Den Begriff „Whisky“ verbinden die meisten Menschen nach wie vor mit Schottland oder Irland. Das sollte sich aber schleunigst ändern, denn deutscher Whisky ist schon seit Jahren international anerkannt und konkurrenzfähig. Wie zum Beispiel der von Karl-Holger Höhler aus der Gemeinde Aarbergen im Untertaunus. Ein Porträt.

“Den hier hatten wir uns auch neu angeschafft”, sagt Karl-Holger Höhler und tätschelt fast liebevoll den mannshohen Brennkessel aus Kupfer  “und ein bisschen Marke Eigenbau ist bei dem Ganzen auch dabei” er schaut durch seine randlose Brille und lächelt. Im Nebenzimmer steht, gleich bei einer alten Küchensitzecke aus dunklem Holz, ein großer, bis an die Decke reichender Heizkessel. Trotz der Dämmfolie strahlt er ordentlich Wärme aus. Auf Regalen sind überall Flaschen, Einmachgläser mit Malz und andere Utensilien, die zum Alltag einer kleinen Brennerei gehören. Rohre verschwinden in Decke und Wand. Hier wird deutscher Whisky hergestellt.

Vom Getreidefeld ins Glas: Whisky Teil I

Ursprünglich stammt das „Wasser des Lebens“ aus Schottland („Uisge Beatha“) oder Irland („Uisce Beatha“) – die beiden Länder streiten noch heute über den genauen Ursprung. Von dort aus fand das Rezept seinen Weg über Europa nach Amerika, Kanada, Indien und sogar Japan. Die primäre Zutat variiert und richtet sich nach der geografischen Lage des Herstellungslandes. Amerikanischer Bourbon beispielsweise besitzt einen hohen Maisanteil, während Scotch und Irish Whisky hauptsächlich aus Gerste hergestellt werden.

Wichtig ist aber immer der Stärkeanteil in der Getreideart, der sich durch die alkoholische Gärung in die maximale Menge Zucker umwandeln lässt.

Gebrannt wird die Alkohol-Wasser-Mischung entweder in kupfernen Brennkesseln (engl. „Pot Stills“) oder über Säulendestillation (engl. „Column Still Distillation“), wie sie von Anfang an in allen großen Destillerien in den USA benutzt wurden. Nach dem Brennen muss der Whisky reifen. Das geschieht normalerweise in Eichenfässern. Nur in wenigen Ländern, darunter Deutschland und Schweden, ist die Reifung in Fässern anderer Holzarten erlaubt. Je nach Land dürfen dafür frische, ausgebrannte oder auch gebrauchte Fässer zum Einsatz kommen.

Karl-Holger Höhler, ein sympathischer Mann im blauen T-Shirt, das sich über sein kleines Bäuchlein spannt, nimmt von einem alten Sideboard, auf dem ungefähr fünfzehn seiner Produkte stehen, zwei Gläser und eine Flasche seiner neuesten Kreation. Gin. Nicht ungewöhnlich für eine kleine Brennerei wie seine, deren Produktpaletten vielfältig sind.

Deutscher Whisky - Karl-Holger Höhler und Tochter Maren Küsel

Karl-Holger Höhler und Tochter Maren Küsel (Foto: EXIMUM)

Wie die Jungfrau zum Kinde

“Ich hatte nie vor dauerhaft zu brennen,” fängt er an, “aber nachdem ich mich in meiner alten Firma mit meinem Chef überworfen hatte, da musste ich ja irgendwas machen.” Er fährt sich mit der anderen Hand durch seinen grauen Vollbart. “Irgendwas” ist in seinem Fall das Brennen von Obst, das seit 1895 von Ansässigen im Dorf zum Bauernhof seiner Eltern, Groß- und Urgroßeltern gebracht wird. Die Versuche, als Verkäufer oder Monteur Fuß zu fassen, dauern nicht lange an. Er kommt immer wieder zur Obstbrennerei zurück. Zu dem Brummen des Mahlwerks in der Brennblase nebenan gesellt sich ein leichtes Plätschern. “Moment, ich muss kurz rüber!” sagt der 64-Jährige und verschwindet im Nebenraum, wo die Arbeit auf ihn wartet.

Aus dem nebenbei brennen wird Anfang des Jahrtausends die „Schnapsidee“: Deutscher Whisky! Der hat auch schnell einen Namen, “Whesskey”, der Produkt und Herkunft vereint. Als eine von damals ca. zehn Destillerien in Deutschland begibt er sich auf das Abenteuer. “Wir haben den Erlös aus einem Landverkauf in die Brennerei gesteckt.” Er sitzt wieder am Tisch “innerhalb von drei Tagen hatte ich von den Behörden die Erlaubnis der freien Rohstoffwahl und ab dann fingen meine geilsten zehn Jahre an. Bis dann das deutsche Branntweinmonopol aufgelöst wurde. Aber bis dahin hatte ich fast alles gebrannt, ausprobiert, auch viel Schrott!”. Er lacht.


Infografik: Darf's ein Whiskey oder Whisky sein? | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista


“2004 hat der hessische Rundfunk vor dem Auge der Kamera eins meiner Fässchen aufgemacht und darüber berichtet.“ Ein stolzes Grinsen zieht sich über sein Gesicht. Und das ist auch gerechtfertigt, denn seine Produkte genießen einen erstklassigen Ruf selbst über die Landesgrenzen hinaus.

Sogar Jim Murray, der britische Whiskypapst, wurde auf das heimische Erzeugnis aufmerksam und forderte eine Probe. Deutscher Whisky? Kannte man bis dato (noch) nicht. Aber mit 91 erreichten Punkten von 100 bescheinigte der Experte dem Destillat: “Brilliant”! Dazu vergab er den Award “Bester Whisky des europäischen Festlandes 2004”.

Deutscher Whisky - Die Brennblase

Die Brennblase aus Kupfer – Das Herzstück (Foto: EXIMUM)

Der Weg in die Zukunft

2010 folgt – nach abgeschlossener Ausbildung – die Ernennung zum landwirtschaftlichen Brennmeister. Aber Karl-Holger Höhler beschäftigt da schon etwas anderes. “Ich dachte, ich mache mit 65 Schluss, weil meine Kinder die Brennerei nicht fortführen wollen. Dementsprechend habe ich gearbeitet. Vor zwei Jahren hat sich meine Tochter Maren aber dann doch entschieden, das alles hier zu übernehmen.” Für ihn bedeutet das, dass er seine Pläne ändern muss. Er wird wohl noch ein paar Jahre länger arbeiten, bevor seine Tochter, die die Geschäftsführung der Brennerei übernommen hat, selbst soweit ist und alles komplett machen kann.

Vom Getreidefeld ins Glas: Whisky Teil II

Es gibt viele Whiskysorten: Der schottische Malt Whisky, der zu den besten der Welt zählt und zweifach oder sogar dreifach auf Pot Stills destilliert wird, Grain Whisky auf Basis einer beliebigen Getreideart (Heutzutage aus Weizen oder einer Getreidemischung) oder Blended Whisky.

Der bekannte Bourbon und die Tennesse Whiskys aus den USA sind fast identisch, wobei sich zweiter vom Bourbon durch eine zusätzliche Filterung mit Aktivkohle vor der Lagerung unterscheidet. Erwähnenswert bleiben noch der Rye Whisky, der einen Roggenanteil von mindestens 51 Prozent enthalten muss, und der Corn Whisky, der zu einhundert Prozent aus Mais besteht.

Am Ende bleibt es eine Frage des persönlichen Geschmacks und der eigenen Vorlieben, welcher Whisky für einen der richtige ist. Zu guter Letzt: Wie Sie das Wort „Whisky“ schreiben, ob mit oder ohne „e“, ist egal. Die Schreibweise richtet sich nach dem Herkunftsland. In Irland und den USA ist das „Whiskey“, in Schottland und dem Rest der Welt „Whisky“. Merken Sie sich einfach, dass in Ländernamen mit einem „e“ in der heimischen Schreibweise auch ein „e“ in den Whisky kommt.

“Ich muss jetzt weitermachen und noch ein paar Dinge erledigen!” sagt er. Auf dem Weg nach draußen tätschelt Holger Höhler noch einmal den kupfernen Brennkessel, der zum Symbol seines beruflichen Lebens geworden ist.

Weitere Informationen und Verkauf: In ausgewählten Geschäften, im eigenen Hofladen oder hier:

Headerphoto by Dylan de Jonge on Unsplash

Über den Autor

Thilo Heffen

Thilo Heffen

Thilo Heffen ist der Gründer von EXIMUM. Er schreibt über Dinge die er liebt und Dinge die er interessant findet. Manchmal schreibt er auch über Themen die er nur mag.

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