“BLOSS EIN T-SHIRT”

Der Siegeszug eines Klassikers

Geschichtlich betrachtet, gibt das klassische T-Shirt in seiner weißen Basisversion nicht unbedingt viel her. Dieses, bis vor knapp 70 Jahren noch unter einem Oberhemd getragene Kleidungsstück, diente vor allem dazu den männlichen Körper vor Kälte zu schützen, während es im Sommer hauptsächlich aus schweiß-saugenden Gründen angezogen wurde.

Wobei als Vorgänger die von Seeleuten getragenen Leibchen angesehen werden dürfen. Sie erinnern sich an die mit schwarzen Querstreifen versehenen, aus reiner Baumwolle hergestellten T-Shirts, die in so manch einem Hollywood Schinken gezeigt wurden?

Sozusagen der Urtyp dessen, was heute als das klassische T-Shirt gilt. Fakt ist, dass zu jenen Zeiten das T-Shirt einen eher praktischen Zweck zu erfüllen hatte und kein modisches “Must Have” war.

Feucht mit Dewey

An die Öffentlichkeit trat es erst, als ein recht bekannter amerikanischer Präsidentschaftskandidat das T-Shirt als potenziellen Werbeträger ausmachte. Dieser Präsidentschaftskandidat, mit Namen Thomas Dewey, ließ im Jahre 1948 auf weiße T-Shirts, den Werbeslogan „Dew with Dewey“ aufdrucken. Gleichbedeutend mit „Feucht mit Dewey!“ Dies stellte eigentlich einen schriftlichen Faux Pas dar, denn der Slogan sollte ursprünglich “…do with Dewey“, also “…mach es mit Dewey,” lauten.

Auch wenn dieser wohl missverstandene Slogan zur damaligen, eher puritanischen, Zeit für mehr als nur einen Lacher sorgte: Das T-Shirt war erstmals in aller Munde.

In den darauf folgenden Jahren erinnerte man sich, Hollywood sei es ausnahmsweise gedankt, dieses Bekleidungsstückes und steckt zwei der wohl bekanntesten Akteure der amerikanischen Filmlandschaft in eben diese. James Dean und Marlon Brando. Auch jenen, die zur Zeit der Filme „Denn sie wissen nicht was sie tun“ und „Endstation Sehnsucht“ noch nicht geboren waren, sind die beiden Legenden des amerikanischen Films im T-Shirt ein Begriff. Von da an, so darf zugegeben sein, gewann dieses simple Bekleidungsstück zunehmend an Bedeutung.

Es erreichte Kultstatus!

Das klassische T-Shirt - Moderner junger Mann mit Afro und Sonnenbrille
Bildquelle: Alex Holyoake on Unsplash

Dieser wurde nicht zuletzt dadurch ausgelöst, dass zwei rebellische Typen ein simples Bekleidungsstück mit der Selbstverständlichkeit eines Oberhemdes trugen, ohne dabei auf die sozio-kulturellen Ansprüche der damaligen Gesellschaft Rücksicht zu nehmen. Etwas, wofür Mann und Frau heute noch dankbar sein müssen.

Vom Rebellen-Outfit bis hin zum Designerteil hatte es das klassische T-Shirt dann alles andere als weit. Den beiden unsterblichen Helden Dean und Brando war es zu verdanken, dass sich dieses Oberteil, das bis zu diesem Zeitpunkt eher dazu diente, versteckt getragen zu werden, auf (fast) jedem Männer-Body fand.

Besonders darüber gefreut haben dürften sich die Hersteller von weißen T-Shirts. Vom T-Shirt Stil a la Brando und Dean wurden aufgrund des werbewirksamen Auftretens binnen kürzester Zeit rund eine halbe Million Stück verkauft. Nun ist seit der Zeit, als es noch echte, wirkliche Hollywoodstars gab, etwas Wasser den Mississippi hinunter gelaufen.

 

Dem Werdegang wie auch den Verkaufszahlen des T-Shirts hat dies mit Sicherheit nicht geschadet. In allen nur möglichen (und unmöglichen) Farben, Varianten und Qualitätsarten gibt es sie. Wer dabei nur an H&M oder Aldi denkt und daher glaubt, dass diese vor allem als billiges Allerweltsding herhalten müssen, irrt gewaltig.

Es geht auch edel. So darf, muss, kann man (sofern man möchte) mehrere tausend Euro für ein T-Shirt aus dem Hause Gucci und Co hinblättern. Diese, mit allerlei Glitzerzeug und Drucken verunstalteten T-Shirts, überlässt der Mann von heute aber jenen, denen sie besser zu Gesicht stehen. Wie zum Beispiel einem Justin Bieber.

Wir aber sprechen von einem Klassiker. Oder stellen Sie sich vor, sie müssten auf einer pinkfarbenen Harley sitzen. Da bekommt das Thema Original gleich nochmal einen anderen Stellenwert.

Bei (fast) jeder Gelegenheit eine gute Wahl

Was ist es aber, dass das klassische T-Shirt so lange am tragbaren Leben gehalten hat? Sind es die praktischen, bequemen Eigenschaften? Ist es nach wie vor das Flair des Rebellischen? Zweiteres wohl kaum.

Genießt dieses Bekleidungsstück, das wohl in jedem Kleiderschrank eines Mannes gleich mehrfach vertreten sein dürfte, einen geradezu „Must-have-Status“? Auch in jenen, deren Besitzer alles andere als rebellisch anzusehen sind? Es dürfte wohl daran liegen, dass man mit diesem guten Stück (dem kleinen Schwarzen der Frauen nicht ganz unähnlich) immer gut beraten ist.

Ganz nach dem Motto: „Rein in die Jeans oder auch die schwarze Hose, das klassische weiße T-Shirt darüber, vielleicht noch (Der Temperatur entsprechend) ein leichtes Sakko drüber und fertig ist der Mann“.

Foto von Oleksandr Pidvalnyi

So angezogen würde man auch im Casino von Monte Carlo gut ankommen. Aus welchem Hause das jeweils getragene T-Shirt auch stammen mag, es ist ein, wenn nicht sogar DER Klassiker.

Einer, der dem Mann auch dann noch Stil verleiht, wenn er neben diesem nicht mehr allzu viel am Leibe trägt. Tatsache ist, dass dieses Shirt, wie kaum ein anderes Kleidungsstück, den Begriff des Understatements verinnerlicht. Ein Understatement, das, trotz aller Totsagungen und Wiederauferstehungen einem Mythos entspricht, der in Bezug auf Kleidung (neben allem anderen) kaum wahrhaftiger sein könnte.

Und das in Anbetracht, dass wir hier von einem Teil sprechen, welches im Schnitt kaum mehr als 160 Gramm auf die Textilwaage bringt.

Fest steht, dass dieses Kleidungsstück, wie kaum ein anderes, einen bleibenden und hoffentlich noch lange erhaltenden Imprint hinterlassen hat. Denn, mit welchen „Neuheiten“ die Modewelt uns in Zukunft auch noch bedrängen möchte: Uns Männern bleibt immer noch der Zugriff auf etwas, das unter anderem den wahren Kern eines Mannes ausmacht. Den Zugriff auf das Wesentliche.

Headerbild: Foto von Pixabay


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