/05/24/cold-brew-coffee/" type="link" id="https://www.eximum.de/2026/05/24/cold-brew-coffee/">klaren Routinen</a> deutlich weniger Symptome dieser sogenannten <em>männlichen Wechseljahre</em> erleben, selbst bei gleichem Hormonspiegel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eigentliche Medizin heißt also, gute Gespräche zu führen, Bewegung in den Alltag zu bringen, und sich Strukturen zu schaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn kein Supplement und kein Wundermittel ersetzen echte Verbundenheit. Und auch nicht den Respekt vor dem eigenen Körper.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-beziehung-lebensmitte-distanz-inline-2-1024x683.webp" alt="Paar mittleren Alters sitzt emotional distanziert nebeneinander in einer stillen Alltagsszene." class="wp-image-21877" srcset="https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-beziehung-lebensmitte-distanz-inline-2-1024x683.webp 1024w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-beziehung-lebensmitte-distanz-inline-2-300x200.webp 300w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-beziehung-lebensmitte-distanz-inline-2-768x512.webp 768w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-beziehung-lebensmitte-distanz-inline-2-640x427.webp 640w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-beziehung-lebensmitte-distanz-inline-2-750x500.webp 750w, https://www.eximum.de/wp-content/uploads/2026/05/2026-05-beziehung-lebensmitte-distanz-inline-2.webp 1200w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Die Beziehung als Spiegel</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Männer in der Lebensmitte ins Straucheln geraten, trifft es oft zuerst die Beziehung. Rückzug, Gereiztheit, Unzufriedenheit, plötzlicher Aktionismus – das alles wirkt auf die Partnerin oft wie Ablehnung. Besonders dann, wenn man nicht offen miteinander sprechen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch wenn es für die andere Seite wie Ablehnung aussieht, steckt dahinter nicht selten Ratlosigkeit. Männer lernen häufig immer noch nicht, über ihre Ohnmacht zu sprechen. Stattdessen flüchten sie unter Umständen in unkoordinierten, zerstörerischen Aktionismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In persönlichen Krisen wählen Männer deutlich häufiger destruktive Bewältigungsstrategien als Frauen, zum Beispiel Alkohol oder Überarbeitung. Dinge, die man im schlimmsten Fall von sich selbst oder aus dem eigenen Bekanntenkreis kennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier hilft aber kein Appell. Hier hilft Haltung. Denn die <a href="https://heffen.net/resilienz-das-kleine-ja-das-nach-dem-grossen-nein-kommt/">Krise ist kein Zeichen von Schwäche</a>, sondern ein Signal, dass Du Dich neu ordnen musst.</p>



<figure class="wp-block-table exm-box"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Einfache Routinen, die helfen</strong><br><br><strong>Führe einmal pro Woche ein ehrliches Gespräch,</strong> zwanzig Minuten, ohne Telefon, ohne Ablenkung. Lass nur eine Frage stehen. Was hat Dich diese Woche beschäftigt, im Kopf, nicht im Kalender? Diese kleine Übung kann Nähe schaffen und verhindern, dass die Entfremdung Raum gewinnt.<br><br><strong>Tägliche Reflexion, fünf Minuten. </strong>Notiere abends, wofür Du den Tag über Verantwortung übernommen hast. Das ist kein Dankbarkeitskitsch, den brauchst Du nicht. Schreib einfach die Fakten auf. <em>Dafür habe ich heute Verantwortung übernommen.</em> Punkt.<br><br><strong>Wöchentlicher Reset. </strong>Ein halber Tag pro Woche ohne Ziele und ohne Bildschirme. Das ist keine Flucht, sondern eine Rückkehr. Eine Rückkehr zu Dir selbst.</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading">Sinn statt Speed</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In der Psychologie gibt es den Begriff der <em>Generativität</em>. Er beschreibt das Bedürfnis, etwas zu hinterlassen, das über einen selbst hinausgeht. Was das ist, variiert von Person zu Person. Vielleicht ein Bauwerk. Vielleicht Kinder. Vielleicht ein selbstgeschriebenes Buch. Hast Du diesen Wunsch auch schon gehabt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir Männer ab vierzig spüren diesen Ruf besonders stark. Es ist etwas, das in uns leise, aber dauerhaft arbeitet. Wer diesen Impuls ignoriert, der bleibt innerlich leer, auch wenn der Terminkalender voll ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Studie der Universität Zürich zeigt: Menschen, die ihre Werte und Aufgaben in Einklang bringen, empfinden deutlich mehr Lebenszufriedenheit als jene, die einfach nur funktionieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraus entsteht eine entscheidende Verschiebung. Weg vom Streben nach Leistung, hin zum Streben nach Bedeutung.</p>



<div class="wp-block-group eximum-faq-box has-background" style="background-color:#faf6f0"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Häufig gestellte Fragen</strong></h3>



<div class="schema-faq wp-block-yoast-faq-block"><div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346176425"><strong class="schema-faq-question"><strong>Ab welchem Alter beginnt die sogenannte Midlife-Crisis bei Männern?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Wissenschaftlich gibt es keine feste Altersgrenze, aber die Daten zeigen einen Tiefpunkt der Lebenszufriedenheit zwischen Mitte vierzig und Anfang fünfzig. Die ersten Symptome, also innere Unruhe, Sinnfragen, eine leise Identitätskrise, beginnen bei vielen Männern schon ab Ende dreißig.</p> </div> <div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346186008"><strong class="schema-faq-question"><strong>Sind sinkende Testosteronwerte schuld daran, dass Männer ab 40 sich verändern?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Nur teilweise. Ja, der Testosteronspiegel sinkt ab vierzig um etwa ein Prozent pro Jahr. Aber die psychischen und emotionalen Veränderungen lassen sich nicht allein darauf zurückführen. Männer mit stabilen sozialen Beziehungen und klaren Routinen erleben die gleichen Hormonveränderungen, ohne in eine Krise zu kippen.</p> </div> <div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346196345"><strong class="schema-faq-question"><strong>Was kann ich tun, wenn ich merke, dass ich in der Krise stecke?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Reden statt flüchten. Such Dir mindestens einen Mann, mit dem Du ehrlich sprechen kannst. Ein Freund, ein Bruder, ein Therapeut. Bring Bewegung in Deinen Alltag, nicht für die Optik, sondern für den Kopf. Und gönn Dir Stille. Einen halben Tag pro Woche ohne Termine und ohne Bildschirm. Das ist keine Flucht, das ist Rückkehr.</p> </div> <div class="schema-faq-section" id="faq-question-1779346206874"><strong class="schema-faq-question"><strong>Wie erkenne ich, ob ich nur eine Phase habe oder eine Depression?</strong></strong> <p class="schema-faq-answer">Eine Phase fühlt sich wie ein Wandel an. Du fragst Dich Dinge, Du justierst neu, aber Du funktionierst noch. Eine Depression fühlt sich wie ein Loch an. Du schläfst schlecht, isst kaum noch, hast keine Freude mehr an Dingen, die Dir früher etwas bedeutet haben. Wenn diese Symptome länger als zwei Wochen anhalten, geh zum Hausarzt. Das ist keine Schwäche, das ist Verantwortung.</p> </div> </div>
</div></div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Die zweite Halbzeit ist kein Abstieg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auch wenn es sich oft so anfühlt: Die Lebensmitte ist kein Zerfall. Im Gegenteil. Sie ist eine Chance, sich neu zu justieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer den Mut hat, sich den eigenen Fragen zu stellen, wird ruhiger und nicht müder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seltsam wird man nur, wenn man versucht, weiterzuspielen, als wäre nichts passiert. Wenn man mit fünfundvierzig den Vierundzwanzigjährigen spielt, den man mal war. In einem anderen Artikel sehe ich mir konkret an, was bleibt, <a href="https://www.eximum.de/2026/05/22/rasierhobel-kommt-mit-ins-grab/" type="link" id="https://www.eximum.de/2026/05/22/rasierhobel-kommt-mit-ins-grab/">wenn man aufhört zu suchen</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Geheimnis ist einfach. <a href="https://heffen.net/erkenntnis-veraenderung-maenner-ab-40/">Weniger Flucht, mehr Haltung</a>. Weniger Tempo, mehr Richtung.</p>



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</div>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Blanchflower, D. G. (2020). <em>Is Happiness U-shaped Everywhere? Age and Subjective Well-being in 132 Countries</em> (NBER Working Paper No. 26641). National Bureau of Economic Research.<a href="https://doi.org/10.3386/w26641"> https://doi.org/10.3386/w26641</a></li>



<li>Gilbert, D. T., Killingsworth, M. A., Eyre, R. N., &amp; Wilson, T. D. (2013). The surprising power of neighborly advice. <em>Science, 323</em>(5921), 1617–1619. (Konzept der &#8222;Illusion des stabilen Selbst&#8220;)</li>



<li>Giddens, A. (1991). <em>Modernity and Self-Identity: Self and Society in the Late Modern Age</em>. Stanford University Press.</li>



<li>Harvard Health Publishing. (2023, December 1). <em>Several factors may cause testosterone levels to drop</em>. Harvard Men&#8217;s Health Watch.<a href="https://www.health.harvard.edu/mens-health/several-factors-may-cause-testosterone-levels-to-drop"> https://www.health.harvard.edu/mens-health/several-factors-may-cause-testosterone-levels-to-drop</a></li>



<li>Besika, A. (2022). <em>A relationship that makes life worth-living: levels of value orientation explain differences in meaning and life satisfaction.</em> University of Zürich.</li>



<li>Reinilä, E., Saajanaho, M., Fadjukoff, P., Törmäkangas, T., &amp; Kokko, K. (2023). The development of generativity in middle adulthood and the beginning of late adulthood: A longitudinal study from age 42 to 61. <em>Journal of Adult Development, 30</em>, 291–304.<a href="https://doi.org/10.1007/s10804-022-09436-1"> https://doi.org/10.1007/s10804-022-09436-1</a></li>



<li>Chasland, L. C., et al. (2021). Testosterone and exercise in middle-to-older aged men. <em>Hypertension Research, 44</em>, 1269–1278.<a href="https://doi.org/10.1038/s41440-021-00653-3"> https://doi.org/10.1038/s41440-021-00653-3</a></li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Bildquellen</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li>Titelbild: Ron Lach/Pexels</li>



<li>Bild 1: Anastasia Bekker/Pexels</li>



<li>Bild 2: Getty images/Unsplash+</li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.eximum.de/2026/05/11/warum-maenner-ab-40-seltsam-werden/">Warum Männer mit 40 anders ticken (und das gut ist)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.eximum.de">EXIMUM</a>.</p>
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