Meine alte Musiklehrerin in der Realschule meinte einmal “Jeder Mensch kann singen!”. Allerdings schielte sie so stark dass sie ohne weiteres ihren eigenen Hinterkopf betrachten konnte. Das fünfzehnjährige Ich, gefangen in der Hölle des Stimmbruchs, hatte damals schon den Verdacht dass es aus irgendeinem Grund mit ihrem Gehör deshalb auch nicht so weit her sein konnte. Vielleicht hätten ihr die folgenden, etwas älteren Musikvideos sogar gefallen…

Mark Gormley – “Little Wings”

Ich kann immer noch nicht sagen was mich an diesem attraktiven Video am meisten anspricht: Die kraftvolle Stimme, der unglaublich ausgefeilte Greenscreen oder das souveräne Auftreten Mark Gormleys…

 

Unbekannter Künstler – “How you want me to”

Grandmaster Flash würde mit Sicherheit seinen Hut vor diesem jungen Talent mit den anscheinend gephotoshoppten Basecaps ziehen. Ich selbst habe nach Genuss des Videos alle meine Cypress Hill CDS auf dem Dorfplatz verbrannt. Was Rap betrifft will ich nur noch “How you want me to”…

 

Danny & Armi – “I wanna love you tender”

Der Titel dieses Liedes klingt im Zusammenhang mit der dazugehörigen Musik wie die Androhung einer Körperverletzung. Abgesehen davon dass es in den Siebzigern ja heiß her gegangen sein soll, diese Beiden aber wie aus der Sonntagsschule rausgekehrt rüberkommen, wünsche ich mir einen Oscar für die Choreographie: Selten habe ich bei bis zum Anschlag zugedröhnten Menschen grazilere Tanzbewegungen gesehen!

 

Unbekannt – “Unbekannt”

Mein japanisch ist neuerdings etwas eingerostet, ich kann also nicht beurteilen welchen tiefgreifend philosophischen Hintergrund der Text dieses Liedes hat. Wenn ich mir dieses Video aber anschaue will ich es vielleicht auch gar nicht wissen. Nur eines noch: Wasabi rauchen ist genauso schädlich wie LSD-Bildchen lecken, Kinder!

 

Vennu Mallesh – “It’s My Life What Ever I Wanna Do”

Dieses Video ist der Beweis dass gute und sinnvolle Musik nicht immer vom großen Bruder über dem Atlantik in unser Ohr sickern muss. Vennu Mallesh hat eine kraftvolle Botschaft für alle, die alleine da draußen vor ihren Lehrern, Nachbarn und Freundinnen bestehen müssen. Übrigens, kann ich bitte das gleiche haben wie der Typ am Mischpult mit der Unterhose auf dem Kopf?

 

Zlad! – “Elektronik Supersonik”

Manchmal wünscht man sich dass das, was man sieht, einfach eine hochentwickelte Form der Satire ist! Und oft wird man enttäuscht. In diesem Fall aber ist es tatsächlich so. Santo Cilauro, ein australischer Entertainer, kreierte den Charakter Zlad, mit dem er zwei Musikvideos produzierte. Das hier ist eines davon. Offblast!

 

Jan Terri – “Losing you”

Ich bin immer wieder fasziniert, mit welcher Ernsthaftigkeit Menschen ihre nicht vorhandenen Talente zeigen wollen. Wenn ich dann noch höre dass sie von ihren Freunden, Bekannten und Verwandten bestärkt werden, frage ich mich ob die Menschheit nicht kollektiv einen an der Waffel hat. Ich kann mir vorstellen dass die meisten Beteiligten an diesem Video nach Drehschluss dem Alkohol verfallen sind.

 

Über den Autor

Thilo Heffen

Thilo Heffen

Thilo Heffen ist der Gründer von EXIMUM. Er schreibt über Dinge die er liebt und Dinge die er interessant findet. Manchmal schreibt er auch über Themen die er nur mag.