Wir alle kennen die alte Weisheit “Schönheit liegt im Auge des Betrachters”! Was aber, wenn das Auge des Betrachters mit bei dem Objekt liegt und das Objekt dazu alles andere als schön ist? Jonathan Payne schafft es mit seiner Serie an organischen Skulpturen, den “Fleshlettes”, den Betrachter auf dem schmalen Grat zwischen Ekel und Faszination entlang wandern zu lassen. Er ist als Künstler aber weitaus vielseitiger. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Der Durchschnittsmensch denkt bei Namen wie “Tonya” und “Eileen” vielleicht an Frauen aus dem englischen Sprachraum. Was einem überhaupt nicht in den Sinn kommt sind eine Zunge mit Zähnen anstatt Geschmacksknospen oder ein Augapfel. Das heisst, bis man die Skulpturen von Jonathan Payne gesehen hat. Danach werden diese Namen untrennbar mit den aus Modelliermasse, Acryl und Haaren hergestellten Skulpturen verbunden sein. Wie ein verrückter Wissenschaftler mischt er Körperteile miteinander, bis er etwas geschaffen hat, bei dem wir weder wegschauen noch näher hinsehen können.

Hi Jon. Wie hat Dein Interesse an Kunst angefangen?
Meine Begeisterung für Kunst habe ich schon von klein auf. Ich zeichne und male seit ich einen Bleistift halten kann.

Woher bekommst Du Deine Inspiration?
Für die “Fleshlettes” ziehe ich sie aus dem menschlichen Körper und seinen Mutationen. Für meine traditionelleren Arbeiten kommt meine Inspiration von den Monster-und Science-Fiction Filmen der Achtziger, sowie von den erstaunlichen Bildhauern von denen ich lernen durfte.

Welche Materialien verwendest Du für die “Fleshlettes”?
Ich benutze vornehmlich Super Sculpey (Keramikähnliche Skulpturmasse), das ich mit Acrylfarben bemale. Für meine anderen Skulpturen benutze ich meistens Monster Clay (Ölhaltiger Modellierlehm).

Wie würdest Du Deine Kunst beschreiben und wie bist Du überhaupt dazu gekommen?
Ich bezeichne meinen Stil gerne als “Surrealen Hyperrealismus”. Die “Fleshlettes” entwickelten sich aus dem Wunsch heraus, Teile des menschlichen Körpers zu Übungszwecken zu formen. Sie wurden zudem von dem Teratom (Von griech. “Monstrosität” – Ein aus Stammzellen bestehendes Mischgeschwulst) inspiriert, das man meiner Schwägerin während einer Operation aus dem Körper entfernt hat.

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Kannst Du uns Deinen kreativen Prozess als Bildhauer beschreiben?
Normalerweise beginne ich mit dem Ziel ein neues Fleshlette oder Modell zu entwerfen. Auch wenn ich ständig auf der Suche nach Inspiration in der Welt bin, glaube ich nicht, dass man darauf warten kann dass sie einen auch wirklich trifft. Ich beginne immer mit einer Bleistiftzeichnung und modelliere danach eine kleinere Version, um die Form dreidimensional zu erarbeiten. Erst wenn ich damit zufrieden bin fange ich mit der Skulptur in Originalgröße an.

Du arbeitest auch im Bereich digitale Kunst. Erzähle uns was darüber.
Natürlich. Ich habe mich dem Ziel verschreiben ein besserer Zbrush Künstler zu werden und lerne auch gerade in Oculus Medium das Modellieren in virtueller Realität. Beide Tools haben erstaunliche Vorteile. Aber die traditionelle Bildhauerei ist immer noch mein Favorit.

Gibt es noch andere kreative Bereiche in denen Du in Zukunft tätig werden willst?
Ich versuche ein besserer und schnellerer Bildhauer zu werden. Außerdem möchte ich noch viel mehr über das 3D-Modellieren in VR und das Malen in Oculus Medium und “Quill” wissen. Es gibt noch so viel zu lernen!

Wie entspannst Du Dich neben Deiner kreativen Arbeit?
Ich liebe es Zeit mit meiner Familie zu verbringen! Wenn sie aber schlafen spiele ich Videospiele, auch in VR. Man kann heutzutage so viele interessante digitale Erfahrungen sammeln, hat aber viel zu wenig Zeit um sie auch wirklich alle auszuprobieren.

Vielen Dank für das Interview Jon und viel Erfolg für die Zukunft!
Vielen Dank.

Hier geht es zur Webseite von Jonathan Payne

Bildnachweis: Jonathan Payne

Über den Autor

Thilo Heffen

Thilo Heffen

Thilo Heffen ist der Gründer von EXIMUM. Er schreibt über Dinge die er liebt und Dinge die er interessant findet. Manchmal schreibt er auch über Themen die er nur mag.