Über die Plage der Dummheit oder mein Auto fährt auch ohne Bienen: Teil 1

Die EXIMUM Kolumne von & mit Jörg Schneider, Autor, Vorleser und Rockstar a.D.

(Geringfügig vom Autor für das vorliegende Format veränderte Einleitung des Buches „Bewusstlosensprechstunde – Die Lage der Welt jetzt als Buch“ von Jörg Schneider, Schreibstark Verlag 2020)


Machen wir uns nichts vor. Wir leben in Zeiten von der klassischen Eleganz eines formvollendet tätowierten Arschgeweihs – und im Rahmen der damit einherröhrenden, zunehmend schonungsloser wütenden gesellschaftlichen Gesamtverwahrlosung hat vor allem die kulturelle Landschaft enorme Kollateralschäden zu beklagen.

Denn während ringsum die kapitalen Hochleistungshornochsen eines medial gepimpten Dorftrotteltums die Kontrolle übernommen haben, nur noch gebrüllt und längst nichts mehr gesagt, geschweige denn verstanden wird, und ein ebenso uninformiertes wie uniformiertes Nicht-zu-Ende-Denken nicht mehr als Makel hinterherhumpelt, sondern stolz grölend vornewegmarschiert … in solchen Premiumzeiten verwundert es nur wenig, wenn man sich kaum noch des Eindrucks erwehren kann, dass bei einer personell derart flächendeckend herumirrlichternden Idiotenelite wohl auch zukünftig noch ein paar saubere Hochbegabtenstipendien anstehen dürften. Kurzum: Es ist die Dummheit, die den Menschen so zur Plage reifen lässt. Im schlimmsten Fall garniert mit Hass und Hetze.

… dann sind subtiles Analysieren und gehaltvolles Hinterfragen unseres immer offensichtlicher ins Schräge rutschenden Zeitgeistes aber mal ganz gewaltig am Arsch!

Und wenn es sich die größte Wirtschaftsmacht der Welt leistet, ihre Führung einem sich selbst als stabiles Genie bezeichnenden infantilen Choleriker anzuvertrauen, der u.a. Belgien für eine großartige Stadt hält, die Schreibweise des Landes Wales mit der dicker Säugetiere verwechselt und im Gegensatz zu den ihn verwundert dabei beobachtenden Vorschulkindern nicht in der Lage ist, die Flagge des ihm weltanschaulich unterstellten Landes farblich korrekt auszumalen (dafür aber mit Filzstift Wetterkarten fälscht), der sich jedoch beharrlich ein sehr, sehr großes Gehirn attestiert, weil er bei einem Intelligenztest für Kleinkinder die Begriffe Elefant, Giraffe und Nashorn fehlerfrei den entsprechenden Bildern zuordnen konnte … wenn regressive Rückwärtsdenker, demagogische Brunnenvergifter und geistige Evolutionsverweigerer die Horden ihrer grazil mit Schaum vor dem Mund krakeelenden Anhänger mit der Tiefgründigkeit eines Suppentellers durch die Verführung der Verflachung und völkische Blödoyers bei der Brechstange halten, während die Zentraldenker eines anachronistischen Zwergengottesstaates im Herzen Roms auch im 21. Jahrhundert noch immer unbeirrt versuchen, ihren Leicht- bzw. Schwerstgläubigen aus einem intellektuellen Wachkoma heraus die Welt anhand eines aus den jahrtausendealten Mythen einer archaischen Hirtenkultur zusammengestümperten heiligen Buches zu erklären … dann sind subtiles Analysieren und gehaltvolles Hinterfragen unseres immer offensichtlicher ins Schräge rutschenden Zeitgeistes aber mal ganz gewaltig am Arsch!

Ja, selbst ein profanes Begucken der unterschiedlichsten Katastrophengesinnungen und des weltweit wuchernden Wahnsinns vermag einen mittlerweile fast schon so aggressiv zu machen wie die Aussicht auf ein Gästezimmer bei der Check-24-Familie. Oder etwas kompakter ausgedrückt: Die Welt ist voller Schwachköpfe, Brüllaffen und ähnlich lärmender Ignoranter.

Zugegeben, die gab es früher auch schon zur Genüge, doch noch nie sind sie sich durch die kurzen Wege der digitalen Vernetzung so oft und problemlos begegnet und noch nie konnten sie sich gegenseitig so unverhohlen für ihr jeweiliges Schwachkopfsein und ihre tief verinnerlichte Oberflächlichkeit bewundern und beklatschen. Denn noch nie zuvor in seiner Geschichte hatte der Mensch so unfassbar viele frei zugängliche Informationen zur Verfügung, wie es heute durch das Internet der Fall ist.

Einerseits ist das selbstverständlich eine ganz hervorragende Sache, die im Idealfall zu einem vernünftigen, auf Fakten basierenden Verständnis der Welt führen sollte …  oder es zumindest könnte. Doch die schwammigen Untiefen des Konjunktivs lassen bereits das drohende „Andererseits“ erahnen, denn die knüppelharte Realität des Indikativs weiß wiederum nur allzu gut um die Tatsache, dass eben auch noch niemals zuvor so viel haarsträubender Unsinn verbreitet wurde. Jedenfalls nicht in dieser Reichweite und Geschwindigkeit.

Doch mit einer arglos vor sich hintröpfelnden Homöopathisierung profanen Minderdenkens ist es heutzutage ja leider längst nicht mehr getan.

Vollkommen wurscht, wie absurd-grotesk-obskur Deine Weltverschwörungs- und Erklärungshypothesen (ganz gleich zu welchem wunderlichen Thema) auch sein mögen, in den Abgründen Internet’scher Hochkultur werden sich – von den weniger harmlosen, weil beschleunigt gewaltbereit Verwirrten inklusive deren agitatorischer Vorplärrer und Verblödungseinpeitscher an dieser Stelle ganz zu schweigen – zahllose andere Aluhutträger und Co-Hirnlose finden, die das alles ganz genauso sehen.

Und genau darin, im sich rasend schnell erweiternden Aktionsradius all der gemäßigt fundiert Bedenkentragenden, liegt ein wesentlicher Unterschied zum bereits vor 110 Jahren von Karl Kraus so trefflich analysierten „fieberhaften Fortschritt der menschlichen Dummheit“ und der „Welthirnjauche“ seiner Tage, die der Freund und Kollege Jürgen Roth vor einigen Jahren in einem seiner Bücher nicht minder zielgenau zur „Geisteskloake“ verdichtete.

Zwar wird jene kollektive Degeneration schon seit eh und je begrübelt und bejammert, doch heute nimmt die, um erneut mit der Fachkraft Roth zu stänkern, „mediale Vertrottelung Ausmaße an, von denen Karl Kraus nicht mal albzuträumen vermochte.“ obwohl auch der schon damals ahnte, wenn nicht sogar wusste: „Der wahre Weltunterfang ist die Vernichtung des Geistes.“

Ähnlich verheerend konstatierte das auch der umsichtige, jedoch mit der Menschheit etwas versöhnlicher ins Gericht gehende Dieter Hildebrandt, als er die Lage zwar ebenfalls exakt erkannte, aber doch durchaus charmant resümierte: „Die Diskussion, ob wir verblöden oder nicht, beschäftigt sich gar nicht mehr mit dem ‘oder nicht’.“

Doch mit einer arglos vor sich hintröpfelnden Homöopathisierung profanen Minderdenkens ist es heutzutage ja leider längst nicht mehr getan.

Denn die internationale Deppensymbiose hat durch die globale Verflechtung und ihr partout nicht über den eigenen Kindertellerrand hinausschauendes Ignorantenregiment mittlerweile eine nie zuvor gekannte Spannweite und Truppenstärke – und damit auch mediale Macht – erreicht, dass einem wirklich angst und bange werden kann.

… während sich die Beliebtheit des dem Land vorstehenden Top-Schwachkopfes für den Rest der Welt längst irgendwo zwischen Anders Breivik, dem Weißen Hai und Bauchspeicheldrüsenkrebs eingependelt hat.

Und im Sog eines solch fatalen Massenstrudels werden, der natürlichen Richtung des Abgrunds und jeglicher gravitativer Bedenken zum Trotz, immer skurrilere Gestalten und geistige Nichtschwimmer – direkt nach oben – in die mächtigsten Ämter gespült, die dort nun wahrlich nicht das Geringste verloren haben … aber von ihresgleichen dummerweise genau dafür gleichermaßen deplatzierten Beifall ernten.

Aber auch das ist ja nicht wirklich neu. Doch seit der römische Kaiser Caligula, seinerzeit ebenfalls ein veritabler Einzelirrer, vor knapp 2.000 Jahren sein Lieblingspferd Incitatus zum Konsul ernannte, war wohl kaum ein politisches Amt – so man den Führer mal beiseite lässt und dem Pferd nicht zu nahe treten möchte – so dramatisch fehlbesetzt wie es momentan das des geistigen Oberbefehlshabers der USA ist. Selbst bei genauestem Stöbern wird man wohl kaum einen Menschen auf der Welt finden, der intellektuell, charakterlich und moralisch ungeeigneter für eine solche Machtfülle wäre als der aktuelle Amtsinhaber. Offen gestanden, fallen einem auf Anhieb sogar etliche Tiere, Pflanzen und Mineralien ein, die das gehaltvoller hinbekämen.

Und auch sein (den menschengemachten Klimawandel sauber in einem Aufwasch mit der Evolutionslehre wegleugnender) Stellvertreter Mike Pence, der – offenbar im Irrsinn der Sache und des Arbeitskollegiums liegend – stets ein wenig entrückt wirkt, wenn er an der Seite seines Chefs debil grinsend in seinem naiv frömmelnden Paralleluniversum vor sich hin dämmert, scheint nicht uneingeschränkt über die geistigen Kapazitäten zu verfügen, die für eine solche Position hilfreich, wenn nicht sogar unabdingbar wären.

Doch die Schwarmdummheit und willfährige Mistgabelträgerschaft ihrer Wähler nickt all das potenzierte Unvermögen noch immer johlend ab, während sich die Beliebtheit  des dem Land vorstehenden Top-Schwachkopfes für den Rest der Welt längst irgendwo zwischen Anders Breivik, dem Weißen Hai und Bauchspeicheldrüsenkrebs eingependelt hat.

Hier geht es zu Teil 2

Headerbild: Ryan McGuire auf Pixabay

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