Männerleben

Junger Sack, alter Sack: Was auf einen Mann irgendwann im Leben zukommt

Unser Leben ist legendär. Wir erklimmen Mamas höchste Rockzipfel (später schieben wir diese bei anderen Damen hoch), halten uns für Überflieger, für Idioten, auch mal für alles zusammen. Wir sind arrogant, zutiefst verzweifelt, uns des eigenen Glaubens, Liebe oder Weltsicht unsicher oder auch manchmal zu sicher. Uns würde etwas mehr Demut häufig gut tun … das alles ist ein Mann.

Doch was macht eigentlich einen Mann zum richtigen Mann? Ich denke: Verantwortung. Dem sollten wir uns alle stellen. Für uns, für unsere Lieben und unsere Familie.

Das Leben des Mannes bis 30 Jahre

Bis wir etwa 20 Jahre alt sind, kann man uns nur Junge, Bub oder Kind nennen. Was einen Mann ausmacht und was uns als Mann ausmacht, entdecken wir erst im Lauf unserer 20er. Wir studieren, wir verlieben uns, wir machen eine Ausbildung, wir verlieben uns, wir arbeiten das erste Mal richtig, wir erleben das erste große Konzert (und verlieben uns).

Wir lösen uns von unserer Familie und erleben erstmals, was das Leben ausmacht: Versicherungen!

Versicherungen – Nr. 17 – #Onlinegeister

Podcast: Play in new window | Download | Embed Von heißem lustvollen Sex zu … Versicherungen. So schnell kann’s gehen. Doch wer sagt eigentlich, dass Versicherungen nicht auch sexy sein können? Zusammen mit Jan Schmidt von Haftpflichthelden sprechen wir über das Thema vor dem Hintergrund der Digitalisierung.

Krankenversicherung, Hausratversicherung, Haftpflichtversicherung – das sind die wichtigsten. Auch Zahnersatz, Kraftfahrzeug und so weiter beschäftigt uns, doch Versicherungen sind das, was uns zumindest in Deutschland ständig begegnet. Kaum sind wir 16 oder 18 Jahre alt und fertig mit unserer Ausbildung und schon müssen wir Versicherungen bezahlen, Wohnungen mieten und unser Essen selbst kaufen.

Manche von uns werden später auch selbstständig und müssen sich dann noch mit Unterschieden herumärgern, was eine gesetzliche und private Krankenversicherung unterscheidet.

Auch Wohnungen sind eine schwierige Sache: Meine erste eigene Wohnung. Fuck! Plötzlich bin ich allein, muss für mich selbst sorgen, bin Vertragspartner mit einem Vermieter. Wie richte ich mich ein, was brauche ich eigentlich zum Leben und wie hat Mama immer die Wäsche so sauber bekommen und wieso ich nicht? Manchmal klappt es besser und manchmal schlechter, aber die erste eigene Wohnung ist für jeden von uns ein erstes Abenteuer.

Ob nun im Studium, der Ausbildung oder erst danach: Wir denken gern oder ungern, aber immer an unsere erste Wohnung zurück. Das war ein Stück Freiheit und eben, ja, auch Verantwortung. Wir sind daran gewachsen.

Um die Altersvorsorge sollten wir uns möglichst früh kümmern. Auch wenn wir denken, dass sie noch weit weg sein wird: Kleine Beträge häufen sich und können in den späteren Jahrzehnten ein gutes Polster sein (aber dazu kommen wir noch).

Chronik des Mannes (0-30 Jahre)
  • 0-10 Jahre: Welt kennenlernen, alles ist neu, Mama und Papa sind Götter
  • 10-20 Jahre: Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln (Schule), Turtelei und Liebelei, Pubertät (keine Details nötig, grässliche Zeit), Ausbildung oder Lehre, Mama und Papa sind keine Götter (mehr)
  • 20-30 Jahre: Studium, Arbeit, erste Sinnkrisen, ernste Liebe und erste Beziehungen (die im Bestfall halten), Mama und Papa sind ein sicherer Hafen in stürmischer See

Das Leben des Mannes bis 50 Jahre

Unserer Karriere widmen wir uns vor allem in unseren Zwanzigern. Wir studieren, machen eine Lehre, Ausbildung oder manchmal auch alles zusammen. Verdammt, wir haben keine Ahnung, wer wir sind, was wir können oder wie gut wir eigentlich worin sind. In unserer Pubertät dachten wir schon alles zu können und zu wissen, aber jetzt merken wir: Meilenweit daneben. Das kann für uns eine frustrierende Zeit sein, aber sie hilft uns auch: Wir lernen uns selbst besser kennen und können einschätzen, wer wir eigentlich sind. Als Mensch. Als Mann.

Hat der Mann es bis 30 Jahre überlebt, kommen neue Herausforderungen: Altersvorsorge und Kredite. Fangen wir mit dem einfacheren Thema an: Kredite. In diesem Alter kaufen wir Männer Häuser, heiraten, verschulden uns, bekommen Kinder und machen richtig Karriere (das vorher war nur Training). In der Regel kostet das alles Geld. Ein Kredit oder Darlehen ergibt da häufig Sinn. Es gibt viele Kreditarten: Bankkredit, Lieferantenkredit, Arbeitgeberdarlehen, Privatkredit, Staatskredit, Organkredit etc. Als Normalverbraucher wird der Mann am häufigsten einen Bankkredit oder Privatkredit nehmen oder nehmen müssen. Der Mann sollte immer auf die Zinsen achten und den Gesamteindruck. Bei einem Bankkredit ist der Kreditgeber ein Bankinstitut, bei einem Privatkredit leiht mir ein anderer Mensch Geld. Wem vertraue ich mehr? Wie sind die Konditionen? Am Ende ist jedes Geschäft ein Vertrauensgeschäft.

Das gilt auch für die Altersvorsorge: Hier vertraut der Mann in die Zukunft – und dass er sie überhaupt erlebt! Bin ich Angestellter, dann habe ich auf meinem Lohnzettel unter “AV” bereits Altersvorsorgeleistungen. Das ist meine normale staatliche Rente. Doch die reicht nicht. Bin ich selbstständig und nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung, dann muss ich mich auch selbst und ständig und meine Altersvorsorge kümmern. Planen, prüfen, optimieren heißt hier die Devise. Niemals zurücklehnen und sich zufriedengeben, sondern in regelmäßigen (am besten jährlichen Abständen) prüfen, was ich eigentlich angelegt habe und wie viel.

Chronik des Mannes (30-50 Jahre)
Mit den Jahren wird das aber leichter. Ab hier kann ich nur mutmaßen, wie es vor sich geht, aber hoffe durch Gespräche und Empfehlungen von Freunden und Verwandten es gut genug wiederzugeben:

  • 30-39 Jahre: Karriere, Familie, fester Wohnsitz, Altersplanung
  • 40-49 Jahre: Familienprobleme (Pubertät, Ehe, Tode von Angehörigen), erste körperliche Beschwerden und das Abnehmen von Leistungsfähigkeit

Das Leben des Mannes ab 50 Jahre

Die goldene Zeit, die Best Ager und andere Etiketten werden uns dann aufgedrückt, aber worum geht es beim alt werden? Der Körper will nicht mehr wie früher, der Geist lässt nach. Aber das ist nicht schlimm. Denn diese Phase, die letzte Phase unseres Lebens, gehört nicht mehr uns, sondern unserer Familie und unseren Nachkommen. Wir haben erwachsene Kinder, haben Enkel und manchmal sogar Urenkel. Wir sind gern für andere da und schätzen die gemeinsamen Momente.

Wir können die Früchte ernten. Wir haben in früheren Jahrzehnten vorgesorgt und können unseren Lebensabend genießen. Wir haben viel Sport getrieben und uns fit gehalten; also können wir laufen, schwimmen und uns bewegen. Denn jetzt kommen die Entdeckungen: die Anbetung fremder Länder, die Faszination unbekannter Gerüche und neuer Ansichten. Das ist nochmal eine aufregende Zeit.

Chronik des Mannes (50+ Jahre)
  • 50-59 Jahre: Früchte der Erziehung (die eigenen Kinder werden erwachsen), manchmal Sinnkrise (MidLife Crisis), gesetzteres Leben oder nochmal richtig Aufdrehen
  • 60-69 Jahre: Letzte Arbeitsjahre, Neuorientierung, Großeltern(?)
  • 70-79 Jahre: Erste regelmäßige Bekanntschaften mit Ärzten und dem Gesundheitssystem, manchmal schlimmere körperliche Leiden, aber auch reifende Enkel und gesetztere Kinder
  • ab 80 Jahren: Das Leben genießen

Wird jeder Mann so?

Unser Leben ist nicht in Stein gemeißelt – und alles, was weiter oben steht, sind Stereotype und Verallgemeinerungen. Kein Mann ist “der Mann” – wir sind alle Männer. Es geht um die Ideale, die wir mit Männertum verbinden: Fürsorge für den Nachwuchs, ein Vorbild sein, Selbstvertrauen usw. Toxische Maskulinität hilft aber keinem – Affiges Gehabe und Dominanzgesten sind nicht männlich, sondern lächerlich.
Unser Überblick über alle Lebensstationen ist niemals abgeschlossen. Was uns mit 16 Jahren faszinierte, ödet uns mit 32 vielleicht an, aber interessiert uns mit 64 Jahren plötzlich wieder. Auch meine Chronik des Lebens ist nur eine idealisierte Mutmaßung. Sie kann richtig sein oder völlig falsch.
Der Autor: Christian Allner

Als Schrift-Architekt berät und betreut Christian Allner seit 2011 KMUs darin, besser zu kommunizieren und Social Media zu verstehen. Mit verschiedenen Bildungsträgern bietet er Seminare und Workshops an und ist als Speaker auf Barcamps und Events aktiv.

Daneben schreibt er u.a. für Social Media Statistiken, macht Radio mit #Onlinegeister und coacht bei Selbständig in Mitteldeutschland. Begeisterter Hobbykoch und Boulderer.


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