Kultur

Vom Wohlstandsbauch zum Marathon laufen

Thilo Heffen
Geschrieben von Thilo Heffen

Wir Männer über vierzig haben ein Problem: Wir neigen dazu uns auf unseren sportlichen Heldentaten vergangener Zeiten auszuruhen! Dabei langweilen wir unser Umfeld gerne mit Anekdoten aus dieser Zeit, während uns unsere Plauze den Blick auf die eigenen Füße versperrt. Dass es auch anders geht und man auch jenseits der vierzig sogar noch mehr als einen Marathon laufen kann, zeigt unser Interview.

Maximiliano Dorgathen ist gerade 50 geworden, macht aber einen deutlich jüngeren Eindruck. Der Unternehmer aus Berlin mit argentinischen Wurzeln hat erst nach Jahrzehnten den Sport wieder für sich entdeckt und mittlerweile mehrere Supermarathons erfolgreich hinter sich gebracht. Mit seinem Unternehmen Simple&Fun hat er das Thema Bewegung zum Geschäftsmodell gemacht und bietet neben Laufcamps, Abenteuerreisen und Aktivurlauben auch Events im Networking-Bereich an. Wir haben ihn mal gefragt wie das so ist, wenn man mit 40+ in den sportlichen Extrembereich geht.

Hallo Max. Bist Du heute schon gelaufen, und wenn ja, wie viel?
Heute bin ich nicht gelaufen, dafür aber gestern 13 km. Gestern war ja Sonntag und da haben wir unseren Lauftreff. Wir starten um neun Uhr im Grunewald und drehen unsere Runde “offroads”. Das war meine Laufeinheit. Heute hatte ich bis jetzt noch keine Möglichkeit, aber vielleicht gehe ich gleich nochmal für ein Stündchen raus.

Wann hast Du mit dem Laufen angefangen, und warum?
Das fing alles 2008 an, um genau zu sein am 2. März 2008, dem Geburtstag meiner Frau. Ich stand mit einem Freund bei einem Gläschen Wein, hatte meinen Wohlstandsbauch angeguckt und zu ihm gesagt: “Pass mal auf, ich habe jetzt 92 kg, das geht so nicht weiter. Ich muss jetzt was tun und möchte anfangen zu laufen.” “Hey, geile Gelegenheit,” sagte er, “Ich fange am Dienstag damit an, schließ Dich doch an!”. “Klar, warum nicht? Können wir gerne machen!” So fing das Ganze dann, Gottseidank in Begleitung, an, weil ich nicht weiß ob ich es zu diesem Zeitpunkt alleine in dieser Form geschafft hätte. Wir haben direkt mit fünf Kilometern angefangen, das war an diesem Dienstag, dann am Donnerstag wieder fünf Kilometer. Natürlich hatte ich sofort einen wahnsinnigen Muskelkater. Am Samstag dann zehn Kilometer. Das war echt ein Riesensprung, aber siehe da, so nach einer Woche hatte sich mein Körper doch daran erinnert dass er irgendwann mal Sport getrieben hat. Das war eine Sache die mir ganz gut gefiel.

Marathon laufen - Im Wald

Wie alt warst Du da?
41 Jahre.

Und wie schwer war der Einstieg ins Marathon laufen für Dich als über Vierzigjährigen?
Weil ich mit einem Freund gelaufen bin war es einfacher. Er hatte irgendwann vorher schon Lauftrainings absolviert und mit mir wieder angefangen. Ich selbst hatte es mal probiert aber das war eine Katastrophe. Da war ich nach drei Kilometern völlig exhausted. Naja, zweimal gelaufen, fünf Monate Pause, dann wieder angefangen, einmal gelaufen, aber das war auch kein Laufen, das war eher Joggen. Da besteht meiner Meinung nach ein Unterschied: Joggen ist ein bisschen den Körper bewegen, beim Laufen versuchst Du ein Ziel zu verfolgen. Und das hat mir der Jürgen damals relativ schnell gegeben. Nach einer Woche meldete er uns zu einem Halbmarathon an. Ich hatte keine Ahnung wie viel das ist und fragte ihn.
“Die Hälfte von einem Marathon”, sagte er.
“Und wieviel ist ein Marathon?”
“42 Kilometer.”
“WAS? 21 Kilometer? Bist Du WAHNSINNIG?”
“Komm”
, versuchte er mich zu motivieren, “das schaffst Du schon.”
Naja, dann war das Ziel plötzlich da und das Laufen wurde ein bisschen zur Pflicht. Ich machte mir Gedanken wie viel ich laufen muss, wie oft, usw. Mit einem Trainingsprogramm habe ich dann vier Wochen später meinen ersten Halbmarathon überstanden, was ich natürlich keinem Anfänger oder Wiedereinsteiger empfehlen kann. Aber es hat geklappt.

 

„Joggen ist ein bisschen den Körper bewegen, beim Laufen versuchst Du ein Ziel zu verfolgen“

 

Du hast gerade Dein Trainingsprogramm erwähnt. Bist Du jemand der akribisch so einen Trainingsplan verfolgt oder entscheidest Du immer spontan aus dem Kopf wann und wo Du läufst?
Am Anfang hatte ich tatsächlich einen Trainingsplan, aber ich bin eher so ein Kopfmensch. Ich bin nicht einer der sagt, ok, ich trainiere gezielt um bestimmte Zeiten zu erreichen. Das war am Anfang so. 2010 bin ich meinen ersten Marathon gelaufen und auch 2012, beim ersten GutsMuths-Rennsteiglauf, hatte ich noch einen Trainingsplan. Danach nicht mehr. Ich laufe jetzt eher nach Gusto und auch mehr Trail. Ich versuche mich zwei bis dreimal die Woche zu bewegen und wenn große Rennen anstehen, bei denen es ans Eingemachte geht, versuche ich etwas planmäßiger zu laufen. Aber letztendlich ist es alles aus dem Kopf heraus.

Was ist Dein nächstes Laufevent, Wettbewerb oder Rennen?
Das nächste Rennen ist eine kleine Geschichte, ein 10 km-Lauf im September. Da werde ich andere Leute zum Erfolg führen, damit sie die zehn Kilometer schaffen. Die Zeit ist in diesem Fall absolut sekundär. Danach, im Oktober, ist mein finales Rennen für dieses Jahr, auch ein 10 km-Lauf. Wir treffen uns mit 30 bis 40 Leuten aus der Laufgruppe, um den Great 10k Berlin zu laufen. Da versuche ich nochmal meine Bestzeit herauszuholen und auf jeden Fall unter einer Stunde zu bleiben beziehungsweise auf die 50 Minuten zuzugehen.

Marathon laufen - Max Dorgathen

Weil Du gerade “zum Erfolg führen” erwähnt hast. Was ist Dein Tipp für Männer über 40, die mit dem Laufen anfangen wollen?
Erstmal würde ich sagen muss die Entscheidung getroffen werden, etwas verändern zu wollen. Ganz egal ob es dabei um die Gesundheit, das Gewicht oder etwas anderes geht. Du brauchst eine Motivation, dann fängst Du an zu Laufen. Du solltest Dir auch ein Ziel setzen: Halbmarathon, Marathon, etc. Wenn Du noch nie gelaufen bist reichen natürlich erstmal 10 km. Wenn Du 10 km gelaufen bist gehst Du auf einen Halbmarathon zu. Wenn Du einen Halbmarathon gelaufen bist gehst Du auf die Königsklasse, den Marathon, zu. Du brauchst natürlich auch -gerade am Anfang- einen klassischen Trainingsplan. Der Körper muss sich erst auf das Laufen einstellen, die Sehnen und die Muskulatur müssen wieder lernen zu arbeiten… Laufen kann schnell wissenschaftlich werden. Aber erstmal anfangen, Ziele setzen, regelmäßig laufen, die Ernährung umstellen. Erfolge stellen sich relativ schnell ein und nach zwei, drei Monaten fängt es an wirklich Spaß zu machen.

Du hast vom GutsMuths-Rennsteiglauf gesprochen. War das Deine längste Strecke?
Ja, das war der Supermarathon, den bin ich schon dreimal gelaufen. Das sind 73,5 km.

 

„Unter dem Slogan “Runter vom Asphalt, ab in den Wald” bringe ich den Leuten eine andere Art des Laufens bei“

 

Wow!
Hätte ich auch nicht gedacht dass die Entwicklung in diese Richtung geht und ich das schaffe. Ab einer bestimmten Kilometerzahl, so ab 30 km, wird das Laufen zu einer reinen Kopfsache.

Hat das Laufen Deinen Job irgendwie beeinflusst?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin Reiseveranstalter und irgendwann kam ein Freund von mir auf mich zu und sagte “Mensch, Du machst immer so große Sachen, Reisen nach Bolivien und so. Mach’ es doch ein bisschen kleiner und konzentriere Dich auf das, was Du am besten kannst!” Ich habe ihn gefragt was er damit meint und er sagte, ich wäre doch Läufer, ich solle Wochenendtouren für Leute gestalten die mal etwas anderes erleben wollen, gerade im Hinblick auf das Thema Trailrunning. Ich dachte mir dass das eine gute Idee ist und daraus entstand dann das Produkt Train on Trail. Unter dem Slogan “Runter vom Asphalt, ab in den Wald” bringe ich den Leuten eine andere Art des Laufens bei. Ich bin auch fitter, habe morgens keine Probleme mehr aufzustehen, habe mehr Energie, kann konzentrierter arbeiten und bin so gut wie nie krank. Das kommt auch daher weil ich das ganze Jahr über laufe, nicht nur im Sommer.

Marathon laufen - Endlich im Ziel

Eine kleine Blitzrunde. Wähle einen von zwei Begriffen: Straße oder Trail?
Trail!

Energieriegel oder Banane?
Banane!

Mit Musik oder ohne?
Ohne!

Alleine oder in der Gruppe?
In der Gruppe!

Und als letzte Frage: Hast Du Dir bei einer Langstrecke schon mal in die Hose gemacht?
[Lacht] Nein, Gottseidank nicht. Darauf achte ich, dass ich tatsächlich immer vor dem Rennen den großen Gang mache.

 

Bildnachweis: Maximiliano Dorgathen

Thilo Heffen

Thilo Heffen wurde 1970 geboren und ist immer noch nicht tot. Sein Berufsleben besteht zum großen Teil aus Titeln mit dem Präfix „Ex-„, wie zum Beispiel Ex-Soldat, Ex-Netzwerkingenieur, Ex-Filmemacher, Ex-Operations Manager oder Ex-Niederlassungsleiter. Wird er gerade nicht von Frau, Kindern oder Hund in Beschlag genommen, versucht er auf EXIMUM Beiträge so interessant zu schreiben, dass sie auch von anderen gerne gelesen werden.

1 Comment

  • Das ich jemals ein Interview übers Laufen geben würde, hätte ich niemals gedacht!
    Dennoch freut es mich sehr, dass ich durch meine Aktivitäten inspirierend wirken kann und eventuell auch andere männliche wie auch weibliche Personen die Lust dazu wecken könnte.
    Es ist schon ein Stück Freiheit, wenn man überall zu jeder Zeit sich bewegen kann und dabei sogar ein Glückgefühl erlebt.
    Gerne stehe ich für weitere Fragen zur Verfügung oder einfach mal mit mir 3-4 Tage durch die Wälder laufen. #simpleandfun halt!
    Jetzt bin ich 10 Jahre weiter und denke daran, mein Repertoire zu erweitern. Triathlon!
    Na mal sehen, ob Thilo mich dann noch einmal fragt? 😉

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