ÜBER DIE PLAGE DER DUMMHEIT ODER MEIN AUTO FÄHRT AUCH OHNE BIENEN: TEIL 2

Die EXIMUM Start-Kolumne von & mit Jörg Schneider, Autor, Vorleser und Rockstar a.D.

(Geringfügig vom Autor für das vorliegende Format veränderte Einleitung des Buches „Bewusstlosensprechstunde – Die Lage der Welt jetzt als Buch“ von Jörg Schneider, Schreibstark Verlag 2020)


Es ist der ewige Kreislauf zeitlos zyklischen Dummenabfischens, die Wiederkehr des Immergleichen, nur stets in der Fratze der jeweiligen Zeit. Und es scheint schlichtweg kein Entrinnen zu geben. Mit Morbus Möbius auf einer in sich selbst übergehenden Endlosschleife in die Zukunft … bzw. eben direkt wieder zurück.

Oder wie es, nicht weniger perfekt in sich geschlossen, Ror Wolf in seinem laut Thomas Blum (Neues Deutschland) „schönsten, klarsten, lehrreichsten, vernünftigsten und stilistisch gelungensten aller jemals in deutscher Sprache verfassten Gedichte“ „Wetterverhältnisse“ so wunderbar umrundete:

 

„es schneit, dann fällt der regen nieder,

dann schneit es, regnet es und schneit,

dann regnet es die ganze zeit,

es regnet, und dann schneit es wieder.“

 

Und doch gibt es Vorgänge und Wahrheiten, die sich eben nicht beliebig wiederholen oder endlos abnicken lassen. So diagnostiziert bspw. Prof. Harald Lesch (vor einigen Jahren vielleicht noch etwas zu dramatisch in Richtung Bauerntheater chargierender, aber heute dankenswerterweise grundsympathisch agierender Fernsehdenker und gewiefter Welterklärer) bei seinen Vorträgen und in seinen Büchern ja nicht bloß aus einer Hiob’schen Laune heraus immer wieder den zwar uralten, allerdings einer breiten Masse offenbar noch immer nur schwer zu vermittelnden verhängnisvollen Universalbefund: „Die Erde hat Mensch.“

Es ist der ewige Kreislauf zeitlos zyklischen Dummenabfischens, die Wiederkehr des Immergleichen, nur stets in der Fratze der jeweiligen Zeit.

Aber leider nicht als profanes Symptom, sondern als Ursache ihrer globalen Übelkeit.

Das mag für sie, die Erde, zwar keine langfristige Erkrankung sein, da wir uns ja früher oder später auch wieder von selbst erledigen, aber in unserer Eigenschaft  als Krankheitserreger ist es eben doch ein recht erschreckender, weil intellektueller Offenbarungseid. Denn auf unser komplex entwickeltes Gehirn bilden wir uns ja – gemäß des dort ansässigen Größenwahns – gerne ordentlich was ein.

Und das auch nicht ganz zu Unrecht, denn die Evolution hat uns ja durchaus das zerebrale Rüstzeug mit auf den Weg gegeben, um uns der außergewöhnlich zuvorkommenden Gastfreundschaft unseres Heimatplaneten bewusst zu sein und zu erkennen, dass wir uns der Größe dieser Möglichkeit (wenigstens der Höflichkeit halber) lieber als würdig erweisen und sie gebührend fürsorglich behandeln sollten, anstatt diese enorme Chance süffisanten Blickes in die braune Tonne zu kloppen.

Und Zeit, das zu begreifen hatten wir für unsere Verhältnisse auch reichlich, denn  das menschliche Gehirn hat sich in seiner Grundstruktur seit ca. 300.000 Jahren, als der biodeutsche Homo sapiens in Afrika auf der Bildfläche erschien, um seine Artgenossen zu kolonialisieren, kaum verändert und war daher schon damals zu allerlei Überlegungen und Abwägungen fähig.

Heraus kamen dabei aber vor allem die seitdem leider ebenso unveränderte  Einsatzbereitschaft, Konflikte mittels interner Keulengewalt vom Tisch zu fegen und die (wahrscheinlich aus den entsprechenden Erfolgen resultierende) spätere  Spitzenidee, das traditionelle Verprügelmonopol auch zunehmend extern auf den Bereich Natur auszudehnen.

Zumal es ja gerade dort gilt, in puncto nachhaltiger Gewaltbereitschaft endlich mal unmissverständliche Prioritäten zu setzen und die vielbeschworene klare Kante zu zeigen: Denn „wenn die Natur hier schon mit uns leben will, dann hat sie sich gefälligst auch ein wenig anzupassen.“  (Stefan Waghubinger)

(…) das menschliche Gehirn hat sich in seiner Grundstruktur seit ca. 300.000 Jahres, als der biodeutsche Homo sapiens in Afrika auf der Bildfläche erschien, um seine Artgenossen zu kolonialisieren, kaum verändert.

Aber zum Glück hat sie das inzwischen ja auch eingesehen und schließt sich mittlerweile ausgesprochen engagiert unserem kapitalistischen Wachstumsideal an und legt tatsächlich hervorragende Expansions- und Entwicklungsraten an den Tag:

Immer höhere Temperaturen, schnellerer Gletscher- und Polschwund, steigende Hochwasser und häufigere Überschwemmungen, mehr Wirbelstürme und  Supertaifune, heftigerer Starkregen und ganz allgemein eine ausgesprochen ambitionierte Qualitäts- und Quantitätssteigerung bei nahezu allen erdenklichen Naturkatastrophen.

Dementsprechend ist es wohl auch nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten tiefbegabten Klimawandelleugner auf die finale High-Endlösung kommen, die beste, weil wirtschaftlich lukrativste und damit sinnvollste Maßnahme, die konjunkturfeindliche Erderwärmung langfristig außerhalb der eigenen Landesgrenzen zu halten sei dann wohl doch eine Mauer. Und mit der wäre dann ja wenigstens auch weiterhin die fachgerechte Kühlung des hauseigenen, in den entsprechenden Vakuumschädeln beheimateten intellektuellen Permafrosts gewährleistet.

Bis dahin wird man sich, geistig ähnlich bodennah angesiedelt, wohl hierzulande auch weiterhin auf die vielzitierten deutschen Tugenden besinnen und sich eine entsprechend mischvolkresistente Leitkultur zurückwünschen, die sich allerdings für die meisten weniger aus den traditionellen teutonischen Jägerzaunidealen Fleiß, Ordnungssinn und Strebsamkeit rekrutiert als vielmehr aus den weitaus beliebteren Sparten Steuerhinterziehung, Familie verdreschen und ohne Tempolimit besoffen Auto fahren.

Allesamt unsterbliche menschliche Qualitäten, die von der kollektiven Doppelgesichtigkeit des sogenannten Volkscharakters zeugen, der seine wahre Absicht ja ganz gerne mal hinter einer gewissen bürgerlichen Eigenverharmlosung verschanzt. Oder wie sonst würde man sich erklären, dass bspw. so fragwürdige Gestalten wie die einst überaus beliebten Teletubbies Zeit ihres Fernsehdaseins ausschließlich unter ihrem niedlichen Pseudonym bekannt waren und nicht unter dem (ihre zwielichtigen Absichten wesentlich besser unterstreichenden) Bandenoriginalnamen „Die Bruderschaft der Schatten.“

(…) wer derart zeitbomig tickt, der hat sich sein Aussterben auch redlich verdient.

Und wenn sich die politische, soziale und persönliche Diskussionskultur auch weiterhin an einem Auseinandersetzungsgrad orientiert, der weniger an ein zivilisiertes und friedliches Miteinander andockt, als vielmehr an den Verhaltenskodex der Auslandsreisen Dschingis Khans erinnert … dann ist das für den Solidaritätswillen einer vermeintlich humanistischen Gesellschaft in etwa so verräterisch, als taufte man sein neu erworbenes Schiff auf den Namen „Unsinkbar II“.

Denn wenn eine Spezies wie der Mensch, der angesichts der unglaublich komplexen Fähigkeiten seines Gehirns und seiner damit einhergehenden Möglichkeiten nun wirklich alle evolutionären Trümpfe zum Überleben in der Hand hatte, und der sich wider besseren Wissens aufgrund abgrundtiefer Ignoranz, törichten Hooligantums und obszön (in Richtung eines unendlichen kapitalistischen Renditedenkens und des parallel herbeifantasierten permanenten Wirtschaftwachstums auf begrenztem Raum) verschobener Prioritäten mit der Zerstörung des globalen Ökosystems  eigenhändig die einzige nachhaltige Sitzgelegenheit unter dem Arsch weghobelt und dergestalt eine Verbesserung unser aller Lebensbedingungen noch immer ums Verrecken nicht hinbekommen, oder wenigstens deren Dringlichkeit begriffen hat, weil er sich bspw. auch nach Jahrtausenden weiterhin debil grinsend bei der rabiaten Klärung religiöser Schwanzvergleichsfragen oder der nationalen Umzäunung vermeintlicher Eigenbedarfsterritorien die popeligen Schädel zerdeppert, da er trotz aller nur erdenklichen Gegenbeweise offenbar allen Ernstes der Meinung ist, den kompletten Planeten betreffende Probleme durch bornierten Ab- und Ausgrenzungsschwachsinn lösen zu können …  wer derart zeitbombig tickt, der hat sich sein Aussterben auch redlich verdient!

Alles in allem zwar eine konsequente Endlösung, aber eben auch kein allzu glänzendes Zeugnis für unsere evolutionäre Unentbehrlichkeit, die ja – wenig überraschend – gerade unsere Dümmsten immer wieder gerne für sich selbst beanspruchen.

Zugegeben, alles in allem für den weiteren Fortbestand des Universums in etwa so notwendig wie ein Lehrstuhl für Veterinärtheologie oder Durchfall beim Geräteturnen … aber eben immerhin.

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Headerbild: Canva Photo Unlimited

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