1. September 2018. Sicher hat der See in der Nähe von Arvidsjaure einen Namen…wirklich wichtig ist er aber dann doch nicht. Still liegt er am späten Nachmittag vor dem Kanu und strahlt die langsam unter-gehende Sonne warm wieder. Am Himmel steht nur blau, nicht eine dunkle Wolke ist dieser Tage zu sehen. Und doch kündigt sich überall der frühe Herbst an…die Bäume färben sich stetig mehr in ein sattes Gelb und sachtes Rot. Es ist nicht die in Mitteleuropa bekannte, eher vielfarbige Pracht….wer jedoch einmal den schnellen Übergang ins strahlende Feuerrot der Birkenwälder erleben durfte, wird sich zeitlebens daran erinnern. Still ist es allerorten geworden. Nur in der Ferne ist die Kettensäge eines Hausbesitzers leise zu hören. Um dann ganz pünktlich zum 4-Uhr-Kaffee (auf einer ganz sicher gemütlichen Terrasse mit Seeblick) für diesen Tag endgültig zu verstummen.

Die Stille der Seen in Schwedisch-Lappland (und des Fjälls) hat es mir seit Jahrzehnten angetan. Abseits der Hauptrouten ist sie für ungewohnte Städterohren regelrecht ohrenbetäubend…nur unterbrochen vom Plätschern am Bootsrumpf, dem langgezogenen Schrei eines Adlers oder dem Klicken der eigenen Kamera paddelt bzw. wandert es sich entspannt. Auch nach so vielen Tourenjahren immer wieder staunend innehaltend über diese Pracht gleitet mein schnittiger Aluminiumkanadier durch das heute tiefblaue und ruhig daliegende Wasser.

Den Einstig im Schilf zu finden, war nicht ganz so einfach und führte über einen sehr schmalen Seeausfluss in den nächsten See. Dort ging es an einer erfolgversprechenden Kante vor dem Schilfgürtel gleich an die Beschaffung des Abendessens. Nach dem zweiten Auswurf des hellorangenen Wobblers griffen die großen Barsche fleißig zu…Angeln aus dem Bilderbuch und für den Topf am Abend. Catch und Release ist hier weit verbreitet, allerdings stelle ich das Fischen schnell ein. Wofür die Tiere rausholen….wenn nicht für die Pfanne? Einer reicht vollauf.

Nach einigen Stunden Seepaddeln, Wegsuche im Schilf und Kopfabschalten lädt ein sanfter Hügel zum Anlanden ein. Die Feuerverbote des heißen Sommers 2018 sind wieder aufgehoben und so lässt sich an einer zugewucherten, uralten Feuerstelle schnell und leicht ein gemütliches Camp mit bestem Seeblick (in garantiert unverbaubarer Lage) einrichten. Durch die ersten Nachtfröste sind die Mücken sehr spärlich und schmackhafte Pilze ploppen nach dem letzten Regen vor 2 Tagen auf. Im Kraut finden sich Blaubeeren soweit das Auge reicht.

Das Leichtzelt, um die Jahreszeit auch ohne Innenzelt, ist schnell aufgestellt, der gefangene Barsch geputzt und entschuppt. Doch zu groß für das Töpfchen des uralten Armeespirituskochers wird er flott in Koteletts geteilt und gekocht. Zusammen mit einer Dose Bier, einem frisch gebackenen Brotfladen und hernach einer Tasse Kaffee ein wahres Königsmahl im Wald! Gemütlich an einer alten Birke angelehnt, im warmen Kraut sitzend, lässt es sich gut aushalten. Zusammengerollt wie ein Siebenschläfer, weit und breit alleine, wird dann auch aus dem Hinsetzen ein erfrischendes

Nickerchen in der Stille……

Der Abend findet mich an einem kleinen Feuer aus aufgelesenem Birkenbruchholz und frischem Kaffee aus dem Kaffeekessel. Ihn so russgeschwärzt und verbeult nun seit fast 40 Jahren in den tanzenden Flammen hängen zu sehen, ist mein Inbegriff der persönlichen Freiheit. Wie seit jeher denke ich dann an viele Kameraden aus den Tagen der Pfadfindertouren in den 80er/90er Jahren und an die vielen eigenen Kanu-/Trekking-/Wintertouren im Norden seither. Auch durch die lange Dienstzeit als Gebirgsjäger hat er mich treu begleitet.

Nach der diesjährig ersten Frostnacht im warmen Schlafsack weiß ich, dass der Herbst nun da ist. Bald wird sich auch alles Laub verfärbt haben und die langen, rauen Nächte beginnen. Für mich die schönste Jahreszeit im Norden. Auf der entspannten Rückfahrt gehen mir dann früh morgens auch noch 2 schöne Hechte an den Haken, die tags drauf für die Gästegruppe eines befreundeten Guides mit Butter-Öl-Knoblauch-Kräuter-Sauce zubereitet werden. So kann ich die zuvor genossene Gastfreundschaft ganz stilecht erwidern. Schwedisch-Lappland pur.

Tipps zu Touren in der (nord)schwedischen Natur

Wer alleine rausgeht, braucht Kanu-/Tourenerfahrung und ein waches Auge: Herbst und Winter haben es im Norden in sich. Für alles, was man dort tut, ist man ebenso selbst verantwortlich, wie sehr oft auf sich selbst gestellt. Zur Kanuausrüstung gehört ein zuverlässiges Boot, hier ein stabiler 2er-Alukanadier, der auch solo gut läuft. Stets dabei sind die gut sitzende Schwimmweste, ein Reservepaddel (!), Sonnenbrille und Kopfbedeckung, gut wetterangepasste Kleidung, Sanitätspäckchen, ein stabiles Messer, ausreichend Essen, Feuerzeug und ein aufgeladenes Handy. Die Verbindung ist oft recht gut, so dass man ggf. auch im Notfall telefonieren kann.

Unterstützung oder Rettung steht allerdings nicht wie in der Stadt bereit und kann auf sich warten lassen. Um dann ggf. den Standort angeben zu können, sollte ein GPS ebenso dabei sein, wie eine stets aktuelle Karte und ein guter Kompass im wasserdicht gepackten Sack. Auch bei Tagesausflügen gehört dies immer an Bord….wer im Falle eines Kenterns keine Ersatzkleidung dabei hat und ggf. auch ohne Feuer fest sitzt, kann tagsüber im Wind oder in Herbstnächten bei fallenden Temperaturen um den Gefrierpunkt echte Schäden davontragen. Oder schlicht an einer Unterkühlung sterben.

Die Wassertemperatur ist, anders als die noch kräftige Sonne suggeriert, oft deutlich geringer! Je nach Windstärke ist es ratsam, sich auf der windgeschützten Uferseite knapp unter Land zu halten. Wer große Seen überqueren will, muss zwingend wissen, wie die örtlichen Windverhältnisse sind und welches Wetter angesagt ist. Es ist elementar, sicher aus dem FF zu beherrschen, wie man sein umgeworfenes und vollgelaufenes Kanu mitten auf dem See schnell und Kräfte schonend wieder aufrichtet …und vor allem wie man alleine wieder hineinkommt!

Ob man einen Trockenanzug oder Neoprenanzug mitführt oder nicht, ist einem selbst überlassen….bei paddelnden Schweden habe ich noch keinen gesehen. So spät im Jahr, so kurz bevor der Schnee Ende September bis Mitte Oktober kommt, wäre dies aber schon mal einen Gedanken wert: in 10 ° kaltem Wasser versagen die Muskeln schnell den Dienst. Nach nur 5 Minuten kann man dann i.d.R. kaum mehr einen Reißverschluss bedienen, geschweige denn Schuhe aufbinden oder auch nur ein Streichholz anreißen. Hunderte Meter zu schwimmen ist meist auch nicht drin.

In Kombination mit einer Verletzung, Krankheit und Wind kann dies ggf. schnell fatal enden. Bei kräftigem Wind und kleinen Wellen mit weißen Schaumkronen empfiehlt es sich, am Ufer entlang zu fahren oder eben ein anderes Mal aufs Wasser zu gehen. Es ist vor allem bei Solotouren ratsam, sich abzumelden und die Route mitzuteilen: Wer die Route verlässt und doch mal in ernste Schwierigkeiten gerät, wird ohne Kontaktmöglichkeit ggf. nicht gefunden. Die Weite des Landes ist für unerfahrene Kanutrekker oft schwer einschätzbar…es gibt Gegenden, in denen man Tage lang paddeln kann, ohne auch nur einen (nicht selbst gemachten) Zivilisationslaut zu hören oder einen Menschen zu treffen. Für Trekkingtouren mit Zelt und Rucksack gelten Teile analog, andere werden extra beschrieben.

Naturschutz bei Outdooraktivitäten in Schweden

Das schwedische „Friluftsliv“ hat im Leben der meisten Schweden einen sehr hohen Stellenwert und wird traditionell auch den Touristen und Besuchern uneingeschränkt zugestanden. Das sog. Allemansrätten gestattet auch Besuchern den freien Zugang zur Natur und deren Nutzung in einem weiten und dabei auch recht klar definierten Rahmen. Einfach übersetzt mit „Jedermannsrecht“ ist dabei jedermann berechtigt…aber nicht alles ist erlaubt. Leider führt dieses „Missverständnis“ zunehmend zu einer Verärgerung seitens vieler Schweden und Behörden. Auf der offiziellen Website des schwedischen Naturvårdsverket finden sich die Details.

Die Schweden freuen sich stets, wenn ihre Natur respektiert und ihre Regeln eingehalten werden.

Über den Autor

Christoph Maretzek

Christoph Maretzek

Christoph “Zeck“ Maretzek, DiplSozPäd (FH), Jahrgang 1967 ist als leidenschaftlicher Naturfreund seit fast 40 Jahren zu Fuß, mit dem Kanu oder auf Ski, oft auch solo unterwegs. Er ist u.a. als Bergwanderführer (A), Trekking-/WildernessGuide und KanuGuide ausgebildet. Als langjähriger Tourenleiter und Instructor gibt er heute mit Leidenschaft seine Erfahrung und Können in der Guide-Academy-Europe (GAE) weiter. 2003-2018 war er u.a. als Ausbilder und Ausbildungsleiter im damaligen Internationalen Wildnisführerverband (IWV e.V.) in der Wildnisführerausbildung, sowie langjährig als Ausbilder in der Gebirgstruppe der BW tätig. In der von ihm gegründeten Guide Academy führt er mit einem Team von ausgebildeten Spezialisten und geschulten Guides u.a. auch die weiterentwickelten Ausbildungen zum TrekkingGuide, WinterGuide etc. durch. Guides, Privatiers, Teams und Gruppen können sich unter http://trekk-n-guide.eu/ informieren und an Ausbildungen, Trainings und Seminaren teilnehmen.

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