Männerleben

Wie geht Mann heute mit Trauer und Verlust um?

Nun haben Sie es gleich mit drei Zuständen zu tun. Erstens mit dem Verlust an und für sich, zweitens mit der Tatsache, das, was immer Sie auch versuchen, die Trauer ihr Innerstes vollständig in Besitz zu nehmen scheint, und drittens – was das Schlimmste ist – mit zwar wohlgemeinten, aber zumindest hohlen Ratschlägen, die die Sache noch quälender machen. Aber Männer trauern anders.

Um es gleich vorne wegzunehmen. Es gibt kein Allheilmittel! Es gibt keine allumfassende Wahrheit, die Ihnen dabei hilft, den Prozess der Trauer abzukürzen oder gar verschwinden zu lassen. Und ein solcher ist es. Ein Prozess, der je nach Schwere erfahren und durchlebt werden muss. Nicht unwesentlich dabei ist es, mit welcher Art des Verlustes Sie es zu tun haben. Auch, wenn es die Sache nicht ungeschehen macht.

Männer trauern anders - Männer ziehen sich zurück
Foto: Nik Shuliahin on Unsplash

Es gibt aber ein paar Dinge, die Ihnen über den Verlust und durch die Trauer helfen.

Verlust ist nicht gleich Verlust

Wenn Sie es mit einer gescheiterten Beziehung zu tun haben, verhält es sich in Bezug auf die Trauer anderes, als wenn Sie, sagen wir mal, einen geliebten Menschen verloren haben, weil dieser
Gestorben ist. Im ersten Fall, welches nicht selten passiert, greift Mann zur anscheinend einfachsten Lösung, denn Männer trauern anders als Frauen. Sie greifen zu Gevatter Alkohol. Rein in den nächsten Supermarkt oder die ohnehin gut ausgestattete Hausbar. Diese(n) geplündert und schon haben Sie Ihren Seelentröster. Etwas das Sie zu den sogenannten „Dont’s“ zählen dürfen.

Denn, abgesehen davon, dass sich dadurch die Tatsache des Verlustes nicht ändern lässt, tragen Sie auch noch aktiv dazu bei, in absehbarer Zeit zu jenen zu gehören, die Ihren Job, Ihre Familie verloren haben, um kurz darauf auf der Parkbank zu wohnen. Dauerhaft. Also keine gute Wahl. Sie meinen aber, dass Sie unbedingt etwas brauchen, dass Sie ruhig hält? Runterkommen lässt? Dann rufen Sie einen Ihrer so reichlich Weisheit versprühenden Freunde an, laden Sie diesen zu einem gediegenen Besäufnis ein und geben Sie sich so lange dem Besäufnis hin, bis nichts mehr hineingeht.

Männer trauern anders - Zuflucht Alkohol
Foto: VViktor auf Pixabay

Bevor Sie sich aber auf den Weg in die Kneipe um die Ecke machen (welche Ihnen ohnehin schon immer etwas abstrus war), schärfen Sie Ihrem Freund ein, dass er ein Auge auf Sie haben soll. Vor allem in nächster Zukunft. Sollte dieser herausfinden, dass sie diese Alkohol-Methode gewählt haben, um mit Verlust und Trauer umzugehen, soll er Ihnen dabei behilflich sein, nicht weiter in dieses feuchte Loch zu fallen.

In dieses Loch, aus dem Sie alleine, wenn überhaupt, nicht mehr herausfinden. Welches wiederum bedeuten würde, dass Sie nicht an einem Verlust gescheitert sind, sondern an einem Suchtverhalten. Sollten Sie sich partout nicht selbst trauen können, reden, ja reden, Sie mit Ihrem Hausarzt. Er wird Ihnen ein natürliches, kein gebrautes Mittel zum „Runterkommen“ verschreiben.

Sie denken Sie brauchen so etwas nicht? Denken Sie noch mal darüber nach!

Dauerhafter Verlust

Hier sieht die Sache etwas schwieriger aus. Sollten sie mit dieser Art von Verlust konfrontiert sein, haben Sie es mit etwas zu tun, dass sich nicht so leicht bewältigen lässt. Nichts ist damit vergleichbar. Nichts ist schwerer zu ertragen. Dennoch oder vor allem, sei es hier gestattet, mit einem dieser „klugen Ratschläge“ zu kommen: Trauern Sie.

Trauern Sie so wie nur ein Mann trauern kann, der weiß, dass er auch dann noch ein Mann ist, wenn er schreit, brüllt und die Garagenwand einreißt. Scheuen Sie sich nicht davor, dies auch vor den Augen Ihrer Frau zu tun. Ihre Frau wird es verstehen und begreifen. Sie wird dadurch verstehen, dass sie genauso leiden wie sie. Es wird sie noch mehr mit Ihr zusammenschweißen. Geben Sie nichts darauf, was die Nachbarn sagen oder dass Ihr Hund sich nicht mehr so schnell von Ihnen streicheln lässt. Denn, all dies ist besser als in einen der gefährlichsten seelischen Zustände zu geraten, in die ein Mann verfallen kann: die Dumpfheit.

Männer trauern anders - Der beste Freund des Mannes
Foto: Devin Edwards on Unsplash

Dumpfheit macht süchtig. Sie hat das Potenzial, Sie in einen Strudel geraten zu lassen, aus dem Sie sich nur sehr schwer und langsam wieder an die Oberfläche ziehen können. Das alte Sprichwort „Wehrt den Anfängen“, darf hier, auch wenn es noch so abgedroschen klingen mag, als der beste Rat angesehen werden. Wie sollen Sie aber mit etwas umgehen, dass anscheinend, kaum das Sie einmal eine ruhige Minuten haben, wieder versucht in seinen Sog zu ziehen? So einfach es klingen mag: „Bleiben Sie wach!“ Geben Sie nicht der Versuchung nach, sich dem vermeintlich beruhigenden Gefühl hinzugeben. Lassen Sie sich nicht einlullen von dieser getarnten „Ruhe“. Welche Sie davon überzeugen möchte, dass es dadurch leichter, erträglicher wird. An deren Ende ein entwurzelter, süchtiger Mann steht. Womit weder Ihnen, noch Ihrer Partnerin gedient ist.

Stattdessen, tun Sie etwas. Wobei es keine Rolle spielt, was es ist das Sie tun. Untersuchungen an der UCLA, der University of California in Los Angeles, haben gezeigt (wen überrascht es) dass Männer anders trauern als Frauen. Frauen reden. Männer tun. Tatsache ist, dass bei Frauen beide Gehirnhälften „reden“. Beim Mann hingegen nur eine! Wenn Sie also nicht zu jenem Typ Mann gehören, der sich von seiner Trauer frei reden möchte, werden Sie aktiv. Ihnen ist nach Holzhacken, obwohl sich das Holz für den nächsten und übernächsten Winter schon hinter dem Haus stapelt? Gut! Sie denken, dass es Ihnen guttun würde, wenn Sie den Motor Ihres Autos noch einmal neu einbauen müssten? Auch gut! Egal was es ist und sei es noch so „unsinnig“. Tun Sie es.

Männer trauern anders - Eierpärchen
Foto: KS KYUNG on Unsplash

All das ist besser, als sich in sich selbst zu verkriechen und nicht mehr hervorzukommen. Vergessen Sie dabei aber nicht darauf, sich mit Ihrer Frau hinzusetzen oder hinzulegen und hören Sie Ihr zu. Auch, wenn Sie nicht der große Redner sind. Selbst, wenn sich alles in Ihnen sträubt. Auch wenn die Tränen fließen (und das werden Sie) bis Sie den Eindruck haben, keinen Tropfen Flüssigkeit mehr in sich zu haben. Es wird Ihre Beziehung retten. Es wird Ihr Leben wieder neu beginnen lassen.

Trotz des Verlustes, trotz der Trauer!

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Headerfoto von Vitabello auf Pixabay


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