Kennen Sie diese verrückten Ideen, die sich so sehr in den Kopf brennen, dass Ihnen nichts anderes übrig bleibt als sie umzusetzen? Ideen, die eigentlich keinen Sinn ergeben, aber Sie solange fesseln bis sie umgesetzt werden? Sie können sich glücklich schätzen, wenn sich solch eine Idee in Ihren Kopf eingeschlichen hat! Denn mit der richtigen Vorbereitung und dem nötigen Know-How kann aus solch einer “Schnapsidee” ein kleines Abenteuer werden, das Sie so schnell nicht mehr vergessen werden. Lassen Sie uns von unserer Idee berichten, die zu einem coolen (Achtung Wortwitz) Abenteuer wurde: eine Nacht im Schnee!

Winterabenteuer - Winterwanderung

Thomas und ich hatten also die grandiose Idee eine Nacht im Schnee zu verbringen – und zwar im Zelt irgendwo in den bayrischen Voralpen. Gesagt, getan! Natürlich sind wir nicht einfach wild und planungslos losmarschiert, sondern haben uns vorher einen Plan zurecht gelegt, damit unser angepeiltes Abenteuer nicht in einer Tragödie endet. Zudem ist eine Nacht im Zelt kein Neuland für uns, da wir auf unseren Trekkingtouren eigentlich immer im Zelt nächtigen. Nur die Sache mit dem Schnee war eine neue Erfahrung für uns. Aber wir können Ihnen jetzt schon verraten, dass es definitiv ein Abenteuer mit vielen positiven Erlebnissen war – sehr zum Nachahmen empfohlen! Damit Ihr Winterabenteuer ebenfalls ein Erfolg wird, folgen nun zehn Tipps, die Ihnen bei der Planung und Durchführung helfen sollen. Doch ein Tipp sei vorweggenommen: Einfach mal raus in die Natur und ein bisschen verrückt sein!

#1: Notfallplan

Wir möchten den Teufel nicht an die Wand malen, aber einen Notfallplan sollten Sie immer (!) in der Hinterhand haben, wenn Sie in die Natur (und gerade in die Berge) gehen. Das Wetter kann schlagartig umschlagen und das kann ziemlich ungemütlich werden. Wir für unseren Teil sind mit dem Auto angereist und haben es an einem Parkplatz abgestellt, der nicht weit von unserem Lagerplatz für die Nacht entfernt lag. Wir hätten also jederzeit umkehren und uns zumindest im Auto verschanzen können, hätte das Wetter es böse mit uns gemeint. Aber wir hatten Glück! Wieso sollte das Wetter auch böse auf zwei so charmante Typen sein? Spaß bei Seite! Kein Abenteuer ohne Notfallplan.

#2: Route (halbwegs) planen

Ohne Ziel vor Augen wird es natürlich schwer einen geeigneten Platz zu finden, in dem Ihr Abenteuer stattfinden kann. Aber seien Sie nicht zu genau, sondern suchen Sie sich lieber ein großflächiges Gebiet aus, das Sie auf eigene Faust erkunden. Wir müssen selbst zugeben, dass wir uns auch keine konkrete Route ausgesucht haben, sondern viel mehr ein Gebiet (Tegernsee und Umgebung), das wir nach einem guten Lagerplatz für die Nacht durchforsten wollten. Aber genau so war der Plan und er hat funktioniert!

Winterabenteuer - Planung

#3: Die richtige Ausrüstung

Kommen wir zu einem Thema, das einen eigenen Blogartikel problemlos füllen könnte, hier aber nur in Kürze beschrieben wird – die Ausrüstung. Damit sind erst einmal die großen Drei gemeint: Zelt, Isomatte und Schlafsack. Auf die Kleidung kommen wir im nächsten Tipp zu sprechen. Beim Zelt können Sie eigentlich nicht viel falsch machen, da es keine wärmende Funktion einnimmt. Sie sollten darauf achten, dass Ihr Zelt mindestens eine Wassersäule von 1500 mm hat – dieser Wert gilt in Deutschland gemeinhin als wasserdicht. Eine höhere Wassersäule kann natürlich nicht schaden. Wir persönlich nächtigen im Zwei-Personen-Zelt “Merlin” von Robens. Hört sich schon kuschelig an oder? Die Isomatte sollte nicht gerade so dünn sein wie ein Löschpapier, sondern sollte – gerade bei winterlichen Temperaturen – schon in Richtung Taschenbuch gehen. Ansonsten können Sie sich an dem sogenannten R-Wert orientieren. Je höher der Wert ist, desto höher ist die Isolationswirkung – ganz einfach. Der Schlafsack besitzt selbstverständlich auch eine Norm – genauer gesagt ist die Norm EN 13537 für die nach einem Standard-Verfahren gemessenen Temperaturbereiche verantwortlich:

  • T Comf: Komfortbereich
    • Temperatur, bei der die „Standard-Frau“ gerade noch nicht friert
  • T lim: Grenztemperatur (unterer Grenzbereich)
    • Temperatur, bei der der „Standard-Mann“ gerade noch nicht friert
  • T ext: Extremtemperatur
    • Temperatur, bei der die „Standard-Frau“ gerade noch sechs Stunden im Schlafsack aushalten kann, ohne gesundheitliche Schäden davon zutragen

Orientieren Sie sich also möglichst an der Komforttemperatur, damit Sie auf der sicheren Seite sind. Wenn Sie diese Tipps beherzigen, sind Sie bestens für Ihr Abenteuer im Schnee ausgerüstet.

#4: Die richtige Kleidung

“Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung”. Eine nervige Binsenweisheit, die aber mindestens genauso wahr ist wie unsere Liebe zum Outdoorleben… Wichtig ist aber auch, die Kleidung richtig zu verwenden. Das funktioniert bestens mit dem altbewährten Zwiebelprinzip. Die erste Schicht (Base-Layer) stellt ein Funktionsshirt dar, das im besten Fall aus Merinowolle besteht, da Wolle optimal die Temperatur reguliert und zudem viel Feuchtigkeit aufnehmen kann ohne die Isolationsleistung zu verlieren. Als zweite Schicht (Mid-layer) bieten sich Produkte mit hoher Isolationsleistung an wie z.B. Fleece oder Produkte aus Daune bzw. Kunstfaser. Daune hat die höchsten Wärmewerte und ist sehr leicht, verliert jedoch bei Nässe sofort die Isolationsleistung. Kunstfaser hingegen ist bei Regen nicht so anfällig und behält immerhin noch eine Isolationsleistung von 80%. Gegen Wind und Wasser – also unverzichtbar für eine Winterwanderung – hilft lediglich die dritte Schicht (Shell-layer). Die sogenannte Hardshelljacke schützt vor Wind und Regen, leitet gleichzeitig aber Feuchtigkeit in Form von Schweiß von innen nach außen und sollte daher auf jeder Wanderung Platz in Ihrem Rucksack finden. Wir persönlich vertrauen den Jacken von Arcteryx wie z.B. der Arc’teryx Alpha AR (Hardshell) oder dem Arc’teryx Atom LT Hoody (Synthetik-Isolierung).

Winterabenteuer - Ausrüstung

#5: Warme Mahlzeit

Kommen wir zu einem einfachen Tipp, der Ihnen vermutlich genauso gut schmeckt wie uns – Essen! Gerade im Winter bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist es besonders wichtig etwas Warmes im Magen zu haben. Denn der Körper muss permanent aufgeheizt werden, um die Kerntemperatur aufrecht zu erhalten und das kostet logischerweise Energie, die irgendwo hergeholt werden muss. Wenn Sie sich aktiv bewegen, übernimmt das Ihre Bewegung alleine für Sie. Spätestens wenn Sie im Zelt liegen, sollten Sie sich vor der Nachtruhe aber noch einmal mit einem warmen Gericht aufheizen. Wir können da einen deftigen Eintopf empfehlen, der auch gerne mal aus der Dose kommen darf, da es einfacher und schneller geht. Oder Sie bereiten zuhause in Ruhe alles vor und müssen die Zutaten in der Natur nur noch in einen Topf werfen und erhitzen. Schmeckt natürlich noch besser!

#6: Warme Getränke

Gleiches gilt natürlich auch für warme Getränke. Ein heißer Tee, Kaffee oder später am Lagerplatz ein heißer Grog wärmen nicht nur, sondern machen bei Letzterem auch lustig und sorgen für eine gemütliche Stimmung, gerade in einer kleineren Runde. Alkoholische Getränke sollten natürlich nur in Maßen genossen werden, damit aus dem Outdoor-Abenteuer keine Abrissparty à la Mallorca-Style wird. Zudem sollten Sie sich in der Natur möglichst ruhig und unauffällig verhalten, um Fauna und Flora zu schützen, aber das ist ja selbstredend. Mit der richtigen Isolierflasche können heiße Getränke auch wunderbar von zuhause mitgenommen werden. Wir nutzen beispielsweise beide die MicroLite 500 Flip von GSI Outdoors, die ein Warmhalten von ungefähr 8 Stunden verspricht und die wir hier genauer vorgestellt haben.

Winterabenteuer - Eifelsteig Getränk

#7: Der richtige Lagerplatz

Natürlich spielt auch die Wahl des Lagerplatzes eine wichtige Rolle. Hier eignen sich Plätze, die durch Bäume etwas vom Regen und Wind geschützt sind und tendenziell trockener sind als Plätze, die mitten auf einem offenen Feld liegen. Doch allzu tief in den Wald sollten Sie auch nicht gehen, da Sie hier ihre unmittelbare Umgebung nur sehr schwer beobachten können und sich schlimmstenfalls in der Dunkelheit oder am nächsten Morgen nicht mehr orientieren können. Ansonsten lohnt es sich auch immer Ausschau nach Steinen und dickeren Ästen zu halten, da diese sich sehr gut zum Sitzen oder als Arbeitsfläche eignen.

#8: Im Zelt

Ordnung ist das halbe Leben! Sie sollten zumindest einen groben Plan davon haben, was Sie wo in Ihrem Zelt verstaut haben, damit Sie schnell darauf zugreifen können. Es gibt nichts nervigeres als im Zelt die eigenen Klamotten zu suchen – wir sprechen da aus Erfahrung! Das bedeutet, dass die wichtigsten Dinge wie Flachmann (Spaß), Kopflampe, Mütze und zusätzliches Fleece immer in Kopfnähe bereit liegen sollten, damit ein unangenehmes Herausklettern aus dem Schlafsack möglichst vermieden wird. Sofern es Ihre Regen- bzw. Hardshelljacke trocken ins Zelt geschafft hat, können Sie diese über Ihre im Schlafsack eingemummelten Füße legen. Das sorgt für einen trockenen Fußbereich im Schlafsack, der sonst über Nacht gerne mal feucht wird, da die Füße nicht ganz so viel Wärme abgeben – ein genialer Tipp! Profis gehen noch eine Stufe weiter und füllen in Ihre Trinkflasche warmes Wasser und legen diese anschließend in den Fußbereich Ihres Schlafsacks. Das sorgt für eine angenehme Wärme im ganzen Schlafsack!

Winterabenteuer - Blick aus dem Zelt

#9: Wildcampen?

Das Übernachten in der freien Natur zählt wohl zu den intensivsten Methoden diese auch zu erleben. Dabei ist es wichtig zwischen den verschiedenen Möglichkeiten des Übernachten zu unterscheiden, da die Rechtslage doch sehr unterschiedlich und keinesfalls eindeutig ist. In Naturschutzgebieten, Nationalparks und sonstigen Schutzgebieten sollten Sie das Übernachten jeglicher Art gänzlich sein lassen – ist streng verboten und kann teuer werden! In den übrigen Gebieten ist das Zelten ebenfalls gesetzlich verboten, wohingegen das Biwakieren, also Schlafen unter freiem Himmel ohne Zelt, nicht explizit verboten wird. Wir für unseren Teil achten darauf, dass wir unser Lager an entlegenen Stellen aufschlagen und so wenig wie möglich auffallen. Eine Mülltüte haben wir immer dabei, sodass keine Spuren hinterlassen werden. Erregen Sie also so wenig Aufmerksamkeit wie möglich und hinterlassen Sie den Ort so wie Sie ihn vorgefunden haben, dann dürfte es keine Probleme geben.

#10: Abschalten und genießen

Und zu guter Letzt vielleicht der wichtigste Tipp! Sie sollten natürlich auch die anderen Tipps beherzigen, damit alles glatt läuft, aber am wichtigsten ist es, das Handy abzuschalten, den Kopf freizukriegen und die Natur zu genießen. Also raus in die Natur und mal ein bisschen verrückt sein!

Falls Ihr Interesse geweckt wurde, empfehlen wir Ihnen gerne unser Video zu unserer Winterwanderung im Schnee, in dem Sie alles nochmal live und in Farbe nachvollziehen können!

Über den Autor

Jannik

Jannik ist 23 Jahre alt, hat in Köln Sportmanagement und Kommunikation studiert und wohnt zur Zeit in München. Da er aber sehr gerne draußen unterwegs ist und die Natur genießt, kann sich das zum jetzigen Zeitpunkt schon wieder geändert haben. Zusammen mit Thomas betreibt er den Outdoorblog Trekkinglife sowie den gleichnamigen YouTube-Kanal, auf dem regelmäßig hochwertiger Content produziert wird...