“Sie sind ja nicht dick, Herr Heffen, Sie sind gut gebaut!”

Bei diesem Satz bekomme ich jedes mal einen sauren Geschmack im Hals und mir wird leicht schwindelig. Ich habe mir nämlich im Lauf der Jahre 150 Kilo auf mein Skelett geschmiert. Kein unwesentlicher Teil davon ist Fett. “Stützfett” wie ein dünner Freund von mir sarkastisch meint. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist dass mir Leute, wenn die Sprache darauf kommt, immer wieder mit derselben Sie-sind-nicht-dick-sondern-groß/gut gebaut/kräftig-Leier kommen. Da fühle ich mich teilweise schon verarscht.

Das sind dann auch die Menschen die vor lauter Angst, jemanden zu kränken oder zu beleidigen, im Kreis rotieren und mit Wortmonstern wie “Stark pigmentierter Mitbürger afrikanischer Herkunft” um sich werfen. Obwohl die meisten Schwarzen, würden Sie sie nach ihrer Farbe fragen, mit “schwarz” antworteten. Die haben nämlich Spiegel und sind in der Regel bei sowas eh’ viel gelassener als wir. Aber das ist ein Thema für einen anderen Post!

Ich bin dick!

Und da hilft auch keine Political Correctness oder der Versuch, einen anderen absurden Ausdruck dafür zu verwenden. Ich bin dick. Punkt. Und ich weiss das weil ich a) Auch mehrere Spiegel zuhause habe und ich b) Mit all den Unannehmlichkeiten, die das dick sein nun mal so mit sich bringt, leben muss. Lassen Sie also den Mist wenn Sie mich beschreiben wollen und nehmen Sie das Wort, das meinen Körper am besten beschreibt (Wahlweise akzeptiere ich noch “sexy”).

Ich wünschte mir manchmal dass ich mit einer Schilddrüsenfehlfunktion oder Medikamentennebenwirkung kontern könnte. Aber das ist nicht! Ich bin nämlich dick weil ich jahrelang wie ein Scheunendrescher jeden ungesunden Mist in mich hineingestopft und meinen alternden Körper nur von der Couch aufs Klo bewegt habe. Das unterstelle ich übrigens den meisten von uns.

Wir bezeichnen Menschen als groß, klein, alt und jung. Warum ist der Ausdruck “dick” der einzige, der negativ besetzt ist?Ich selbst

Und wie die meisten von uns habe ich jahrelang geglaubt dass es irgendwo eine Wunderpille, einen Saft, ein Pulver oder wenigstens eine einfache Methode gibt, die überflüssigen Pfunde loszuwerden. Überraschung: Fehlanzeige! Das einzige, was wirklich hilft, sind die richtige Ernährung und Bewegung. War vor 5000 Jahren so, wird in 5000 Jahren so bleiben. Und jetzt kommen Sie mir nicht mit Magenband- oder -verkleinerung, Fettabsaugung oder sonstigem. Wie gestört sind wir eigentlich dass wir uns Kanülen in den [Setzen Sie hier das Körperteil Ihrer Wahl ein] jagen lassen um unsere eigenen Körperzellen zu entfernen, nur weil wir ständig fressen müssen?

Halten wir hier mal grundsätzliches fest:

  1. Dick sein ist ungesund
  2. Dick sein ist nicht der Urzustand des Menschen

Sie sehen, ich bringe die Ästhetik gar nicht ins Spiel. Auch ich bin überzeugt davon dass uns weder die Medien noch die Gesellschaft ein Körperbild diktieren sollten. Ganz egal ob Rubens oder Twiggy. Und die Geschmäcker sind verschieden. Aber ich glaube auch kein Wort wenn mir jemand, der richtig dick oder fett ist, erzählen will dass er/sie total gesund ist und den eigenen Körper liebt. No way! Im Leben nicht!

Über 67% der Männer und 53% der Frauen in unserem Land sind übergewichtig, über 23% der Männer und Frauen sogar adipös. Na herzlichen Glückwunsch uns allen dazu, haben wir gut hingekriegt. Wir bewegen uns auf eine Gesellschaft zu in der die Gesundheitskosten explodieren werden weil wir an keinem Schokoriegel vorbeilaufen können. Und ich nehme mich da nicht aus.

Vielleicht sollten wir jetzt mal die Bremse ziehen, bevor eine Schlaganfallwelle durch unser Land rauscht wie eine La Ola-Welle im Fußballstadion. Ich für meinen Teil habe vor kurzem ein kleines Experiment gewagt. Ich habe 11 Tage lang so gelebt wie ICH denke dass es gesund ist. Nur um mal zu sehen was da so bei rauskommt. Ernährung war natürlich ein wesentlicher Bestandteil. Das waren die Regeln:

  • Honig statt Zucker
  • Obst statt Süßigkeiten
  • Tee/Wasser statt Softdrinks
  • Selber kochen statt Fastfood
  • Tägliche Bewegung statt Couch
  • Intermittierendes Fasten statt sinnlosem Fressen
  • Nur zweimal am Tag essen
  • Keine Snacks
  • Kein Handy/Tablet am Bett (eBook Reader ist erlaubt)

Ergebnis: Besserer Schlaf, besserer Stuhlgang, viel ausgeglichener und knapp 6 Kilo runter. Muss ich mehr sagen? Ja, muss ich. Das mache ich aber in einem eigenständigen Artikel. Ich versuche das Experiment zu einem permanenten Zustand zu machen, jetzt wo ich schon mal angefangen habe. Toitoitoi…

Hinterlassen Sie mir IHRE Meinung zu dem Thema in den Kommentaren! Ich gehe so lange eine Runde spazieren und esse danach was.

Herzlichst,

Ihr

 

 

 

 

Über den Autor

Thilo Heffen

Thilo Heffen

Thilo Heffen wurde 1970 geboren und ist immer noch nicht tot. Sein Berufsleben besteht zum großen Teil aus Titeln mit dem Präfix "Ex-", wie zum Beispiel Ex-Soldat, Ex-Netzwerkingenieur, Ex-Filmemacher, Ex-Operations Manager oder Ex-Niederlassungsleiter. Wird er gerade nicht von Frau, Kindern oder Hund in Beschlag genommen, versucht er auf EXIMUM Beiträge so interessant zu schreiben, dass sie auch von anderen gerne gelesen werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar