Das hier ist kein Affiliate-Artikel und auch keine Minimalismus-Predigt. Nur die Bestandsaufnahme eines Mannes, der mit fünfundfünfzig bemerkt hat, dass die schönsten Käufe die sind, die man nur einmal macht.
Die meiste Zeit meines erwachsenen Lebens wollte ich mehr und besser. Leider handelte es sich dabei überwiegend um Dinge. Mehr Technik, mehr Komfort, ein besseres Auto, mehr Auswahl. Zeug halt, das ich, sobald ich es hatte, früher oder später entweder nicht mehr benutzt oder wenig beachtet habe. Ich war ein typischer Konsument. Bis ungefähr 30 sogar einer dieser Early Adopter.
Aber hey, keine Sorge, das wird jetzt keiner DIESER Artikel. Du weißt schon, einer, der Dir vorbetet, wie toll das Leben als Minimalist ist, der vom Aufstehen um 3 Uhr morgens bis zur Bettzeit um 19 Uhr in einem kahlen Zimmer Nietzsche liest. Weil er auf dem Klo eine Eingebung hatte und anschließend seinen ganzen Krempel wegwarf.
Genausowenig wird das ein Affiliate-Artikel, der Dir Sachen verkaufen will, damit ich mir mehr von dem Zeug, von dem ich schreibe, leisten kann.
Wenn Du keine Lust zum Lesen hast, kein Thema, ich verkrafte das. Falls doch, na, dann viel Spaß dabei…
Die Grabbeigabe
Ich nenne ihn meine Grabbeigabe. Und das meine ich nicht mal ironisch.
Ich rede von meinem Rasierhobel. Ein Merkur-Rasierhobel C34 mit kurzem Griff, normale Doppelklingen, den ich 2011 bei dem Versandriesen mit dem Namen eines südamerikanischen Flusses bestellt hatte (Du hast doch eben nicht wirklich an den Rio Grande gedacht, oder?). Ich werde das Ding vermutlich bis zum letzten Tag benutzen, und dann hätte ich nichts dagegen, wenn er mit mir verschwindet.
Klingt vielleicht morbide, ist aber das Gegenteil davon. Es ist die Erkenntnis, meine Erkenntnis, dass es Dinge gibt, die in meinem Leben einfach erledigt sind.
Ich sage nicht kaputt. Nicht alt. Erledigt.
Der Punkt Rasierer ist abgeschlossen. Ich werde mir nie wieder einen anderen kaufen. Keine Rasierseife, kein Pinsel, keine Klinge wird je wieder in einer Recherche enden müssen mit der Frage, was denn jetzt besser ist. Pinsel und Seife sind Verbrauchsmaterial, und das tausche ich. Aber das Werkzeug selbst, das ist da, wo es sein soll.
Und genau das ist es, worum es in diesem Artikel eigentlich geht. Nicht um die Produkte.

Mit dreißig habe ich überall gesucht
Wie eingangs schon erwähnt, habe ich mit dreißig ständig nach besseren Lösungen gesucht. Bessere Rasierer, bessere Kopfhörer, bessere Schuhe, bessere Apps. Im verwandten Artikel über das Aufheben von Verpackungen schreibe ich, was diese Suche eigentlich antreibt.
Es gab immer eine Steigerung, immer ein Upgrade, immer irgendwo ein Forum, in dem irgendwer schrieb, dass das, was Du gerade in der Hand hattest, eigentlich Mist ist.
Und ganz ehrlich? Ich suche immer noch. Zum Beispiel baue ich eine neue Website auf, ich lerne, mit KI umzugehen, belege Kurse in Psychologie und ich schreibe Bücher. Mein Berufsleben wird gerade wieder neu erfunden.
Aber ich suche nicht mehr nach Rasierern. Nicht mehr nach Schuhen. Nicht mehr nach Füllern.
In bestimmten Bereichen meines Lebens bin ich tatsächlich angekommen.
Der PocketBook
Früher Kindle, heute PocketBook. Der ursprüngliche Grund war banal: Ich bin jobbedingt viel geflogen und ich hatte wirklich keine Lust auf schwere Bücher im Koffer. Aber der Grund, warum ich auch noch heute, nachdem ich keinen Meter mehr fliegen muss, einen E-Book-Reader nutze, ist ein anderer.
Ich will meine Bücher besitzen. Ich will sie nicht mieten. Und ich will sie nicht auf einer Plattform stehen haben, die mir morgen sagt, dass mein gekauftes Buch jetzt aus dem Sortiment ist und damit aus meinem Gerät. Beim PocketBook bin ich unabhängig. Ich kaufe direkt, ich nutze die Onleihe der Bibliotheken, ich importiere, was ich will, von wo ich will.
Romane lese ich meistens digital. Sachbücher gedruckt, weil ich annotiere, Notizen mache, Eselsohren produziere wie früher in der Schule. Und die paar Bücher, die mir wirklich etwas bedeuten – Der Herr der Ringe, Edgar Allan Poe, Sherlock Holmes – stehen weiter im Regal. Die fasse ich gelegentlich an, mehr, als ich sie lese. Auch das ist eine Form von Besitz.
Das Thema Besitz, übrigens, zieht sich auch in die nächsten Beispiele rein.
Der Musikplayer
Weißt Du noch, wie geil die Zeiten waren, als Musik, allem voran das HÖREN von Musik, noch was bedeutet hat? Wo man sich nicht vom Hintergrundgedudel einer Streamingplattform bei was-auch-immer-man-gerade-treibt begleiten ließ?
Wer setzt (oder legt) sich heute noch hin und zieht sich Shine on you crazy diamond part 1 von Pink Floyd rein? Ohne gleichzeitig dabei aufs Handy zu glotzen oder sonstwas zu machen? Genau.
Deshalb habe ich mir den HiFi Walker H2 zugelegt. Und weil er FLAC abspielt. Falls Du keine Ahnung hast, was das ist: FLAC ist ein verlustfrei komprimiertes Audioformat, das eine hohe Klangqualität bietet.
Spotify nutze ich noch zum Entdecken, aber wenn mir Musik wirklich gefällt, kaufe ich sie. FLAC, eigene Festplatte, eigener Player. Das geht über die heimischen Boxen oder Kopfhörer.
Eigentlich hat sich mein Verhalten seit den Achtzigern gar nicht verändert. Damals war es der Plattenladen, Musik hören, kaufen. Heute ist es Spotify, Musik hören, kaufen. Das Ergebnis ist aber gleich. Musik, die mir gehört.
Blu-Rays
Und wenn wir schon bei den Medien sind: Bei Filmen ist es genau dieselbe Geschichte. Streaming ist großartig, bis ein Film aus dem Katalog verschwindet und Du mit der Erkenntnis dastehst, dass Dein Lieblingsfilm seit zwanzig Jahren nie wirklich Dir gehört hat.
Inzwischen kaufe ich Blu-Rays. Gebraucht. Preiswert. Die Hüllen fliegen weg, die Discs kommen in eine Tasche. Die Filme bleiben.
Drei Punkte hintereinander, die im Kern dasselbe sagen: Ich will, dass mir das, was mir wichtig ist, gehört. Vielleicht ist das eine Generationsfrage. Vielleicht ist es ein Misstrauen, das mit den Jahren kommt. Oder vielleicht ist es einfach nur die Erinnerung daran, wie es war, etwas in der Hand zu haben.

Der Diplomat Aero
Ich liebe Füller. Deshalb war ich ganz aus dem Häuschen, als mir die Firma Diplomat vor Jahren den Aero auf einer Messe geschenkt hat. Später hat er einen Schaden gehabt, wurde repariert, schreibt seitdem besser als vorher. Er liegt jeden Tag auf meinem Schreibtisch, weil ich ihn jeden Tag benutze.
Ich werde mir keinen anderen Füller kaufen. Nicht weil ich gegen andere Füller etwas hätte. Sondern weil dieser hier fertig ist. Er passt in meine Hand, er hat eine Geschichte, er macht beim Schreiben das richtige Geräusch. Das ist alles, was ein Füller mit fünfundfünfzig liefern muss.
Dazu kommt der Kaweco BRASS SPORT. Genau das Gleiche. Schwer, kühl, gut in der Hand. Ich brauche keinen anderen.
Das X17-Journal
Ein Buch in A5 mit Lederumschlag, seit Jahren bei mir. Inzwischen voller Patina, Kratzer, dunkler Stellen vom Daumen, von Kaffee, von Regen, von ich-weiß-nicht-was.
Ich schreibe morgens hinein. Tagebuch, oder Journaling, wie man als echter Kerl wohl sagt. Das mache ich nicht für die Nachwelt, sondern einfach nur, damit der Tag eine erste Stunde hat, in der ich denke, statt reagiere. Und mit was schreibe ich? Genau, Du hast es erfasst!
Wenn ich das X17 sehe, sehe ich Geschichte. Patina ist nicht das, was vom Gegenstand abgeht. Patina ist das, was zu ihm hinzukommt. Ein Werkzeug, das aussieht wie neu, hat noch nichts gemacht. Eins, das so aussieht wie meins, hat einiges hinter sich.
Der Monsieur Cuisine
Es gibt dort draußen wohl unzählige Menschen, die sich auf beiden Produktseiten den ganzen Tag darüber aufregen könnten, welches Gerät das bessere ist. Ich gebe zu, der Monsieur Cuisine ist kein Thermomix. Dafür kostet er aber auch nur ein Drittel und kann fast alles, was sein großer Bruder im Geiste zu leisten vermag.
Aber das ist nicht der eigentliche Punkt. Der Punkt ist: gesund kochen, Meal Prep, weniger Aufwand am Feierabend. Gute Gewohnheiten funktionieren nachweislich besser, wenn die Hürde kleiner wird.
Bei mir war die Hürde: Scheiße-jetzt-noch-anderthalb-Stunden-in-der-Küche-stehen. Mit dem Gerät ist sie weg. Manchmal ist das beste Werkzeug halt das, das eine Ausrede unmöglich macht.
Meine Garmin Venu und der Polar H10
Kurzer Rückblick: Vor zwei Jahren hatte ich zwei Herzinfarkte. Der zweite hätte mich fast gehimmelt.
Der Moment, in dem ich verstanden habe, dass es so wirklich nicht weitergeht, war nicht im Krankenhausbett. Im Krankenhaus liegt man, da fühlt sich vieles wie ein Missverständnis an, das von selbst vorübergeht.
Der Moment kam ein paar Tage nach der Entlassung. Ich wollte spazieren gehen. Nach zweihundert Metern stand ich auf einem Feld und konnte nicht mehr. Echt.
Ich blieb stehen, schaute auf den Weg vor mir, und der einzige klare Gedanke in meinem Kopf war: „Wenn ich hier sterbe, dann verflucht noch mal nicht jetzt und nicht hier auf diesem blöden Acker. Wenn, dann zu Hause.“ Ich bin zurückgeschlurft wie ein hundertvierjähriger Mann. Zweihundert Meter hin, zweihundert Meter zurück, eine Stunde gebraucht für eine Strecke, die jeder Yorkshire Terrier in zwei Minuten schafft.
Danach hat sich vieles verändert.
Die Uhr ist seitdem kein Gadget mehr. Sie ist ein Werkzeug. Ich messe morgens Herzfrequenzvariabilität, Belastung, Blutdruck. Dabei sind nicht die einzelnen Werte wichtig – die schwanken eh. Wichtig sind die Trends. Die Richtung. Inzwischen merkt die Uhr sogar, wenn eine Krankheit im Anmarsch ist, bevor ich sie merke.
Mit dreißig hätte ich das als Hypochonder-Spielerei abgetan. Was für ein Weichei ist schon so übervorsichtig? Mit fünfundfünfzig sehe ich das anders. Kontrolle ist nicht immer schlecht. Manchmal ist sie nur Verantwortung.

Künstliche Intelligenz
Oh ja. KI. Kontroverses Thema, gerade bei Leuten, die ihre Kohle mit Schreiben verdienen. An dieser Stelle ein Geständnis: ChatGPT, Claude, und Perplexity gehören zu meinem täglichen Werkzeug.
Anfangs hatte ich offen gestanden Angst. Ich dachte: Was haben die mit meinem Beruf vor? Heute weiß ich, dass ich nicht überflüssig bin. Aber meine Arbeit ist besser geworden.
Ich nutze KI nicht als Ghostwriter. Und auf keinen Fall lasse ich mir von ihr komplette, fertige Texte schreiben. Das habe ich am Anfang versucht und das ging furchtbar in die Hose. Ich nutze sie als Sparringspartner. Zur Recherche, zum Hinterfragen, zum Nachschärfen von Argumenten. Früher habe ich allein geschrieben. Heute schreibe ich zwar immer noch selbst, aber ich denke nicht mehr allein.
Das ist der größte Unterschied zwischen dem Berufs-Mich von vor drei Jahren und heute. Und es ist ein guter.
Hemden aus Bangkok
Ich bin 1,85 m groß und wiege 158 kg. Ein neugeborenes Elefantenkalb wiegt zwischen 75 und 150 Kilo. Aber es hat nicht meine breiten Schultern oder meine kräftige Statur. „Du siehst aus wie jemand, der auf einem Berggipfel bei Gewitter mit bloßen Händen gegen einen Grizzly kämpft“, hat leider noch nie jemand zu mir gesagt.
In Standardgrößen passe ich seit ungefähr zwanzig Jahren nicht mehr rein. Was im Laden hängt, sitzt entweder am Bauch zu eng oder an den Schultern zu weit, oder beides gleichzeitig, was, so betrachtet, ein eigenes Kunststück ist.
Letztes Jahr in Bangkok war ich bei einem Kumpel zu Besuch. Dort bekam ich die Empfehlung, mir Hemden schneidern zu lassen. Ein kleiner Laden in einer belebten Seitenstraße der Stadt, geführt von Nepalesen, die total freundlich waren.
Bevor ich zum Termin ging, habe ich in der Bar gegenüber zwei Sätze auf Nepalesisch gelernt – Hallo und Wie geht’s. Mann, haben die sich gefreut, als ich die im Laden ausgepackt habe. Es gibt diese Momente in fremden Ländern, in denen Du eine winzige Geste machst und plötzlich anders behandelt wirst. Nicht als Tourist, sondern als jemand, der sich zumindest fünf Minuten Mühe gegeben hat. Und das war nicht mal meine Absicht, ich wollte nur freundlich sein.
Seitdem lasse ich dort meine Hemden machen. Demnächst auch Sakkos. Nicht aus Luxus oder aus Status. Und nicht wegen Monogrammen am Kragen oder am Ärmel (ich mag Monogramme nicht). Sondern weil ich ein Hemd bekomme, das passt und ein Hemd ist, das ich fünf Jahre tragen kann. Fünf Hemden vom Fast-Fashion-Anbieter, die bei jeder Wäsche schlechter werden, kosten mich am Ende mehr.
Weniger, dafür besser. Das ist eine Formel, die mit dreißig nicht auf meinem Radar war.
Red-Wing-Stiefel von Etsy
Wer, zum Teufel, kauft sich eigentlich abgetragene, gebrauchte Schuhe? Die bescheidene Antwort: Ich. Es kommt aber auch drauf an. Ich habe vor ein paar Jahren Arbeitsschuhe aus den Achtzigern aus den USA gekauft. Für elf Dollar, über Etsy. Die waren komplett heruntergerockt.
Sie kamen an: das Leder rissig, die Sohle durch, innen leer. Eigentlich Müll.
Ich habe sie zu meinem Schuster gebracht und gefragt, ob ich die elf Dollar in den Sand gesetzt habe. Er hat die Stiefel in die Hand genommen, das Leder zwischen den Fingern befühlt, einmal nach innen geschaut, und gesagt: „Nö. Wenn ich die fertig habe, halten die noch zehn, zwanzig Jahre.“
Genau das hat er gemacht. Neue Vibram-Sohle, neue Innensohle, das Leder gepflegt. Heute sind sie eines meiner liebsten Paar Schuhe. Sie sehen besser aus als alles, was ich je neu gekauft habe. Sie passen besser. Und sie haben eine Geschichte, die nicht bei mir anfängt.
Die Moral dieser Anekdote: Nicht billig kaufen und ständig ersetzen. Einmal richtig kaufen und lange behalten. Und manchmal kannst Du das Richtige sogar gebraucht haben.

Bialetti und eine serbische Tasse
Eine kleine Bialetti-Espressokanne, jeden Morgen auf dem Herd. Kaffee von einer kleinen Rösterei in Limbach-Oberfrohna. Kein Onlineshop, persönlicher Kontakt, frisch gemahlen. Aus einer handgemachten serbischen Tasse getrunken, die ich – tataaa – auch bei Etsy erstanden habe. Für schlappe 50 Euro.
Was vollkommen verrückt ist für eine Tasse. Aber sie ist meine Tasse. Und ich rechne in Cost per Usage. Also wie viel mich etwas pro (voraussichtlicher) Nutzung kosten wird. Und da liegt die Tasse bei (wahrscheinlich) 0,013 Euro pro Nutzung. Clever, oder?
Meine Frau und ich könnten uns morgen einen Vollautomaten in die Küche stellen. Knopfdruck, fertig. Oder einen Siebträger mit Manometer und Display, mit dem ich mich auf YouTube-Tutorials hocharbeite, bis ich Latte Art mache. Beides liegt drin. Wir tun es aber nicht.
Und das hat nichts mit Geld zu tun, auch nichts mit Prinzipien, und schon gar nichts mit Nostalgie.
Es hat damit zu tun, dass die Bialetti morgens etwas mit mir macht, was ein Vollautomat nicht könnte: Sie zwingt mich, fünf Minuten am Herd zu stehen. Schraubt sich auf, will Wasser, will Pulver, will Hitze, will Geduld. Ich kann in der Zeit nichts anderes tun, was wichtig wäre. Ich kann nur warten, bis das Ding glucksend hochkommt. Achtsamkeit mit Koffein dabei.
Die meisten modernen Produkte versuchen, jede Reibung zu beseitigen. Schneller, glatter, einfacher, lautloser. Kapsel statt Mahlwerk. Klicken statt Drehen. Streaming statt Suchen.
Aber manche Dinge werden gerade durch ihre kleine Reibung wertvoll. Die Bialetti ist umständlicher als jede Maschine. Der Rasierhobel ist langsamer als jeder Systemrasierer. Der Füller ist klobiger als jede Tastatur.
Aber jeder dieser Gegenstände sagt zu mir: Du musst hier kurz ankommen, bevor Du weitermachst.
Vielleicht ist das das eigentliche Geheimnis.
Ein Gedanke zum Schluss
Mir ist aufgefallen, als ich diesen Text schrieb, dass sich diese Liste mit dreißig anders gelesen hätte. Ich hätte gedacht: „Was für ein langweiliger, alter Furz der Typ ist!“ Der hat ja gar keine Begeisterung für was Neues, keine Lust mehr auf das nächste Ding. Nur Routinen.
Mit fünfundfünfzig lese ich sie anders. Ich sehe darin ein Versprechen, das ich mir selbst gegeben habe: dass nicht jeder Bereich meines Lebens immer wieder durchgesucht werden muss. Dass es Bereiche geben darf, in denen ich angekommen bin.
Das heißt nicht, dass ich aufgehört habe zu suchen. Ich suche immer noch. Eine neue Website, ein neues Buch, neue Themen, neue Fragen. Aber ich suche nicht mehr nach Rasierern. Nicht nach Schuhen. Und nicht nach Füllern. Auch nicht nach dem nächsten Upgrade des nächsten Werkzeugs des nächsten Bereichs meines Lebens.
Mit dreißig habe ich überall gesucht.
Mit fünfundfünfzig weiß ich, in welchen Bereichen ich angekommen bin und in welchen ich weitergehe.
Das ist ein Unterschied, der mit dreißig keinen Sinn ergeben hätte. Jetzt und heute aber schon.
Und vielleicht ist das die eigentliche Antwort darauf, was es heißt, ein bisschen älter zu werden: nicht, dass man aufhört.
Sondern, dass man weiß, wo man bleiben darf.
Bildnachweise
- Titelbild: Morgenrot Design & Fotografie
- Alle anderen Bilder: Thilo Heffen
